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Kultur Regional Intendant Jürgen Zielinski will mehr politische Bildung am Jugendtheater
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17:32 04.09.2019
Das Team um TdJW-Intendant Jürgen Zielinski (Mitte) Quelle: André Kempner
Leipzig

Um die Neuproduktionen der Saison dreht sie sich natürlich auch, die Pressekonferenz zum Spielzeitauftakt am Theater der Jungen Welt. Aber sie beginnt mit Politik. Weil die sächsischen Landtagswahlen gerade erst die Parteienlandschaft durchgerüttelt haben und Bühnenkunst am Theater der Jungen Welt nicht im luftleeren Raum stattfindet, sondern sich auf gesellschaftliche Entwicklungen bezieht.

Den Rechtsruck im Land jedenfalls empfindet TdJW-Intendant Jürgen Zielinski als „Keulenschlag“. Seit Jahren setze sich sein Theater für Toleranz ein und verstehe sich als Ort der Vielfalt. Und jetzt? „Man hat das Gefühl, man fängt immer wieder von vorne an.“

Zielinski geht in seine letzte Saison am TdJW. Von Resignation aber keine Spur: Aus dem jüngsten Wahlergebnis leitet er kämpferisch einen Auftrag für sein Theater ab, das die Wähler von Morgen zu seiner Zielgruppe zählt. Ein Theater für junge Menschen und Familien müsse sich „noch intensiver mit Inhalten und Stoffen der politischen Bildung befassen“.

Aufbrechen unversöhnlicher Positionen

Das allerdings müsse auch finanziert werden. Das Budget setzt dem Engagement Grenzen, Produktionen wie “Das Große Meckerwelttheater“, das als Debattenformat auf Marktplätzen zum Einsatz kam, wird in der laufenden Saison nicht wieder aufgenommen.

Dabei hätte es gut gepasst in eine Spielzeit unter dem Motto „Zusammen.Finden“, das programmatisch für Kommunikation steht, für Brückenschläge, für das Aufbrechen unversöhnlicher Positionen. Was auch Thema ist in „Robinson & Crusoe“, der ersten Saison-Premiere am 14. September. Die Italiener Nino D’Introna und Giacomo Ravicchio haben den Defoe-Stoff neu erzählt und die Grundidee der Begegnung zweier Menschen unterschiedlicher Kultur weiterentwickelt.

Ein besonderes Stück für Jürgen Zielinski, der es für den deutschsprachigen Raum entdeckte und 1991 mit dem Theater Rote Grütze in Berlin selber inszenierte. Jetzt führt allerdings Ensemble-Mitglied Philipp Oehme Regie, der bereits durchblicken lässt, dass er den Stoff mit seinem Team abermals kräftig überarbeitet hat und sich trotz ernster Botschaft eine heitere Oberfläche erlaubt.

Diskussion mit Aktivisten

Außerdem hat das Haus ein neues Talk-Format passend zum Spielzeit-Motto entwickelt. In „Die unmögliche Begegnung“ moderiert Josepha Maschke jeweils das Zusammentreffen zweier Gäste aus gegensätzlichen Lebenswelten. Zum Auftakt am 18. Oktober diskutieren, eingebettet in ein spielerisches Setting, ein Vertreter der Immobilienbranche und ein Wohnraumaktivist des Netzwerks „Leipzig – Stadt für alle“.

Neue Formate bietet auch die Theaterpädagogik des TdJW „Junge Wildnis“ an. Das Familienprojekt „Rudeln“ versucht alle Generationen zusammenzubringen. Angelehnt an den Begriff „Rudel“ und tierische Verbünde soll es um unterschiedliche Familienkonstellationen gehen. Aus einer ersten Recherche-Phase wird eine Stückentwicklung erwachsen, kündigt Theaterpädagoge Roland Bedrich an, bei dem sich Interessierte bis zum 4. Oktober anmelden können (r.bedrich@tdjw.de).

Junge Konferenz „Wi(e)dersprechen!“

Am 11. September bereits findet am TdJW die Junge Konferenz „Wi(e)dersprechen!“ statt. Über 100 Schüler aus ganz Sachsen haben sich angemeldet, um mit Mini-Demo, Speakers’ Corner und Workshops in Austausch über Politik und Zukunftsfragen zu kommen. Um dem eigenen Anspruch gerecht zu werden, ein Haus der Vielfalt zu sein, kümmert sich Theaterpädagogin Katherina Winkler außerdem seit Mai um Diversitätsfragen. Dazu gehört auch ein Programm in Kooperation mit der Diakonie, das drei Menschen mit Behinderung eine Hospitation im Betrieb des TdJW erlaubt.

Zielinski inszeniert derzeit „Die Geiselnahme“, ein Stück zwischen Lehrer am Rand zum Burnout und stigmatisierten Schülern ohne Motivation, das am 28. September Premiere feiert. Eine Geiselnahme wird darin zum Sinnbild für Überforderung in der Leistungsgesellschaft und enttäuschte Hoffnung.

www.theaterderjungenweltleipzig.de

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