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Kultur Regional „Ich lebe von Beobachtungen“ - Kabarettist Bernd-Lutz Lange wird 75
Nachrichten Kultur Kultur Regional „Ich lebe von Beobachtungen“ - Kabarettist Bernd-Lutz Lange wird 75
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20:45 12.07.2019
Bernd-Lutz Lange am 24. März 2019 in der LVZ Autorenarena auf der Buchmesse Leipzig. Quelle: André Kempner
Leipzig

„Vieles kann, aber nichts muss.“ Die Gelassenheit, die Bernd-Lutz Langeausstrahlt, ist die Gelassenheit eines Menschen, der viel erreicht hat. Mit seinen Wegbegleitern hat er das Leipziger Kabarett „Academixer“ aufgebaut, stand fast 50 Jahre auf der Bühne. Als Teil der „Leipziger Sechs“ erlebte er die Friedliche Revolution nicht nur, er prägte eines der wichtigsten geschichtlichen Ereignisse der Stadt mit. Am Montag (15. Juli) feiert Lange seinen 75. Geburtstag.

Fünf Jahre ist es mittlerweile her, dass sich der Leipziger von der Kabarettbühne verabschiedet hat. Entzugserscheinungen habe er seitdem nicht. „Bei mir gab es eine Abtrainierphase wie bei den Leistungssportlern. Ich habe allmählich die Frequenz der Vorstellungen gesenkt“.

1966: "Arcademixer" wird gegründet

Bis dahin war es ein weiter Weg. Den Wunsch, Schauspieler oder Schriftsteller zu werden, hatte er schon als 14-Jähriger. „Das war wirklich ein Traum.“ Doch zunächst kamen die Ausbildungen, erst zum Gärtner, später zum Buchhändler, das Singen in verschiedenen Bands, Jahre als Redakteur und in der Öffentlichkeitsarbeit. Bis Lange 1966 schließlich gemeinsam mit Gunter Böhnke, Christian Becher und Jürgen Hart die „Academixer“ gründete - als einziges Kabarett in der DDR, bei dem die Künstler nicht das sonst obligatorische Schauspielstudium abgeschlossen hatten, wie Lange erzählt.

Dieser Wandel hat den Leipziger geprägt. Aber auch durch die Wende, durch den Wechsel der politischen Systeme, änderte sich seine Arbeit. „Zu DDR-Zeiten mussten wir die Dinge so sagen, dass sie sagbar wurden.“ Das Publikum las zwischen den Zeilen, der Durst nach Inhalten, nach kritischen Stimmen war groß. „Wir haben gemacht, was die Massenmedien nicht konnten - wir haben Informationen geliefert.“

Nach der Wende war dann ganz plötzlich alles überall verfügbar. Wie viele andere musste sich auch Lange als Teil des 1988 mit Gunter Böhnke gegründeten Kabarett-Duos etwas einfallen lassen, um mitzuhalten. Die richtige Mischung aus Politik und Unterhaltung gewann an Gewicht.

Lange bedauert Verlust von Dialekten

Blickt Lange zurück, betrachtet er manche Veränderung auch ein wenig mit Wehmut. Den Verlust von Dialekten zum Beispiel, den bedauere er. Für ihn ist das nicht nur Tradition, sondern auch Identifikation. Denn eines ist Lange immer geblieben: Sachse. Geboren in der Lausitz, aufgewachsen in Zwickau, viele Jahrzehnte in Leipzig. „In Hamburg oder München hätte ich Heimweh gehabt“, glaubt Lange.

Auch fünf Jahre nach dem Abschied vom Kabarett steht Lange von Zeit zu Zeit auf der Bühne, liest aus seinen Büchern. Dass die Menschen noch immer kommen und ihm zuhören, das freue ihn sehr. Womöglich liegt es an seiner Gabe, die vermeintlich kleinen Dinge im Alltag einzufangen. „Ich lebe von Beobachtungen.“ Und die macht Lange noch immer. „Mit dem Abschied vom Kabarett habe ich nicht aufgehört Stoff zu sammeln.“ Auch Ideen für neue Bücher habe er viele.

Eine davon hat er bereits umgesetzt. Im September erscheint ein Buch zum 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution, das Lange gemeinsam mit seinem Sohn geschrieben hat. Der Historiker betrachtet die Ereignisse aus geschichtlicher, Lange aus seiner persönlichen Sicht. Und es ist auch die Geschichte der „Leipziger Sechs“: Am 9. Oktober 1989 hatte Langegemeinsam mit dem langjährigen Gewandhauskapellmeister Kurt Masur, dem Theologen Peter Zimmermann und den drei SED-Sekretären Kurt Meyer, Jochen Pommert und Roland Wötzel einen Aufruf zu Gewaltfreiheit und zum Dialog verbreitet. Was folgte, war eine gewaltlose Montagsdemonstration - und schließlich die Wende.

Knapp 30 Jahre später muss Bernd-Lutz Lange nichts mehr beweisen. Nicht sich, nicht anderen. Stattdessen wolle er weiter beobachten und schreiben, auf der Bühne lesen und im Privaten, Zeit mit der Familie verbringen, ab und an Verreisen, langjährige Freundschaften pflegen – alles nach der Devise: „Oberste Parole: Leben genießen.“

von Josephine Heinze

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