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Kultur Regional Ins Offene: Leipziger Bildermuseum zeigt den Maler Tim Eitel
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17:22 06.09.2019
„Offene Wände“ heißt die Ausstellung von Tim Eitel im Museum der bildenden Künste. Hier steht er vor seinem Bild „Seated Figure“. Quelle: André Kempner
Leipzig

Zwei Menschen, vermutlich ein Paar, rudern mit einem Boot. Sie scheinen einen Raum zu verlassen. Keine Höhle, sondern klar zugeschnittene Wände, zwischen denen das Wasser plätschert. Doch ob das große Weiße im Hintergrund der Himmel jenseits des Horizonts ist oder eine weitere Wand, bleibt offen.

„Offene Wände“ heißt die Ausstellung von Tim Eitel im Museum der bildenden Künste, sie wird am Samstag eröffnet. Werfen Sie hier schon einen Blick in die Ausstellung.

Obwohl es in den Bildern von Tim Eitel immer wieder Raumsituationen mit nackten Wänden gibt, sind die Öffnungen und Durchblicke das eigentliche Sujet. So kommt keine Klaustrophobie auf, sondern ein Angebot an Möglichkeiten, nicht zur Flucht, sondern zum langsamen Schlendern und Erschließen. Solch ein Thema passt natürlich hervorragend in das Gebäude des MdbK mit seinen Verschränkungen und Übergängen. Auch wenn die Schau im fensterlosen Untergeschoss stattfindet, gibt es sogar hier viele überraschende Beziehungen. So hat der Künstler, der die Hängung maßgeblich selbst konzipiert hat, zwei kleine Bilder mit einem Mann so angeordnet, dass man sie zu beiden Seiten des Durchganges nicht gleichzeitig sehen kann. Erst beim Rundgang erschließt sich die Spiegelbildlichkeit.

Weniger Maler in Paris als in Leipzig

Tim Eitel, Jahrgang 1971, stammt aus Baden-Württemberg. Nach Stationen in Stuttgart und Halle kam er nach Leipzig, um an der HGB bei Arno Rink Malerei zu studieren. Es war eine bewusste Entscheidung, denn die Schule hatte auch Ende der neunziger Jahre immer noch den Ruf, dass man hier die schon totgesagte Malerei gründlich erlernen kann. Heute lebt Eitel in Paris und erzählt, dass es in der riesigen Metropole mit einer Masse an Kunstinstitutionen weniger Maler als in Leipzig gäbe.

Manchmal reicht ihm eine Raumecke als Motiv. Doch zumeist gibt es Personen in den Bildern. Sie verdeutlichen nicht nur den Maßstab, sondern geben auch Bewegungsrichtungen vor. Es sind keine wiedererkennbaren Persönlichkeiten, sondern Komparserie. Es gibt Ausnahmen. In einem Raum hat er sich auf einem großformatigen Gemälde selbst abgebildet, in einem Designerstuhl sitzend. Auf der Tafel an der benachbarten Wand blickt seine Lebensgefährtin auf eine Berglandschaft. Diese ist aber nicht echt, sondern auch nur eine Abbildung und kehrt auf einem viel kleineren Bild nochmals wieder.

Gefüge monochromer Felder

Eitel benennt Künstler der Klassischen Moderne als seine persönlichen Bezugspunkte, darunter überraschenderweise auch Meister der Abstraktion. Tatsächlich kann man manche seiner Malereien als Gefüge monochromer Felder betrachten, wenn keine Menschen vorkommen oder diese erst bei intensivem Hinsehen erkennbar werden. Doch auch die Romantik schimmert ein kleines bisschen durch, nicht nur wegen der gehäuften Rückenansichten, die man von einem Großen dieser Epoche kennt. Auf die Frage, was ihn mit Edward Hopper verbinde, antwortet Tim Eitel, dass sie eigentlich mehr trenne. Hopper erzählt Geschichten. Zwar kann der Betrachter diese auch in seine Bilder hineinerfinden, doch sei das Narrative nicht sein Anliegen.

Und trotz sehr exakter Malweise ist nicht einmal das Abbilden seine Sache. Selbst dann nicht, wenn er Namen nennt wie den des mexikanischen Architekten Luis Barragán. Doch diese „Architectural Study“ ist quasi gemaltes Photoshopping. Ein Interieur Barragáns dient lediglich als Inspiration dieser erdachten Situation, in der ein Mann einer großen Glaskugel gegenübersteht.

Forscher mit künstlerischen Mitteln

Tim Eitel versteht sich als Forscher mit künstlerischen Mitteln. Er untersucht die Tücken der Wahrnehmung. In einer Werkgruppe versinken die Personen in der Dunkelheit, man muss sie mühsam herausschälen. Andere Werke nehmen Bezug auf Filmproduktionen. Der Projektor scheint aber nicht richtig zu funktionieren, zerhackt die Szene.

Eitel ist ein Konstrukteur. Doch dass seine Gebilde offen bleiben, ist dem Kosmopoliten wichtig.

Tim Eitel. Offene Wände, Museum der bildenden Künste Leipzig (Katharinenstr. 10); bis 8. Dezember, Di und Do–So 10–18 Uhr, Mi 12–20 Uhr; Eröffnung Samstag (7.9.), 18 Uhr

Von Jens Kassner

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