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Kultur Regional Josef Hader: „„Man muss das Richtige tun, egal, wie viele mitmachen“
Nachrichten Kultur Kultur Regional Josef Hader: „„Man muss das Richtige tun, egal, wie viele mitmachen“
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12:43 09.10.2019
Josef Hader, 57, lenkt seine Zuschauer gern in die falsche Richtung. Aber am Ende eines Abends sollte seine Haltung klar sein. Quelle: André Kempner
Leipzig

Hader spielt Hader“. Am Donnerstagabend tritt der Wiener Kabarettist, Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor mit seinem Programm im Haus Leipzigauf. Vorab haben wir mit Josef Haderüber die Wiederwahl der ÖVP, Engagement gegen Rassismus, Fridays for Future und sein kommendes Kabarettprogramm gesprochen.

Obwohl die ÖVP in Österreich nicht nur eine ausländerfeindliche Politik betrieben hat, sondern auch durch das Schreddern von Akten negativ aufgefallen ist, wurde sie erneut stärkste Partei bei der Nationalratswahl. Wie erklären Sie sich dieses Ergebnis?

Das Problem ist, dass wir in Österreich generell mehr Stimmen für das rechtskonservative als für das liberale und linke Lager haben. Diese rechtskonservativen Wähler würden nie die Sozialdemokraten, die Grünen oder die Liberalen wählen, sondern für die gibt es nur die Entscheidung, entweder ÖVP oder FPÖ zu wählen oder von der Wahl wegzubleiben. Bei dieser Wahl haben sie sich für Sebastian Kurz entschieden, weil sie von den Skandalen der FPÖ genug hatten und weil sie trotz aller Dinge, die in der ÖVP passiert sind, Kurz für den verlässlicheren Verwalter ihrer Stimme halten.

Können Sie seiner Wiederwahl in Ihrer Funktion als Kabarettist auch etwas Positives abgewinnen?

Das ist bei mir nicht so, weil ich kein aktuelles politisches Kabarett mache. Kabarett ist oft auch so, dass Kabarettisten mir ganz ungeschminkt ihre eigene Meinung auf der Bühne sagen. Davon bin ich genau das Gegenteil. Das heißt, die einzelne Meinung, die da jemand auf der Bühne sagt, der Josef Hader heißt, ist überhaupt nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass man am Schluss wissen sollte, welche Haltung ich vertrete. Und dazwischen kann man ruhig auch ein bisschen verwirrt sein oder in eine falsche Richtung gelockt werden.

„Ich komme ja aus der Grünen-Bewegung“

Sie setzen sich unter anderem für die Initiative „Ausbildung statt Abschiebung“ ein und sind im Rahmen der Salzburger Benefizveranstaltung „Zusammen für den Rechtsstaat und gegen Willkür“ gemeinsam mit dem Diakonie Flüchtlingsdienst für den Rechtsschutz für Geflüchtete und Migrantinnen aufgetreten. Denken Sie, dass Sie damit auch Leute verändern können, die Ihre Haltung nicht teilen?

Zunächst einmal kommt es mir darauf an, dass meine eigene Haltung klar ist. Aber wenn Initiativen für etwas sind, woran ich sehr stark glaube, dann rennt man bei mir offene Türen ein, weil ich finde, dass das jeder Staatsbürger tun sollte. Und manchmal, wenn’s mir entschieden entgegen die Hutschnur läuft oder wenn ich das Gefühl habe, dass da jetzt nicht nur eine Partei an der Macht ist, die ich nicht mag, sondern dass eine Partei dabei ist, die demokratischen Spielregeln zu verändern, dann stehe ich auch ganz deutlich auf.

Gehen Ihre zwei Söhne zu den Fridays-for-Future-Demonstrationen?

Ja, meine Kinder gehen hin, und ich war auch schon einmal dort. Aber bei mir muss das nicht so verwundern. Ich komme ja aus der Grünen-Bewegung. Und da sind Umweltanliegen immer vorn bei mir. Das ist auch eine Sache, wo ich überhaupt nicht der Meinung von Leuten bin, die sagen, dass das alles keinen Sinn hätte, was wir tun, solange die Chinesen nicht mitmachen würden. Das finde ich falsch. Man muss das Richtige tun, egal, wie viele mitmachen.

„Die Lust an der Irritation“

Wann ist Ihnen eigentlich die Idee gekommen, klassische Kabarettgrenzen und typische Kabarettklischees zu unterlaufen?

Für mein Programm „Bunter Abend“ hatte ich die Idee, als Entertainer auf die Bühne zu kommen, billige Witze zu reißen und zu schauen, was das mit einem traditionellen Kabarettpublikum macht. Da habe ich diese Lust an der Provokation bekommen, aber vor allem auch an der Irritation, dass man die Leute gar nicht so sehr gegen sich aufbringt, aber dass man für sie nie berechenbar ist, sondern dass sie immer überlegen müssen, ob das, was der da oben sagt, jetzt gerade richtig oder falsch ist. Und dann habe ich Georg Schramm entdeckt, der dasselbe immer wieder gemacht hat und dann auch mein großes Vorbild geworden ist.

Sie haben meiner Meinung nach mit „Hader muss weg“ aus dem Jahr 2004 das perfekte Kabarettprogramm geschaffen. Ist das der Grund dafür, warum es seitdem kein komplett neues Programm von Ihnen gibt?

Nein, das war ganz banal so, dass ich unbedingt einen Film als Regisseur machen wollte. Und um das zu schaffen, habe ich mir sozusagen ein paar Jahre vom Kabarett freigenommen und ein paar Filmjahre gemacht, um auf diese Weise aufzuholen, was mir an Ausbildung fehlte. Aber jetzt bin ich wieder zurück und habe große Lust, ein Programm zu dieser Zeit zu machen, weil sie einerseits eine beklemmende, aber andererseits auch eine interessante politische Zeit ist. Wenn ich mit dem Spielen dieser Tournee fertig bin, werde ich an meinem neuen Programm weiterschreiben.

Josef Hader, Donnerstag, 20 Uhr, Haus Leipzig, Elsterstraße 22-24, Vorverkauf 29,70 Euro

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