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Kultur Regional Johannes Bigge: Einfach, doch nicht simpel
Nachrichten Kultur Kultur Regional Johannes Bigge: Einfach, doch nicht simpel
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11:50 27.06.2019
Examinierter Meisterschüler: Johannes Bigge, Jahrgang 1989. Quelle: André Kempner
Leipzig

Dieses spannungsvolle Knistern war trotzdem da in der Mittwochnacht im Theaterhaus Schille. Es war da, obwohl sich Pianist und Komponist Johannes Bigge längst etabliert hat in der hiesigen Jazzszene. Sein Trio ist seit 2010 mit Bassistin Athina Kontou und seit 2014 mit Schlagzeuger Moritz Baumgärtner konstant geblieben. Die beiden CDs „Pegasus“ (2016) und „Imago“ (2018) belegen das. Entsprechende Touren haben die Band gefestigt. Dennoch: So ein Meisterklassenabschlusskonzert ist etwas Besonderes. Im Saal sitzt inmitten der für die Leipziger Szene typischen Zahl junger Menschen eine Professorenrunde. Natürlich ist Michael Wollny dabei. Bei ihm hat Bigge sein bei Richie Beirach begonnenes Studium fortgesetzt und nun in ein vorläufiges Ziel geführt.

Ohne Worte beginnt das Trio zu spielen. Vom Start weg überträgt sich eine erstaunliche Souveränität. Kleine thematische Figuren addieren sich eng verschränkt zu einem großen Fluss, eins oszilliert ins andere. Bigge speist seine Stücke, in denen ihm nie die einfachen Wahrheiten genügen, aus den Sprachen von Jazz, Klassik und Pop. Die Emotionalität von guten Songs macht dieses Trio aus. Es gibt abrupte Umschwünge, weil keine der Ideen überstrapaziert werden muss, irrlichternde Melancholie und komplexe Strukturen. Die Stücke fransen nicht aus, bleiben überschaubar und abgezockt einfach, ohne je simpel zu sein.

Choral am Anfang der Reise

Dieses Trio setzt auf intuitives Zusammenspiel, nicht auf prahlerische Alleingänge. Dass Bigge auch allein zu überzeugen vermag, demonstriert er wie nebenbei in zwei Solostücken. Dann gibt es noch einen gemeinsamen Choral. Dieser erste Teil summiert sich zu einer überzeugenden Kür, für die es viel Beifall gibt, der von der Gewissheit grundiert ist, dass dieser Bandorganismus auf einem guten Weg ist und noch viel zu sagen haben wird.

Die Kür dann widmet sich der Musik von The Bad Plus, einem der originellsten Pianotrios der Jazzgeschichte. Dessen Pianist Ethan Iverson nennt Bigge „ein neues Idol, unfassbar“. Also versucht er diese spillerige, humorpralle und hinterlistige Musik in anderer Besetzung für sich zu deuten, statt sie zu kopieren. Dazu wird das Johannes Bigge Trio um einen agilen, schwelgerischen und facettensteigernden Bläsersatz erweitert mit Tenorsaxofonist Damian Dalla Torre, Posaunistin Antonia Hausmann und der famosen Altsaxofonistin Luise Volkmann. Das ergibt in personeller Verdopplung eine originelle Anverwandlung ausgefuchster Kompositionen und auf wieder andere Art noch einen Beweis für Johannes Bigges individuelle Qualität und Vielfalt. Was will man mehr von einem Meisterklassenabschlusskonzert?

Von Ulrich Steinmetzger

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