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Kultur Regional Jede Menge Brüller und eine Nacht im Seat Ibiza
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16:02 08.12.2019
Schräger Mix aus Metal und Schlagern: Die Excrementory Grindfuckers rocken das Mörtelwerk in Leipzig. Quelle: André Kempner
Leipzig

Freitagabend Am Kanal: Es ist dunkel, ein einzelner Seat Ibiza parkt am Straßenrand. Am Kofferraum stehen Nico und Samuel. Der Wagen wird später als Nachtlager dienen, doch vorerst haben die beiden Metalheads Sonne im Gemüt und Pfeffi im Plastebecher. Mit dem Likör trinken sie sich warm für das Konzert der Excrementory Grindfuckers ein paar hundert Meter weiter im Mörtelwerk. Die letzten Meter werden ein Kinderspiel im Vergleich zu den 470 Kilometer, die sie bereits hinter sich haben – für die Grindcore-Sause sind Nico und Samuel extra aus Stuttgart angereist.

Feinheiten der Lyrik gehen unter

Wenige Minuten später haben beide ein Gezapftes in der Hand und sehen, wie die Vorband auf die kleine Bühne steigt. Die Jungs von Milking The Goatmachine tragen Ziegenmasken und metern vornehmlich Death Metal aus den Boxen. Manchmal lugt der typische Grindcore-Humor durch. Etwa, wenn das Trio „was zum Schunkeln“ spielt und die Metalheads zum Doppel-Bassdrum-Gedonner tatsächlich einhaken. Oder wenn der traurige Song angekündigt wird: „Das ist ein Lied für Engel, die fliegen möchten, aber zu klein sind für ihr Gewicht.“ Männer, auf die das zutrifft, sind einige da – die Feinheiten der Lyrik bleiben dem Publikum allerdings wegen des Gegrunzes verborgen. Irgendwann werfen die Musiker mit Lauch-Stangen auf die Pogotänzer und Kopfnicker. Spaß mit hübschem Nebeneffekt: Es riecht nicht mehr nach Schweiß sondern wie in der Gemüseecke im Supermarkt.

„I‘ve been looking for Grindcore“

In der Pause genehmigen sich Nico und Samuel neue Biere gegen die bewegungsbedingte Dehydrierung. Dann drehen die Excrementory Grindfuckers die Verstärker auf elf und spielen ihren schrägen Mix aus Metal und Schlager mit kleinen Prisen Techno, Funk, Rock und Rap. Das gelegentliche Dilettanten-Understatement passt als Attitüde, ist aber übertrieben. Denn tatsächlich rocken die fünf Musiker rasant und genau. Besonders witzig sind die brachialen Coverversionen, die vor allem von den früheren Grindfucker-Alben stammen und die Texte großzügig vergrinden: Aus 2 Unlimiteds „There‘s no limit“ wird „Nein, kein Grindcore“ und die Hasselhoff-Parodie „I‘ve been looking for Grindcore“ ist ein Brüller in jedem Sinn. Bei eigenen Hits wie „Trinkgeld“ singt die Crowd die derben Reime auch mit: „Wir haben die Taschen voller Geld/ den Bauch voller Schnaps/ wir fahren in den Puff/ Schalalala“ – der Humor ist erdverbunden. Die Party tobt, neben Pogo und Kopfnicken gibt‘s, einen Circle Pit und eine vom Keyboarder angeführte Polonaise. Als krönenden Abschluss grölen alle den „Final Grinddown“.

Nico und Samuel sind nach dem Konzert restlos verschwitzt, heiser und euphorisiert, sagen: „desch isch die beschte Band auf dem Planeten.“ Zur Geisterstunde zeigen sie immer noch ihr Sonnengemüt. Das passt – vor einer Nacht im Ibiza.

Von Uwe Schimunek

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