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Kultur Regional „Ich bin keine Zicke!“ – Lena Meyer-Landrut vor ihrem Leipzig-Konzert
Nachrichten Kultur Kultur Regional „Ich bin keine Zicke!“ – Lena Meyer-Landrut vor ihrem Leipzig-Konzert
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14:00 06.06.2019
Ihre neuen Songs handeln von Selbsterkenntnis, Stärke und Selbstliebe: Sängerin Lena Meyer-Landrut. Quelle: Britta Pedersen/dpa
Leipzig

Am 12. Juni spielt Lena Meyer-Landrut im Leipziger Haus Auensee. Die 27-Jährige ist mit ihrem neuen Album „Only Love, L“ auf Tour, in dem sie eine persönliche Krise zu positiven Botschaften verarbeitet.

Ihr neues Album „Only Love, L“ ist Ihr fünftes. Haben Sie das Gefühl, sich als Künstlerin zu 100 Prozent verwirklichen zu können?

Tja, das ist im Grunde genommen eine Fangfrage. Ich würde nicht sagen, dass dieses Album alles umfasst, aber ich kann mich damit für den Moment zu 100 Prozent identifizieren.

Worauf haben Sie bei dem Album besonderen Wert gelegt?

Ich habe schon vor dreieinhalb Jahren angefangen, an dem Album zu schreiben. Als es fast fertig war, habe ich es weggeschmissen, weil ich mich damit nicht wohl gefühlt habe. Ich hatte die eine oder andere persönliche Krise, und das Album hatte auf einmal keinen authentischen Boden mehr. Nach einer Auszeit habe ich wieder angefangen, und es wurde mir klarer, worum es gehen soll.

Worum denn?

Um meine Geschichte und meine Gefühle. Ich habe gemerkt, dass es für mich wichtig ist, zu mir selbst zurückzufinden. Ich habe dann über Themen geschrieben, über die ich noch nie geschrieben habe.

Welche Themen sind das?

Zum Beispiel über Autobiografisches und über echte, tiefe Gefühle. Über Veränderungen, die ich durchmache und sehr private Gedanken.

„Only Love, L“ lautet Ihre Signatur, weil Sie der Meinung sind, dass man alles mit Liebe abschließen sollte. Haben Sie als Künstlerin einen poetischen Blick auf die Liebe?

Mein Blick auf die Liebe verändert sich auf jeden Fall immer, weil er vom Moment abhängig ist. Es gibt familiäre, platonische und romantische Liebe; für mich war in den letzten Jahren die Selbstliebe super wichtig. Ich bin ein Fan davon, offen und transparent zu sein.

Sie singen auf dem Album über Liebe, Aufrichtigkeit und Verständnis – anderen und vor allem sich selbst gegenüber. Fühlen Sie sich als Künstlerin verstanden?

Ich wurde durch eine Castingshow in die Branche hineingeworfen. Und jetzt habe ich mich gefragt, was die Daseinsberechtigung für dieses Album ist. Wer bin ich und womit bin ich glücklich? Nach ein bisschen Abstand von allem habe ich gespürt, dass mir die Musik noch immer sehr viel Energie gibt. Es ist für mich kein Beruf, sondern Berufung. Durch die Musik habe ich gemerkt, dass es meine Bestimmung ist, für einige Menschen Sprachrohr zu sein. Das macht mich total happy.

Welches ist das größte Missverständnis, das in der Öffentlichkeit über Sie existiert?

Da gibt es so einige. Am meisten berührt mich die Voreingenommenheit, dass ich zickig und arrogant sei. Das habe ich aber gar nicht in mir! Ich habe mir in letzter Zeit viele Gedanken darüber gemacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich mich in der Vergangenheit wahrscheinlich so verhalten habe.

Sie bespielen die verschiedensten sozialen Medien. Lesen Sie die ganzen Kommentare auf Ihren Internetseiten?

Es ist nicht zuträglich, sich zu viel durchzulesen. Das ist gefährlich, weil man sich damit selber vergiftet. Ich bin sehr aktiv im Netz, das heißt aber nicht, dass ich mir immer alle Kommentare durchlese.

Ihre letzte Tour hieß „End Of Chapter One“. Beginnt für Sie jetzt ein neues Kapitel?

Ich würde sagen, das zweite Kapitelchen hat jetzt angefangen. Vielleicht bin ich aber auch schon bei drei oder vier. Ich habe in den letzten anderthalb Jahren gleich ein paar Phasen durchgemacht.

Also ein ganz neues Lebensgefühl?

Ich fühle mich gut. Ich würde es aber nicht explizit als mein neues Lebensgefühl bezeichnen, sondern einfach als Entwicklung. Man ist ständig im Fluss.

Macht ein gebrochenes Herz kreativ?

(lacht) Jedes Gefühl macht kreativ, vor allem, wenn man aufmerksam ist und Gefühle wie Schmerz und Freude sofort aufschreibt. Andernfalls würde man sie ganz schnell wieder vergessen.

Sind Künstler sensibler als andere Menschen?

Das würde ich so nicht sagen. Viele Menschen, die keine Künstler sind, sind hoch sensibel. Aber Sensibilität führt vielleicht dazu, dass ein Künstler sich viele Stunden des Tages mit sich selbst beschäftigt. Dadurch denkt er mehr über seine Emotionen nach und wird höchstwahrscheinlich auch sensibler für andere Emotionen.

Wie viel geben Sie von sich preis?

In der Musik kann ich viel offener sein als in Interviews. Wobei ich finde, dass ich da auch schon sehr offen bin, was meine Person angeht. 2017 Jahr habe ich einen autobiografischen Song über meinen Vater veröffentlicht, „If I Wasn’t Your Daughter“. Fragen zu meinem Vater sind mir zu intim, die möchte ich nicht beantworten. Aber in meiner Musik kann ich mir erlauben, meine Emotionen zu besingen.

Wenn Sie neue Musik schreiben, versuchen Sie dann, das Alte so weit wie möglich von sich wegzuschieben?

Ich versuche immer, den Moment zu betrachten. Der erste Song auf dem Album ist ein Brief an mich selbst. Das hätte ich gern gelesen, als ich 18 Jahre alt war. Am Ende der Songwriting-Session hat Joe Walter mich gefragt, ob ich den Brief abschicken würde. Da sagte ich: „Auf keinen Fall!“ Denn dann wären ja alle Erfahrungen meines Lebens für die Katz und alles wäre einfacher gewesen. Es hatte schon alles seine Richtigkeit.

Wie hart muss man arbeiten, um sich im Musikgeschäft auf Dauer zu halten?

Ich arbeite viel. Ich war über Silvester im Urlaub und mein nächster richtiger Urlaub wird wieder über Silvester stattfinden. Ich habe keine Wochenenden und keine festen Arbeitszeiten, aber es ist ja auch mein Leben. Eigentlich arbeite ich immer.

Wie würden Sie Ihren Ton, Ihre Persönlichkeit beschreiben?

Ich fühle mich offen und weich und voller Energie und Freude.

Tourauftakt in Leipzig: 12. Juni, 19 Uhr, Haus Auensee; Karten gibt es unter anderem in der Ticketgalerie Leipzig (LVZ-Foyer, Peterssteinweg 19; Barthels Hof, Hainstr. 1), unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800 2181050, auf www.ticketgalerie.de

Von Olaf Neumann

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