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Kultur Regional „Ich glaube an das Schöpferische“
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18:54 19.09.2018
Christiane Bräutigam organisiert das Festival „Klassik für Kinder“ Quelle: Gert Mothes
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Leipzig

Christiane Bräutigam (43) lebt als Kirchenmusikerin, Dirigentin und Pädagogin in Leipzig und arbeite an der Evangelisch Reformierten Kirche und der Hochschule für Musik und Theater sowie an der Hochschule für Kirchenmusik Halle. Seit 2006 organisiert sie „Klassik für Kinder“ mit Konzerten, Workshops und einem Kompositionswettbewerb. Gastgeber und Veranstalter des Festivals, das am Freitag beginnt, ist die Evangelisch reformierte Kirche.

„Klassik für Kinder“ findet zum 13. Mal statt. Wie hat sich das Festival entwickelt?

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Das Festival hat sich vom Geheimtipp zu einem sehr gut ausgelasteten Event entwickelt. Das schlägt sich – neben inzwischen traditioneller Zusammenarbeit mit dem Orchester der Musikalischen Komödie – auch in der finanziellen Unterstützung durch Sponsoren nieder. Trotzdem bleibt die Planung im Vorfeld immer eine spannende Sache, da beispielsweise die Kulturförderung der Stadt Leipzig jedes Jahr neu verhandelt wird. Dieses Jahr bleibt sie aus, dafür konnte die Stiftung „Leipzig hilft Kindern“ aushelfen – ein Glücksfall!

Oberbürgermeister Burkhard Jung, Ihr Schirmherr, verweist darauf, dass Mozart schon mit 5 Jahren komponiert hat, Beethoven mit 7 und Mendelssohn Bartholdy mit 9. Sie veranstalten einen Kompositionswettbewerb. Glauben Sie an neue Wunderkinder?

Ich glaube an das Produktive und Schöpferische, das viele Menschen in sich entdecken können. Für die Suche danach braucht es Gelegenheit oder Motivation, die der Wettbewerb bieten möchte.

Die Gewinner sind zwischen 8 und 17 Jahre alt, orientieren sie sich an Vorbildern?

Ja, ähnlich wie sich auch Bach oder Mozart an ihren Vorbildern orientiert haben. Die unsichtbaren Lehrer der diesjährigen Bewerber verstecken sich ganz eindeutig im Soundtrack der Kinofilme.

Kümmert sich der Schul-Musikunterricht um die musische Bildung der Kinder?

Er spielt eine wichtige Rolle, weil manche Kinder nur noch über die Schule die tolle Welt der klassischen Musik kennenlernen. Für die musische Bildung allerdings ist es noch wichtiger, Musik außerhalb der Klassenzimmer zu erleben, zu Hause, als Bestandteil von Freizeit, auch als eine Art Umwelt – so, wie man auch beim Betreten eines Blumengartens oder beim Spielen im Herbstwald etwas Anderes empfinden wird, als die Schulfächer Schulgarten oder Biologie vermitteln.

Was lernen Sie von den Kindern?

Unvoreingenommen auf alles zuzugehen – das gilt auch für jede Art von Musik.

Es gibt einen Kinderkochkurs Vivaldi „Wir machen Pasta“ – weil heutzutage alles ein bisschen attraktiver verpackt werden muss?

Antonio Vivaldis „Gloria“ ist eigentlich schon (vom Komponisten selbst) attraktiv genug verpackt worden und wird in unserem Festival darüber hinaus noch in einen Kinder-Krimi gesteckt ... Der Pasta-Kurs – verbunden mit dem Besuch der Küche eines italienischen Restaurants – setzt einen passenden, besonderen Rahmen und kann ein Gefühl schaffen für die Region, aus der die Musik kommt.

Nach welchen Kriterien stellen Sie das Programm zusammen?

Feste Bestandteile des Festivals sind neben den Kinderkompositionen die drei Sparten Oper, Kirchenmusik und sinfonische Musik. Hier wollen wir vor allem musikalische Werke abseits der Kompositionen für Kinder vorstellen, also sogenanntes klassisches Repertoire.

Ist das Nachtkonzert am beliebtesten?

Es hat einfach eine eigene Atmosphäre. Für viele Kinder (und Erwachsene) ist wohl ein aufregender und zugleich träumerischer Moment, im Dunkeln mit Tanz und Pantomime Geschichten zur zarten Barockmusik zu erleben. Und für Kinder ist es natürlich interessant, zu einer eigentlich den Erwachsenen vorbehaltenen Uhrzeit ein Konzert besuchen zu dürfen.

Haben Sie schon mal mit dem Gedanken gespielt, an größere Orte zu gehen?

Es gab auch schon ein Konzert in der Oper, und ausgeschlossen ist es für die Zukunft nicht. Allerdings: Die Akustik der Kirche ist für Musik wunderbar geeignet, hier finden auch deshalb Konzerte und Bachwettbewerbs-Runden statt. Daher ist mit der Kirche schon einer der schönsten Aufführungsorte der Innenstadt gefunden.

Klassik für Kinder – das Programm

Freitag, 10 Uhr: W. A. Mozart „Zauberflöte“ als Schülerkonzert (ausverkauft); 18 Uhr als großes Eröffnungskonzert (mit Orchester der MuKo, Sängersolisten der HMT Leipzig, Kinderballett, Kinderchor)

Samstag, 16 Uhr: „Piano-mime und Panto-forte“ - Klavier-Konzert mit dem Pantomime-Duo Bodecker und Neander und Pianisten/ Preisträgerkonzert des Kinder-und Jugendkompositionswettbewerbs Leipzig

Samstag, 20 Uhr: Nachtkonzert „Nachts im Labyrinth“ (Pyjama-Konzert) mit Kinderballett (Montserrat Leon), Kukucksuhren und Barockorchester (freier Eintritt für kleine Schlafanzugträger)

Sonntag, 17 Uhr: Abschlusskonzert „Commissario Vivaldi und der Schatten der Lagune“ (Antonio Vivaldi: Gloria), Kriminalkonzert mit Knalltheater, Chor, Orchester, Kinderatelier Schleußig, Jazzkids

Alles in der Evangelisch Reformierten Kirche, Tröndlinring 7; Karten gibt es in der Musikalienhandlung M. Oelsner, unter Tel. 0157 51129898 (Mo–Fr 15–18 Uhr) und an der Abendkasse; www.klassik-fuer-kinder-leipzig.de

Von Janina Fleischer