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Kultur Regional Im Schaumbad der Gefühle: Xavier Naidoo wird in der Arena Leipzig gefeiert
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14:08 04.12.2019
Ohne Glamour-Allüren, ohne Exaltiertheiten, absolut familienkompatibel: Xavier Naidoo. Quelle: André Kempner
Leipzig

Es ist Xavier Naidoos „Hin und Weg“-Tour, die den Sänger am Dienstag in die ausverkaufte Arena führte. Und tatsächlich war dort das Publikum von Beginn an hin und weg. Oder genauer: Für zwei Stunden tief eingetaucht ins warme Schaumbad eines Gemeinschaftsgefühls gefühlsgroßer Mitsing-Seligkeit, welches Vorsänger und Schaumbademeister Xavier Naidoo samt formidabler Band anzurichten wusste.

Beginnt eben schon mit dem ersten Song. Auf kleiner Bühne inmitten des Zuschauerraums erscheint Naidoo gemeinsam mit seinem Bassgitarristen, um in kleiner, intimer Variante „Führ mich ans Licht, ich enttäusch dich nicht“ zu singen. Ein Versprechen, zu dem bald auf der großen Bühne die Lichter angehen, auf die dann Naidoo quer durchs Publikum zuschreitet. Welches sich vor ihm teilt, wie das Meer vor Moses.

Message-Massagen fürs empfängliche Gemüt

Dass sich diese etwas obskure Wahrnehmung einstellt, mag an diesem salbungsvollem Prediger-Ton liegen, den Naidoo in seinen Songs bekanntermaßen gern pflegt. An diesen Message-Massagen fürs empfängliche Gemüt. Die beim Konzert dann aber zugleich mit pulsierenden Calypso-Klängen („Zeilen aus Gold“), oder mit einem Touch Reggea-Rhythmus („Alles kann besser werden“) geboten werden. Um schließlich bei „20 000 Meilen“ endlich auch den Pop-Schlager rein zu lassen ins Klanggefüge.

Insgesamt ein Anfang, der die Stimmung schön aufputscht. Und der nebenher bestens zeigt, wie gut Naidoo es versteht, immer wieder schneeweiße Pop-Schlag(er)sahne in schwarzen Kaffee zu mischen. Denn klar, Mannheim ist nicht Memphis und Naidoo mag zwar ein Soul Man sein – aber er ist eben ein Soul Man made in Mannheim. Das heißt, ohne Glamour-Allüren, ohne Exaltiertheiten, ohne diesen gewissen Sexual-Healing-Touch. Dafür absolut familienkompatibel.

Naidoos Songs treffen einen Nerv

Zudem gut bei Stimme und mit Spaß an der Sache. Ein Erfolgsrezept, auch nach 25 Jahren im Pop-Geschäft: „Wer war in den 90ern aktiv und wer erst in Planung?“, will Naidoo vom Publikum wissen. Und ja, die einst Aktiven sind in der Überzahl, aber das gar nicht mal so sehr. Naidoos Songs treffen einen Nerv, ein Bedürfnis sowieso. Und sind zumal live oft recht wirkungsvoll.

Ein Lied wie „Ich brauch dich“ etwa, das hier mit schneidenden Wah-Wah-Gitarren-Riffs à la Curtis Mayfield geboten wird. Die schneiden auch bei „Das lass ich nicht zu“ noch einmal – und in diesem Stück über häusliche Gewalt, gewissermaßen direkt ins Herz. Ähnlich den kantig Kurt-Weill-haften Piano-Akkorden, die wenig später das pazifistische „Söldnerlied“ begleiten.

Musikalisch findet sich da fraglos immer wieder Prägnantes, auch Überraschendes. Was nun die Texte angeht – naja, die „komplexe Lyrik“ die man da allen Ernstes schon unterstellte, sind sie ganz sicher nicht. Und was darüber hinaus die etwaigen politischen Irrungen und Wirrungen Naidoos angeht, so ist beim Konzert von diesen nichts zu hören.

Es sei denn für die ganz Sensiblen, die da immer was hören, selbst in einem Statement wie „Für mich gibt es nur Menschen. Wir müssen uns lieben und stark machen, denn was wir allein nicht schaffen, schaffen wir dann zusammen!“ mit der Naidoo die Fangemeinde salbt. Oder einseift, wie man will.

Das Publikum ist textsicher

In jedem Fall lässt sie sich gut mitsingen, diese Lyrik à la Naidoo. Textsicher ist das Publikum sowieso. Und selbst, wenn das zu des Sängers sympathisch jungenhafter Erheiterung auf der Tonleiter gelegentlich mal daneben tritt, oder nicht ganz so hoch kommt, wie es sein müsste, lässt es sich dennoch gut und gern als Chor dirigieren. Was bei einer hymnischen Ballade wie „Mein Glück ist besiegelt“ oder bei „Ich kenne nichts, was so schön ist wie du“ durchaus für Gänsehautmomente sorgt. Und final bei den großen Hits wie „Nimm mich mit“ und „Dieser Weg“ ziemlich durch die Decke geht.

Und dass zur Zugabe Naidoo dann noch Reinhard Meys „Über den Wolken“ spielt und als „das wirklich schönste deutsche Lied“ ankündigt, spricht ja dann irgendwie auch für sich. Und für den Soul Man made in Mannheim.

Von Steffen Georgi

Am Dienstag hat Xavier Naidoo auf seiner „Hin und Weg“-Tour einen Zwischenhalt in Leipzig. In der ausverkauften Arena überzeugte der Mannheimer mit seinen bekanntesten Songs.

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