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Kultur Regional „Happy Birthday, With Full Force“
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14:27 17.06.2018
With Full Force 2017, Ferropolis. Quelle: susanne richter
Gräfenhainichen,

Das With Full Force ist gerade mal ein paar Stunden jung, da erzittert das Hardbowl-Zelt schon zum vierten Mal unter einem tausendfach gesungenem „Happy Birthday, With Full Force“. Andreas Dörner, Frontmann der deutschen Metalcore-Speerspitze Caliban, gibt den Vorsänger für ein Ständchen, das dem Anlass entsprechend gewaltig ausfällt. Ostdeutschlands größtes Festival für nahezu jede Spielart von Stromgitarrenmusik, von Hard- und Metalcore über Punk, Rap-Crossover-Rock und Alternative bis zu extremen Auswüchsen in Form von Black und Death Metal, feiert sein 25-Jähriges - und rund 17.000 Besucher wollen dabei sein.

Ausgerechnet ein Geburtstagslied wird zum Ohrwurm bei einem Metal-Festival. Aus gutem Grund: Die Macher von With Full Force haben allen Grund zum Feiern und 70 Bands machen mit.

Beginn in Werdau

Was 1994 mit einem Tagesfestival im beschaulichen Werdau begann, hat sich über die Stationen Zwickau und vor allem Roitzschjora einen beachtlichen Legendenstatus erarbeitet. Seit dem vergangenen Jahr findet das With Full Force nun in seiner neuen Heimat Ferropolis, in der Stadt aus Eisen bei Gräfenhainichen, statt. Viele Fans sind mitgezogen, doch nicht alle, wie die Zeltplätze und manchmal auch lichte Reihen vor den drei Bühnen zeigen. „Die Konkurrenz ist in den Jahren größer geworden, vor allem kleinere Festivals schießen wie Pilze aus dem Boden. Da überlegen sich die Leute drei Mal, wofür sie ihr Geld ausgeben“, sagt Roland „Bogo“ Ritter, Mitbegründer und inzwischen einer der drei Festival-Geschäftsführer.

Feines Line-Up zum Geburtstag

Neben dem Beheben der logistischen Probleme der letztjährigen ersten Ferropolis-Auflage haben sich die Veranstalter zum Geburtstag allerdings nicht lumpen lassen und ein feines Line-Up zusammengebastelt, das quasi permanent zwischen Stammgästen und Neulingen oder Comebackern pendelt und eine Bandbreite wie lange nicht mehr bietet.

Am ersten offiziellen Festivaltag, dem Donnerstag, treffen diese Prädikate zweifellos auf Bands wie Kataklysm , die Midtempo-Walzen auf die zuckenden schwitzenden Leiber hämmern und die Doublebass schnurren lassen, und auf die bereits erwähnten Caliban um Andreas Dörner zu, der immer wieder atemlos „Unglaublich, Force, unglaublich“ staunt. Body Count, mit dem Rapper Ive T. am Mikrofon, überraschen groovend, während God Dethroned und Entombed A.D. ihre Auftritte wie ein Treffen mit alten Bekannten zelebrieren. Durch die bis zum Morgengrauen währende Knüppelnacht geleiten schließlich solch ausgewiesene Extreme wie Belphegor oder Necrophobic. Am Freitag wird gar noch die eine oder andere Geburtstagskerze mehr angezündet.

Impressionen vom Abschluss in Ferropolis

Schon am Nachmittag, unter drückender Sonne, lassen Dritte Wahl, die Punkrocker aus Rostock, das Force vor der großen Ferrox-Bühne kreiseln. Danach folgen die Brecher Schlag auf Schlag: Hungaro-Thrash mit Ektomorf, Auf-die-zwölf-Hardcore mit Madball und Hatereed, Ethno-Metal aus Kuba mit Tendencia, bierseliger Schunkel-Thrash mit Tankard. Krachend assistiert werden die Gratulanten von Metalcore- und Post-Rock-Empfehlungen wie The Hirsch Effekt, First Blood, Eskimo Callboy oder Moscow Death Brigade. Den krönenden Abschluss zelebrieren, wegen technischer Kabelprobleme mit 40 Minuten Verspätung, anderthalb Stunden lang Judas Priest, die Altvorderen des Heavy Metal mit dem unverwüstlichen Rob Halford am Mikrofon, sowie Benediction und Marduk in der zweiten Knüppelnacht.

Apocalyptica zum Abschluss

Und auch der dritte Tag, an dem so manchem schon die Ermüdung anzusehen ist, hat es in sich. Während die Stumpfwalzen Pro Pain um Gery Meskill bereits am Nachmittag ihre Hardcore-Salven auf die malträtierten Köpfe wuchten, feiern die Melodic-Deather In Sanity und insbesondere die Oi-Punkrocker Booze & Glory auf den beiden anderen Bühnen ausgelassene Geburtstagspartys. Life of Agony um Mina Caputo, die in den 1990er den Monster-Corssover salonfähig machten, zelebrieren ihre Hymnen, Emmure hauen eins um andere Mal zornige Rippenhammer in die Massen, Parkway Drive machen das Gemetzel vor der Bühne schließlich komplett. Den würdigen Abschluss feiern weit nach Mitternacht die Beatsteaks, als krönender Abschluss streichen Apocalyptica ihre Instrumente im Metallica-Style.

Metal-Festival bei Gräfenhainichen.

Die Liste der Gratulanten ist zu diesem Jubiläum lang, dass es müßig wäre, alle entsprechend zu würdigen. Insgesamt 70 Bands, die auf drei Bühnen spielen, sind für die drei Tage verpflichtet worden - das ist Rekord. „Danke dafür, dass ihr so wahnsinnig seid! Auf die nächsten 25 Jahre!“, schreit beispielsweise Winston McCall, Frontmann der Headliner von Parkway Drive, zu Protokoll. Und Maik Weichert, der mit Heaven Shall Burn gerade eine Pause einlegt, wippt vor der Metal Hammer Bühne zum rollenden Death der Marke Entombed A.D. und bedankt sich bei den Machern: „Das With Full Force hat uns zuerst als Fans und später als Musiker geprägt. Niemals hätten wir uns träumen lassen, dass wir auf der riesigen Bühne, vor der wir als Jugendliche zu unseren Helden durch den Schlamm gesurft sind, einmal als Headliner stehen werden.“ Genau diese Geschichten sind es, für die das With Full Force steht - und für drei Tage ausgelassene Party.

Von Andreas Debski

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