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Kultur Regional Internationales journalistisches Projekt soll Arbeitsplätze schaffen
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17:04 19.12.2018
Ein Teil des Teams: Walid Taleb aus Syrien, Jane Whyatt vom Europäischen Zentrum für Presse- und Medienfreiheit und Stephanie von Aretin. Quelle: privat
Leipzig

Durch Integration zur Idee: Die freie Journalistin Stephanie von Aretin kam durch den Austausch mit ausländischen Journalisten auf den Gedanken, gemeinschaftlich an einem Projekt zu arbeiten. Mit ihren Vorstellungen wandte sie sich an das Europäische Zentrum für Presse- und Medienfreiheit (ECPMF), das seit drei Jahren in Leipzig ansässig ist.

Das Zentrum bietet bedrohten Journalisten eine Zuflucht auf Zeit in Leipzig. Die Geflüchteten bekommen in der Zeit eine mietfreie möblierte Wohnung, eine Krankenversicherung und ein monatliches Stipendium. Neun Journalisten aus acht Ländern konnte das ECPMF bislang unterstützen.

Fehlende Perspektiven

Nach dieser Zeit benötigen die Journalisten jedoch eine Perspektive. Mit der Anerkennung des Berufes gestaltet es sich in Deutschland schwierig. Diese Erfahrung haben auch zwei befreundete Journalisten von Stephanie von Aretin aus dem Iran erlebt, wie sie erwähnt: In der Anfangszeit in Deutschland stießen sie trotz ihrer beruflichen Qualifikation an Grenzen.

Es war schwer für sie, in der journalistischen Branche in Deutschland Fuß zu fassen. „Gerade wenn es um Vorstellungsgespräche mit der neu erlernten Sprache geht, macht sich Nervosität breit“, sagt Stephanie von Aretin. Journalismus habe viel mit einem gut ausgebauten Netzwerk zu tun, um sich in einer Stadt zu etablieren.

Tandem-Programm

Diesen Punkt greift von Aretins Idee auf: Gemeinsam mit dem ECPMF arbeitet die Freiberuflerin aktuell an dem unabhängigen medialen Projekt „Neu in Leipzig“. Der Ansatz: Ausländische Journalisten arbeiten gemeinsam mit etablierten Kollegen aus der Region. Für jeden ausländischen Journalisten soll es einen Tandempartner aus Leipzig oder den angrenzenden Landkreisen geben.

„Die Menschen möchten sich mit ihrer neuen Heimat auseinandersetzen, sich in der Region verankern“, erklärt von Aretin. Es solle mehr als ein Arbeitsplatz sein – ein Projekt der Integration. „Wir profitieren vom frischen Blickwinkel auf die Stadt und von spannenden Geschichten“, sagt die Freelancerin.

Neu in Leipzig: Die Auftakt-Veranstaltung im Telegraph in Leipzig. Quelle: privat

Bislang arbeiten 16 Personen aus dem Ausland und der Region ehrenamtlich als loser Zusammenschluss am Konzept. Darunter sind Fotografen, Schriftsteller, Grafiker und Reporter. Mit verschiedenen Veranstaltungen wollen die Beteiligten für Aufmerksamkeit sorgen. Bald soll es ein zweites Treffen geben.

Suche nach finanziellen Unterstützern

Momentan suchen sie nach einer geeigneten Location im ländlichen Raum bei Leipzig. Es geht um den Ideenaustausch und um offene Fragen zum Vorhaben. Die Projekt-Gruppe möchte die Idee von Integration und Journalismus auch in der Region verbreiten und dazu eine kulturelle Veranstaltung mit internationalem Hintergrund anbieten.

Aktuell besprechen sie verschiedene Business-Modelle und sind bundesweit auf der Suche nach finanziellen Unterstützern. Fördermittel für das Projekt sind bereits beim Staatsministerium für Kultur und Medien beantragt. Nun hoffen alle Beteiligten auf eine Bewilligung.

„Sowohl die ausländischen Journalisten als auch die Tandempartner sollen für ihre Mitarbeit entlohnt werden“, sagt Jane Whyatt, Pressereferentin des ECPMF. Denn auch für Journalisten in Deutschland sei es immer schwerer, eine feste Anstellung zu finden. „Es gibt einen großen Bedarf. Wir hoffen, Jobs anbieten zu können und zu einem stabilen Netzwerk heranzuwachsen“, sagt die Engländerin.

Die Stadt aus einer anderen Perspektive

Thematisch soll es weniger um die Menschen und deren Hintergründe für die Flucht gehen. Neue Perspektiven auf die Stadt finden die Beteiligten interessanter – nach dem Motto „Schau mal anders“. „Das sind beispielsweise Aspekte des deutschen Lebens, die für ausländische Bürger völlig neu sind, etwa Mülltrennung“, sagt Whyatt. Ein kleiner Grundstock an Themen bestehe bereits.

Natürlich sollen nicht ausschließlich „good news“ ihren Platz in der Publikation finden. Probleme mit Integration, beim Deutschkurs etwa, können ebenso aufgegriffen werden. Konkrete Formate sind bislang nicht festgelegt, die Projekt-Betreuer sind offen: „Ob Printprodukt, Podcast oder multimediale Projekte – es ist vieles möglich und der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt“, erklärt Whyatt.

Lutz Kinkel, Leiter des ECPMF, ist von der Idee angetan. Normalerweise arbeitet das Zentrum auf europäischer Ebene. Doch er sieht in dem Vorhaben viel Potenzial: „Es gibt eine zunehmende Flucht der Intelligenz. Die ausländischen Journalisten bringen Qualitäten mit, von denen wir profitieren können. Wir hoffen, bald mit der Plattform loslegen zu können“, sagt er.

Journalisten, die bereits Artikel veröffentlicht haben und am Projekt interessiert sind, können sich bei Pressereferentin Jane Whyatt unter whyatt@ecpmf.eu melden oder eine E-Mail an redaktionsbuero.aretin@t-online.de schicken.

Von Maria Sandig

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