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Kultur Regional Jetzt auch in 3D: Christoph Ruckhäberle zeigt frische Arbeiten
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13:57 16.05.2019
Christoph Ruckhäberle in seiner Ausstellung „Crippled Symmetry“, die im Museum der bildenden Künste in Leipzig zu sehen ist. Quelle: André Kempner
Leipzig

Er hätte für Disney milliardenschwere Welterfolge mitgestalten können, hat stattdessen die Ausbildung zum Animations-Zeichner im sonnigen Kalifornien abgebrochen, um in Leipzig bei Arno Rink das Handwerk der figurativen Malerei zu studieren.

Man kann Christoph Ruckhäberle ruhig als Traditionalisten bezeichnen. Da aber die Klassische Moderne die wichtigste Quelle ist, auf die er sich bezieht, ist er ein Traditionalist in pausenloser Veränderung, ständig mit dem Umkrempeln beschäftigt.

So ist die neue Ausstellung im Untergeschoss des Museums der bildenden Künste einerseits eine solche, die man sofort als typisch für Ruckhäberle erkennt, die andererseits wieder einmal ganz anders ist als alles, was selbst kontinuierliche Beobachter von ihm kennen.

Installation ohne Titel von Christoph Ruckhäberle. Quelle: Andre Kempner

Im ersten Raum fallen zunächst die überdimensionalen plastischen Gebilde auf, zwei Frauen stilisiert darstellend. Der Ausgriff in die dritte Dimension ist wirklich neu in seinem Werk. Zwar haben seine frühen Bilder nach dem Studium noch etwas von einer in die Tiefe gestaffelten Guckkastenbühne an sich, in der viele Personen herumwuseln. Doch seitdem wurden Ruckhäberles Bilder immer grafischer, die Flächen kräftiger Farben, stoßen hart aneinander. Das korrespondiert mit seiner Neigung zu Druckgrafik, wobei er nicht die zarte Übergänge zulassenden Techniken wie die Lithografie bevorzugt, sondern eben die harten, flächenhaften mit plakatartiger Wirkung.

Lockerer Umgang

Der 1972 im oberbayrischen Pfaffenhofen Geborene gehörte zum Stamm der Berliner Projektgalerie Liga, die den Start des medienwirksamen Labels Neue Leipziger Schule markierte. Er gehört zu den Jüngsten dieser losen Gruppierung von Malern und kann im Unterschied zu manchen Kollegen mit dieser Etikettierung locker umgehen.

Es habe ihm geholfen, sagt er. Heute braucht er diese Hilfe nicht mehr, er hat schon in der halben Welt ausgestellt, immer wieder auch in New York. Dennoch ist er ganz nahbar geblieben ohne jede Starallüren. Neben der eigenen Produktion betreibt Christoph Ruckhäberle den Lubok-Verlag, das Luru-Kino in der Spinnerei und engagiert sich in der kommunalen Kulturpolitik. Vor drei Jahren kehrte er als Professor an die HGB zurück – auf Initiative von Studenten.

Eigenes Werk recycelt

Im ersten Saal der Ausstellung, die am Dienstagabend eröffnet wurde, sind mehrere Malereien zu sehen, die trotz beachtlicher Formate neben den raumgreifenden Figuren fast bescheiden wirken. In ihnen wird sein Hang zu serieller Reihung sichtbar.

Auf tapetenartige Wandmuster, wie vor Kurzem in der Galerie Kleindienst, hat er hier zwar verzichtet, doch auch in den Bildern gibt es wiederkehrende Pattern. Nicht zu übersehen ist, dass er gern Vorbilder früherer Epochen verarbeitet. Picasso und Matisse gehören dazu, aber auch der gar nicht so modern erscheinende Hans Thoma. Doch sogar sein eigenes Werk wird recycelt. „Da gab es noch einige Einladungskarten einer Ausstellung. Die habe ich zerschnitten und neu zusammengesetzt.“ Daraus entstanden dann Gemälde.

Alte Liebe

Schon die plastischen Frauen haben einen Überzug aus farbigem Linol. Im zweiten Raum bedeckt es fast den gesamten Fußboden, ornamental zusammengesetzt. Es sei ein sehr lebendiges Material, sagt Ruckhäberle. Vor zwei Jahren wurde er von der Städtischen Galerie Delmenhorst für eine Ausstellung eingeladen. In der Stadt im hohen Norden steht eine von zwei Fabriken, die in Deutschland noch Linoleum produziert. Das hat der Liebe neuen Auftrieb gegeben. Außerdem ist in dem Raum eine textile Arbeit zu sehen, die dann in ihren Wiederholungen doch etwas tapetenartiges an sich hat.

Sich treu bleiben, ohne stehen zu bleiben, scheint ein Credo von Christoph Ruckhäberle zu sein. Diese „verkrüppelten Symmetrien“ bestätigen es erneut eindrucksvoll.

Christoph Ruckhäberle: Crippled Symmetry: Museum der bildenden Künste Leipzig, Katharinenstraße 10; bis 4. August, Di und Do-So 10-18 Uhr, Mi 12-20 Uhr

Von Jens Kassner

Zum Thema: Mehr News und aktuelle Ausstellungen der Leipziger Museen!

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