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Kultur Regional Hermann Max führt in der Thomaskirche Gottfried Heinrich Stölzels „Lämmlein auf“
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15:15 16.06.2019
Hermann Max dirigiert in der Thomaskirche. Quelle: Gert Mothes
Leipzig

Es sind die gleichen Interpreten wie bei der Aufführung in der Schlosskirche Gotha am Karsamstag, die das Passionsoratorium „Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld“ von Gottfried Heinrich Stölzel (1690–1749) in der Thomaskirche aufführen. Trotzdem erschließt sich das Konzert beim Bachfest anders, intensiver und vitaler als bei den Thüringer Bachwochen. Den akustischen Vergleich zwischen den Aufführungsstätten hatte Bach höchstwahrscheinlich nicht, als er Stölzels erstes großes im Amt des Gothaer Hofkapellmeisters komponiertes Werk aus dem Jahr 1720 in der Thomaskirche am Karfreitag 1734 zur Aufführung brachte. Bach schätzte den Kollegen sehr, dessen Arie „Bist du bei mir“ aus Stölzels Oper „Diomedes oder die triumphierende Unschuld“ er ins „Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach“ aufnahm. 1735/36 hatte Bach einen vollständigen Kantaten-Jahrgang Stölzels mit Texten von Benjamin Schmolck in Leipzig aufgeführt. Er und Stölzel waren Mitglieder der „Correspondierenden Societät der musikalischen Wissenschaften“. Neben Händel und Reinhard Keiser vertonte auch Stölzel die Brockes-Passion.

Spannende Gesichtsfelderweiterung

Was Hermann Max, Empfänger der Bach-Medaille 2008 und in Hinblick auf Oratorien-Entdeckungen wohl weltweit der umtriebigste Dirigent, mit dem Kleinen Konzert und der Rheinischen Kantorei hier vorführt, hat Fülle, leichte akustische und den Gesamteindruck sinnlich aufladende Verzögerungen. Das ermöglicht den Musikern, dem Chor und den Solisten weitaus farbigere Klangräume als in der kleineren Gothaer Schlosskirche. Das Publikum in der mäßig gefüllten Thomaskirche dankt allen Musikern am Ende mit herzlichem Beifall. Zu einem Festival dieses Rangs gehören spannende Gesichtsfelderweiterungen wie Michael Mauls 2018 begonnene Serie mit Aufführungen von Passionen Zelenkas und Reinhard Kaisers, die jetzt mit Stölzel und Keiser und in den nächsten Jahren hoffentlich weitere Fortsetzungen finden werden.

Starke Emotionen

In der Thomaskirche wird die Struktur des mit starken Emotionen aufgeladenen Werks deutlich, für das Stölzel wahrscheinlich selbst den Text schrieb. Die 22 Betrachtungen haben einem ähnlichen Aufbau. Auf ein Rezitativ mit einer Station der Leidensgeschichte folgt jeweils ein rezitativischer Übergang mit Arie aus der Perspektive der „Gläubigen Seele“ und danach ein Choral der „Christlichen Kirche“. Den Part des referierenden Evangelisten ohne direkte Bibelzitate hat Stölzel auf Tenor und Bass verteilt.

Zahlreiche Schönheiten

In der Thomaskirche verteidigt Martin Schicketanz erfolgreich seinen Führungsanspruch gegenüber den anderen Solisten Markus Brutscher (Tenor), Franz Vitzthum (Altus) und Veronika Winter (Sopran). Und auch in der Thomaskirche hat das Rezitativ-Ensemble nach der Kreuzabnahme Gänsehaut-Qualitäten. Nur hier erklingen alle Solistenstimmen einmal wie ersterbend gleichzeitig. Zahlreiche Schönheiten enthält Stölzels Oratorium. Einige Nummern wie die Bassarie Nr. 15 „Mein nagendes Gewissen“ und die Tenorarie Nr. 35 „Dein Kreuz, oh Bräutigam meiner Seelen“ meiner Seele“, haben ohne weiteres die Qualität, auf der Favoritenliste zu landen.

Von Roland H. Dippel

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