Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Regional Hanns-Eisler-Stipendiat führt neues Werk auf
Nachrichten Kultur Kultur Regional Hanns-Eisler-Stipendiat führt neues Werk auf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:13 27.06.2019
Gregor Forbes bewohnt als Stipendiat seit Anfang Mai die eigens neu eingerichtete Eisler-Wohnung in der Nähe des Hauptbahnhofs. Quelle: Fotos: André Kempner
Leipzig

Der Komponist Gregor Forbes, 1993 in Edinburgh geboren, ist der erste Hanns-Eisler-Stipendiat der Stadt Leipzig. Am Sonntag wird sein neuestes Stück „A spacious room“ erstmals in Leipzig im Rahmen der Jüdischen Woche aufgeführt. LVZ sprach mit ihm über Leipzig als Inspirationsquelle, musikalische Entscheidungen und natürlich Hanns Eisler.

Wie fühlen Sie sich in Leipzig?

Sehr gut! Ich bin am 6. Mai hier eingezogen und die Zeit ist seitdem nur so verflogen! Ich liebe es in Leipzig und habe es geschafft, ein paar andere Komponisten und Musiker von hier zu treffen. Mir scheint es eine recht kleine Szene zu sein, die sich mit Neuer Musik beschäftigt – aber naja, ich bin aus Schottland, so anders ist das da auch nicht (lacht). Und natürlich ist es toll, hier im Eisler-Haus zu sein, und ich bin überaus dankbar, dass alles so liebevoll eingerichtet wurde. Es ist eine großartige Umgebung, um kreativ zu sein.

Inspiriert Leipzig Sie beim Komponieren?

Ja, tatsächlich. Ich bin immer noch dabei, die Atmosphäre aufzunehmen. Meine ersten Eindrücke von Leipzig waren die eines sehr friedlichen Ortes. Die Struktur der Stadt, die breiten Straßen, der Ring, der um die Innenstadt führt, all die anderen Viertel, die ich Stück für Stück erforsche. Als Stadt ist Leipzig sehr klein, verglichen mit Berlin – offensichtlich. Aber ich mag die Stimmung sehr, sie hilft mir beim Arbeiten.

Woran arbeiten Sie derzeit?

Gerade arbeite ich an dem Hauptprojekt, das ich während des Aufenthaltes im Eisler-Haus komponiere, eine neue Komposition für die Musica-nova-Serie im Gewandhaus. Steffen Schleiermacher und das Ensemble Avantgarde führen das Werk am 16. Oktober auf. Damit beschäftige ich mich seit einer ganzen Weile, habe aber vor Kurzem ein Nebenprojekt beendet, das am Dienstag in Chemnitz uraufgeführt wurde und am Sonntag zum ersten Mal in Leipzig gespielt wird. Und das war ein gutes Sprungbrett für meine größte Arbeit, hier konnte ich ein paar neue Ideen für mich ausprobieren, in einem eher zurückhaltenden Kontext. Und für das Musica-nova-Stück will ich dann alle Register ziehen. Seit ein paar Wochen skizziere ich Ideen, füge Dinge zusammen, arbeite die großen Zusammenhänge heraus, die Architektur des ganzen Stückes. Üblicherweise starten meine Ideen an einem kleinen Punkt, dann entwickeln sie fast schon ein Eigenleben, und die Idee des Stücks ändert sich noch einmal völlig.

Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?

Das lässt sich schwer verallgemeinern. Aber den Kontext, in dem ich mich vor allem mit meinen Stücken bewege, würden die meisten als experimentelle Musik beschreiben. Ich glaube, jeder Komponist bewegt sich, bewusst oder unbewusst, in einer eigenen Welt. Jeder hat bestimmte Komponisten vor Augen, denen er sich nah oder verbunden fühlt. Das sind alles einflussnehmende Faktoren. Mich beschäftigen vor allem Fragen, mit denen sich experimentelle Komponisten auseinandersetzen. Die neigen dazu, etwas philosophisch zu sein, oder radikal im Sinne von „Was macht die musikalische oder ästhetische Erfahrung aus? Warum kommen Menschen überhaupt zusammen, um Musik zu machen?“ Ein Ansatzpunkt der letzten Zeit war für mich, Musiker während einer Aufführung, Entscheidungen treffen zu lassen. Natürlich ist das nichts Neues in improvisierter Musik, wie zum Beispiel im Jazz. In Klassischer Musik besteht aber eher eine sehr starre Noten-Künstler-Beziehung. Mir gefällt die Idee, dass die Musiker live Entscheidungen treffen, die einen Einfluss auf die anderen Musiker haben.

Und das neue Stück, das am Sonntag erstmals in Leipzig aufgeführt wird?

Es heißt „A spacious room“ und ist für Pauke und Streichquartett komponiert. Der Prozess war sehr langwierig und kompliziert, das Stück so hinzukriegen, wie ich es wollte. Letzte Woche hatten wir eine Probe, und ich habe noch ein paar Kleinigkeiten verändert. Es ist eine Komposition in vier Sätzen, was ungewöhnlich für mich ist. Jeder Satz beleuchtet einen anderen musikalischen Aspekt, aber alle Sätze beinhalten dieses Element der Entscheidung, spontane Live-Interaktion zwischen den Musikern.

Beeinflusst Sie Eisler, seit Sie hier wohnen?

Ich glaube, er beeinflusst mich immer mehr. Ich hatte Eisler seit ein paar Jahren im Kopf, und seit ich hier bin, lese ich mehr über sein Leben und sein Werk, seine Ideale und Visionen für Musik. Er hatte eine unglaubliche Entschlossenheit und ausgeprägte Weitsicht, um über das Thema „Musik und Politik“ zu reflektieren. Und darüber wird sehr selten nachgedacht oder gesprochen, denke ich. Jetzt, da ich im Eisler-Haus wohne, denke ich natürlich auch viel über politische Inhalte nach, und das neue Stück hat für mich eine mikroskopische politische Qualität, weil es viel um Interaktionen zwischen den Ausführenden geht.

Konzert mit dem Hanns-Eisler-Stipendiaten: Sonntag, 30. Juni, 16 Uhr, Grieg-Begegnungsstätte, Karten: 12/9 Euro.

Von Katharina Stork

Pianist und Komponist Johannes Bigge ist in der Leipziger Jazzszene und darüber hinaus längst etabliert. Als Meisterschüler examiniert ist der 30-Jährige jetzt überdies: Am Mittwochabend absolvierte er im Schille-Theater sein Abschlusskonzert.

27.06.2019

Das DOK Leipzig wird in diesem Jahr erstmals einen Regisseurinnen-Preis ausloben, um weiblichen Filmschaffenden mehr finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen.

27.06.2019

Harte Klänge in großer Hitze: Die brasilianischen Metal-Veteranen von Soulfly haben am Mittwochabend im Leipziger Hellraiser gespielt.

27.06.2019