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Kultur Regional Preis der Leipziger Jahresausstellung geht an Björn Siebert
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20:33 28.06.2019
Rainer Schade, langjähriger Vorstandsvorsitzender des Leipziger Jahresausstellung e. V., vor den Bildern „Adrenaline Nightshift“ und „Massiv Night“ von Björn Siebert, der den Preis der Jahreskunstausstellung erhält. Quelle: André Kempner
Leipzig

Einen Preis der Leipziger Jahresausstellung aus der Sparte Fotografie hat es schon seit einigen Jahren nicht gegeben. Doch in diesem Durchgang ist ja auch so manches anders. Zum Beispiel, dass die externe Jury erst am Tag der Finissage zusammenkommt – statt wie bisher zur Eröffnung. Über die Gründe für die Verwerfungen wurde schon ausreichend berichtet.

Nun kann also doch noch verkündet werden: Björn Siebert erhält die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung. Der aus Hamburg stammende Künstler, Jahrgang 1978, war bis 2010 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Meisterschüler von Timm Rautert.

Banale Szenen bekommen andere Aufladung

In der Ausstellung in der Baumwollspinnerei sind zwei großformatige Bilder von Siebert zu sehen, zwar Computerdrucke, doch von hervorragender technischer Qualität. Sie gehören zur Serie „Remake“. Der Titel deutet an, dass es Vorlagen geben muss. Diese findet der Künstler im Internet, setzt sie dann aber als Inszenierungen mit perfektionistischem Anspruch um.

Auf dem einen Bild sind drei nackte Frauen in Rückenansicht zu sehen, eine vorgebeugt, eine dreht sich mit verzerrtem Gesicht zum Betrachter. Das Blitzlicht isoliert sie in der schwarzen Umgebung. Dunkel ist es auch rund um den jungen Mann auf dem anderen Foto. Nackter Oberkörper, die rutschenden Hosen lassen die weißen Schlüpfer hervorblitzen, auf dem Basecap steht „Supreme“, um den Hals hängt ein christliches Kreuz. Der Junge scheint sich vor Lachen gerade nicht einkriegen zu können.

Es sieht nach voyeuristischen Schnappschüssen aus, die Vorlagen sind es auch. Durch die Highend-Ausführung bekommen die banalen Szenen aber eine andere Aufladung. „Man hat ja einen Bildervorrat im Kopf“ sagt Jurymitglied Eva Mahn, selbst Fotografin. Durch die Hängung, nicht vom Künstler beeinflusst, kann man damit zum Beispiel ein Urteil des Paris herauslesen, bei dem der antike Held von vornherein selbst der Verlierer der Wahl ist.

Das Digitale ins Anfassbare zurückgeholt

Sieberts Arbeiten gehören zur sogenannten Post-Internet-Art, bei welcher das Digitale ins Anfassbare zurückgeholt wird. Gerade die zeitgeistigen, nicht klassisch angelegten Arbeiten der Ausstellung, so Mahn, sprechen verschiedene Generationen an. Das Zufällige der inflationären Bilderflut wird durch die Auswahl und Umsetzung zum Ereignis.

Die 26. Jahresausstellung, zu der seit Mitte Juni rund 2500 Besucher kamen, ist politisch aufgeladener als alle vorherigen. Dabei ist ganz untergegangen, dass der Preis diesmal Jahr Louise Otto-Peters gewidmet ist. Die Leipziger Pionierin der Frauenbewegung hat in diesem Jahr ihren 200. Geburtstag. Das ist ein Anlass, der dem vor einem Neustart stehenden Trägerverein Inspiration sein kann.

Die Ausstellung ist am Samstag (11 bis 16 Uhr) und am Sonntag (14 bis 18 Uhr) zu sehen. Ort: Spinnereistraße 7, Werkschauhalle / Halle 12. Der Eintritt ist frei.

Von Jens Kassner

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