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Kultur Regional Hingabe und Leidenschaft: „The Management Symphony“ im Gewandhaus
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14:44 23.02.2020
Engagiert: Konzert von „The Management Symphony“ im Gewandhaus – mit Fredun Mazaheri am Klavier und Dirigent Omer Meir Wellber. Quelle: Christian Modla
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Leipzig

Es ist ein einziges großes Meeting. Einmal im Jahr kommen die großen Tiere der deutschen Wirtschaft zusammen, um gemeinsam nur eines zu tun: nicht Geld, sondern Musik zu machen. Manager, Banker, Anwälte, Ärzte, Professoren – Musik verbindet sie alle. Selten sieht man ein geschäftstüchtigeres Orchester als am Samstagabend beim Werkstattkonzert im großen Gewandhaussaal.

Das Projekt „The Management Symphony“ (TMS), bietet musikbegeisterten Führungskräften die Möglichkeit, als Teil eines großen Orchesters im professionellen Rahmen mit renommierten Dirigenten aufzutreten. 1999 wurde das Projekt in Leipzig gegründet. In den vergangenen sechs Jahren tourte TMS durch zahlreiche Städte und ist nun zu seinem 21. Konzert in die Heimat zurückgekehrt. Trägerin des Projekts ist die „Orchesterstiftung der Deutschen Wirtschaft“, die der „Mendelssohn-Orchesterakademie Leipzig“ im Vorfeld des Konzerts eine beachtliche Spende von 25 000 Euro überreicht.

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Viel Liebe und viel Pedal

Das Musikprogramm des Abends kann sich sehen lassen: Passend zum Beethovenjahr erklingt des Jubilars erstes Klavierkonzert als großartiger Auftakt. Am schwarz glänzenden Soloinstrument sitzt Fredun Mazaheri, Risikomanager und Vorstandsmitglied der Großbank HSBC Deutschland. Er studierte Klavier, bevor er den Weg in die Wirtschaft einschlug. Mit verträumt schweifendem Blick lässt er sich von der Musik durchströmen und stellt Beethovens einmalige Themen mit viel Liebe und viel Pedal vor. Der Klang ist breit und offen.

Am Pult steht der tapfere Gastdirigent Omer Meir Wellber, der die Herausforderung, knapp einhundert Führungskräfte mit seinem Taktstock anzuführen, bravourös meistert. Das groß besetzte Orchester gibt sich zu Beginn noch ein wenig zurückhaltend. Kleinere Aussetzer bei der Intonation und Homogenität zeugen hie und da von etwas Nervosität und Anspannung unter den engagierten Freizeitmusikern – so ein Konzert ist eben doch etwas anderes als ein Geschäftstermin. Doch die leichten Ungereimtheiten seien ihnen schnell verziehen, spürt man dafür doch deutlich die Hingabe und Leidenschaft für die Musik.

Orchester gewinnt an Dynamik

Mit jedem Satz taut das Orchester mehr auf, gewinnt an Dynamik. Auch Risikomanager Mazaheri riskiert immer mehr an den Tasten. Der dritte Satz bekommt eine mitreißende Kraft. Erleichterung und große Freude spiegeln sich in Mazaheris Gesicht, als der letzte Ton verklungen ist. Rauschender Applaus belohnt seine beachtliche Leistung.

Brahms‘ aufblühende zweite Sinfonie beginnt wie ein langsam anbrechender sonniger Frühlingsmorgen in den Bergen. Das Orchester hat mittlerweile deutlich an Selbstsicherheit gewonnen, man vergisst mitunter, dass da auf dem Podest keine Berufsmusiker spielen. Wellber hält die pulsierende Masse auch bei den schwierigsten Passagen gut zusammen und kitzelt alles, was geht, aus ihnen heraus.

Der Applaus ist am Ende herzlich und langanhaltend. Das Publikum, das die Ränge leider nur sehr mäßig besetzt hat, bringt seine Begeisterung lautstark zum Ausdruck.

Von André Sperber