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Kultur Regional Hitze, Hardcore, Heavy Metal: 26. Auflage des Full Force geht zu Ende
Nachrichten Kultur Kultur Regional Hitze, Hardcore, Heavy Metal: 26. Auflage des Full Force geht zu Ende
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19:39 30.06.2019
Partylaune trotz Extremtemperaturen: Die Fans ließen sich von der Hitzewelle den Spaß am Feiern beim Full Force Festival nicht verderben. Quelle: Foto: Susanne Richter
Gräfenhainichen

Grüppchenbildung, das weiß jeder Musikfreund, ist bei Konzerten und Festivals eher Normalzustand als Ausnahmefall. Insofern verwundert es also nicht, dass sich am Sonntag auf dem Gelände des Full Force Festivals in Ferropolis allerorten Menschen zusammenfinden, um gemütlich auf den Tag anzustoßen oder einfach nur die Musik zu genießen – allerdings nicht vor, sondern mitunter weit abseits der Bühnen.

38 Grad auf dem Thermometer

Der Grund ist beim Blick aufs Thermometer schnell ausgemacht: Satte 38 Grad zeigt es an. Entsprechend sucht, wer kann, den spärlich gesäten Schatten, die Schlangen vor den Trinkwasserausgaben sind deutlich länger als an den Getränkeständen. Wem ohnehin bereits knapp drei Tage Dauer-Party mit knapp 16.000 Besuchern in den Knochen stecken, der nimmt mitunter gar nicht den Weg aufs Gelände auf sich.

Headliner bringen Infield zum Kochen

Dass sich der Gang vor die Bühne trotzdem das gesamte Wochenende über lohnt, ist den insgesamt 62 Bands zu verdanken, die auf den drei Bühnen vom frühen Nachmittag bis weit in die Nacht für beste Stimmung unter den Besuchern sorgen. Darunter finden sich – natürlich – wieder manch große Namen, die einiges fürs Auge bieten. So schicken sich am Samstagabend die schwedisch-kanadischen Melodic-Death-Metaller von Arch Enemy, angeführt von Frontröhre Alissa White-Gluz, an, die Mad Max Stage mit gigantischer Pyro-Show geradezu niederzubrennen. An gleicher Stelle werden die Australier von Parkway Drive auch im zweiten Jahr in Folge ihrem Headliner-Status mehr als gerecht, sorgen für ein stetig wogendes Infield und feuern Hit um Hit in die springende, tanzende Menge.

Drei Tage feiern mit krachenden Gitarren und bei teils sengender Hitze: Das Full Force Festival 2019 verlangte Bands und Besuchern einiges ab – sorgte aber auch für glänzende Stimmung in Ferropolis.

Magie abseits der Hauptbühne

Daneben sind es nicht zuletzt die mal legendären, mal im Full-Force-Kontext noch eher unverbrauchten Namen, die für Aufsehen und so manchen erstaunten Blick in Richtung Bühne verantwortlich sind. Sei es die nahezu magische Atmosphäre, die die Franzosen von Alcest mit ihrem sphärischen Mix aus Postrock und harschen Black-Metal-Passagen auf der Seebühne verbreiten. Sei es die immens gute Laune, die bei den Auftritten von Szene-Schwergewichten wie den New Yorker Legenden Sick Of It All, den Metalcorelern von While She Sleeps oder den erneut enorm sympathisch auftretenden Ignite trotz massiver Hitze herrscht.

Weiterlesen:
Full Force Festival-Bericht Teil 1

Weiterlesen:
Full Force Festival-Bericht Teil 2

Sei es die ungezügelte Wucht, die bei den schweißtreibenden Shows der ungarischen Djent-Coreler von Jinjer oder dem brutalen Hardcore der US-Amerikaner von Terror durchs Hardbowl-Zelt rollt. Sei es die Party-Stimmung, die durch den treibenden Ska-Punk von Sondaschule oder den kauzigen Retro-Rock von Kadavar entfacht wird. Oder sei es die beinahe mit Händen zu greifende Mystik, die die komplett verhüllten Batushka oder die komplexen Kompositionen von Zeal & Ardor zu später Stunde verbreiten. Rein musikalisch sitzt das Full Force auch mit neuem Veranstalter im Rücken fest im Sattel.

Arch Enemy um Frontfrau Alissa White-Gluz sorgten für eine feurige Show am Samstagabend. Quelle: Susanne Richter

Rahmenprogramm spricht auch ernste Themen an

Zur Abwechslung trägt zur 26. Auflage auch das Rahmenprogramm bei, das die Festival-Besucher teils weit abseits des eigentlichen Geländes empfängt und mitunter auch Themen setzt, die in der allgegenwärtigen Party-Atmosphäre auf den ersten Blick nicht zu erwarten sind. So rücken auf dem neuen, NGOs vorbehaltenen Areal von „Fairopolis“ die Mitglieder von „The Ocean In Your Mind“ Depressionen und psychische Erkrankungen ins Bewusstsein der Gäste.

„Wir teilen Geschichten von Betroffenen, sind aber auch Ansprechpartner für alle Interessierten, wollen solche Themen vom Tabu befreien“, erläutert Vereinsvorstand Raphael das Konzept. Gerade bei Szene-Veranstaltungen wie dem Full Force verfange ein solches Angebot gut. „Es gibt eine große Offenheit, über Erlebnisse zu sprechen.“ Davon zeugt auch die sich übers Wochenende stetig füllende Wand, an der Besucher aufmunternde Sprüche oder freundliche Botschaften für Betroffene hinterlassen.

Noch Luft nach oben

Alles gut also in der Stadt aus Eisen? Nicht ganz, wenn man immer wieder zu vernehmenden Wortmeldungen der Gäste Glauben schenkt. Insbesondere die aus dem Innenbereich heraus verlagerte Zeltbühne, die zu Stoßzeiten längere Wartezeiten beim Verlassen bereit hält, sorgt auch für kritische Stimmen. Und wie viele der zahlreichen Strandbesucher beim erfrischenden Bad tatsächlich auch der Musik von der nahen Medusa-Stage lauschen, bleibt angesichts des temperaturbedingten Ansturms zumindest fraglich.

Nichtsdestotrotz, solche Stimmen bleiben letztlich in der deutlichen Minderheit. Jahr eins unter neuer Verantwortung, das ist nach drei Tagen Feiermarathon unterm still gelegten Tagebaubagger klar, darf mit Fug und Recht als Erfolg verbucht werden. Wenn künftig an den richtigen Stellschrauben gedreht wird, dürfte sich das Full Force – auch ganz ohne das langjährig vorangestellte „With“ – weiter konsequent in Richtung einer echten Erfolgsgeschichte entwickeln.

Szene-Legenden und Stammgäste beim Full Force: Sick Of It All. Quelle: Susanne Richter

Veranstalter zieht positives Fazit

Auf Veranstalterseite jedenfalls fällt das Fazit rundweg positiv aus. Zwar habe die Hitze einigen wenigen Besuchern zugesetzt, so Pressesprecher Tommy Nick, insgesamt sei das Feedback der Gäste jedoch positiv ausgefallen. Auch und besonders für neu etablierte Angebote, wie etwa die schnelle Hilfe, die jede Besucherin und jeder Besucher ungeachtet des Problems bei Nennung des Satzes „Wo geht’s nach Panama?“ von zahlreichen Mitarbeitern erhalten konnte. Trotzdem, das ist Nick wichtig, werde man sich konstruktiver Kritik nicht verschließen: „Wir nehmen die Meinung unserer Gäste ernst und werden, wo möglich, Anpassungen vornehmen“, verspricht er.

Dass dies nur in kleinem Maß nötig sein dürfte, dafür sprechen die zahlreichen zufriedenen Gesichter, in die man beim nächtlichen Gang zum Zeltplatz blickt. Man darf auf die nächste Auflage des Full Force 2020 gespannt sein, die vom 26. bis 28. Juni stattfindet.

Von Bastian Fischer

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