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Kultur Regional Joe F. Winter und die Kraft des Rock
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10:45 25.08.2019
Anker-Chefin Heike Engel mit zwei Überraschungsgästen: Der Schkeuditzer Oberbürgermeister Rayk Bergner und Joe F. Winter haben dort einen Deal abgemacht. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Eigentlich war eine fette und unbeschwerte Geburtstagsparty in Rock geplant. 25 Jahre Joe’s Companysollten diesen Sommer gefeiert werden. Doch das Schicksal spielt bekanntlich seine eigenen Karten – und nicht immer die schönsten. Joe F. Winter, Bandleader und Spiritus Rector der Company-Lokalmatadoren, ist an Krebs erkrankt. Und so wurde die Geburtstagsparty zum Benefizkonzert. Am Freitag trafen sich dafür im gut besuchten Anker Freunde, Bands und Fans zum großen nächtlichen Pop-und-Rock-Marathon. Die Einnahmen aus diesem gingen an die Leipziger Elternhilfe für krebskranke Kinder – und an Joe F. Winter und seine Familie.

Es gibt Veranstaltungen, da bekommen eigentlich nebensächliche Sätze, Namen, Gesten, Songs gern eine bestimmte Gewichtungen und Eigendynamik. Einmal irritiert da etwa für einen Moment der Moderator dieser langen, musikreichen Veranstaltung in einer ihrer vielen Umbaupausen mit dem Satz „Joe war von Anfang an dabei. Er hat von oben zugeschaut.“ Klar: „oben“ meint natürlich die Galerie über Bühne und Saal. Für eine Sekunde zuckt man dennoch zusammen.

Später steht Rayk Bergner, Oberbürgermeister von Schkeuditz, auf der Bühne. Mit 500 Euro für die Benefizkasse und einem großen Versprechen: „Lieber Joe, bald machen wir wieder ’ne geile Mugge in der „Sonne“ in Schkeuditz! Der Deal steht!“ Doch, das ist berührend – dieser Deal mit dem Schicksal, den man hier zu treffen trachtet. Und man hofft auch deswegen, dass es sich auf diesen Deal einlässt, sich das Schicksal daran hält. Einschlägige Überzeugungsarbeit wird in dieser Konzertnacht jedenfalls genug geleistet.

Petri vertritt Joe

Mit Auftritten von Carbon, Richard Istel, Jacobs Fall oder Factory Under Cover. Die Aufzählung ließe sich fortsetzen, es ist ein Kommen und Gehen und Wiederkommen auf der Bühne. Bis auf dieser dann irgendwann kurz nach 23 Uhr Joe’s Company erscheint. Ohne Joe, der ja von oben zuschaut. Dafür heißt der Mann, der unten auf der Bühne seinen Vertreter gibt, tatsächlich Petri. Und ja, irgendwie muss es da wohl dann auch einfach mit „Personal Jesus“ anfangen.

Mit dem „Bösen Spiel“ (sprich: Chris Isaaks „Wicked Game“) oder schönstem Liebesverzehren (dem lässigen „The Letter“ von The Box Tops, späterhin von Joe Cocker eher weidwund geröhrt) geht es zu Mr. Cashs großem „Folsom Prison Blues“ und zu Chuck BerrysJohnny B. Goode“ – und natürlich wird hier dann das diesbezüglich ja wirklich irgendwie unwiderstehliche „Go, Johnny, go“ im Saal ausgiebig mitgesungen.

Johnny soll gehen – Joe kommen

Es ist eine gute Einübung im lautstarken Beschwören. Johnny soll gehen – Joe kommen! Und er kommt tatsächlich, während das Publikum seinen Namen skandiert. Kommt an Krücken, kommt statt langer Matte mit kahlem Schädel, kommt geschwächt und gezeichnet, aber lachend und gelöst winkend auf die Bühne, wo er am linken Rand Platz nimmt. Auf dem Schoß die E-Gitarre. Und ja, es kann wohl wirklich nur dieser eine Song sein, der dann hier geht. Gerade hier, gerade unter diesen Umständen! Und so erklingt dann auch umgehend jenes unverwüstlich energiegeladene Gitarrenriff, das in seiner großartigen Unverwüstlichkeit und Energie in aller Ewigkeit den „Highway to Hell“ langdonnern wird.

Ganz klar: Zu einem solchen Benefizkonzert hat der Kritiker Ruhepause. Der Zweck heiligt die Musik. Hier geht es ums Unmittelbare. Um die lebensstärkenden, kraftspendenden Beschwörungsformeln des Rock. Und die Hoffnung, dass der Deal steht.

Von Steffen Georgi

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