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Kultur Regional Kerngeschäft: François-Xavier Roth dirigiert Ligeti, Bartók und Schönberg im Gewandhaus
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13:19 15.11.2019
Pierre Laurent Aimard und das Gewandhausorchester spielen, François-Xavier Roth dirigiert Bartóks erstes Klavierkonzert im Gewandhaus. Quelle: Kempner
Leipzig

Es ist nicht voll. Gut 1500 mögen es sein im Großen Concert am Donnerstag, da ist man mehr gewohnt im Gewandhaus. Zur Pause setzen überdies Fluchtbewegungen ein, die nur Folge von Unkenntnis und Vorurteilen sein können. Denn eigentlich kommt nun der romantische Teil des Abends: „Pelleas und Melisande“, eine sinfonische Dichtung nach Maurice Maeterlinck.

Sinfonisches Kerngeschäft

1902 entstand sie. Gut 40 Minuten dauert sie. Sie quillt über vor Sinnlichkeit, Verlockung, Lust und Liebe, Eifersucht und Mord in Tönen. Ein Rausch üppiger Farben, herrlicher Melodien, hypnotischer Harmonien, all der wuchtigen Mischungen und zerbrechlichen Gespinste, derer ein spätromantisches Riesenorchester fähig ist. Im Grunde also Kerngeschäft des Gewandhausorchesters, das mit solcher Musik seine Stärken ausspielen kann.

Schöne Musik

Allerdings schrieb sie Arnold Schönberg. Und weil der rund 20 Jahre nach der Arbeit an „Pelleas und Melisande“ eine Methode der „Komposition mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen“ begründete, verschreckt schon sein Name noch immer viele. Dabei sind auch viele von Schönbergs Zwölftonwerken im Wortsinne schöne Musik – wenngleich man sich als Hörer diese Schönheiten zugegebenermaßen erarbeiten muss.

Wirkungssicher aufbereitet

Davon kann bei „Pelleas und Melisande“ keine Rede sein. Zumal François-Xavier Roth bei seinem Gewandhausorchester-Debüt die Partitur wirkungssicher aufbereitet. Man kann das sinfonische Tableau filigraner, kann es düsterer klingen lassen, herber, strenger – und analytischer an die vielen Töne herantreten, um etwa die Sinfonie in vier Sätzen aufzuspüren, die Schönbergs Schüler Alban Berg unter der Oberfläche entdeckt haben will.

Aus der Linie heraus

Roth dagegen entwickelt das Werk ganz aus der Linie heraus. Was eine kluge Entscheidung ist. Denn die Polyphonie des 28-jährigen Schönberg ist eine echte. Hier entstehen Linien nicht aus in Bewegung versetzten Akkorden, sondern die sind die Folge sich immer wieder neu in- und umeinanderschlingender Stimmen. Das sind sehr viele, und bisweilen verklumpen sie – vor allem, wenn rechts das Blech sein Sperrfeuer eröffnet und den Rest gnadenlos niederkartätscht.

Kein Grund davonzulaufen

Davon abgesehen organisiert Roth die Riesenpartitur gekonnt. Er streichelt herrliche Solos an die Oberfläche, allen voran von Gundel Jannemann-Fischers Englisch Horn und dem von der Staatskapelle Berlin ausgeborgten Solo-Bratscher Felix Schwartz. Roth lässt Schönbergs symbolistischen „Tristan“-Reflex schwelgen uns funkeln – und wer bis zum Ende geblieben ist, wird hinterher einräumen müssen, dass es keinen Grund gibt, vor dieser Musik davonzulaufen.

Irisierendes Klangfeld

Und in der ersten Halbzeit gibt es keinen, gar nicht erst zu kommen. Bei Ligetis „Atmosphères“, bleiben zwar nicht wenige der Anfang der 60er noch unerhörten Klänge und Effekte im Inneren der auf 87 Systemen notierten Partitur verborgen. Dennoch entwickelt Ligetis irisierendes Klangfeld in den Farben des Gewandhausorchesters einen sehr eigenen Reiz.

Luft nach oben

Auch bei Bartóks vor allem im Kopfsatz enorm schwer zusammenzubauenden ersten Klavierkonzert – eigentlich ist es ein Concerto grosso für Klavier, Schlagwerk und Orchester – bleibt Luft nach oben. Beim Zusammenspiel etwa oder bei der dynamischen Balance. Dennoch gelingt es Roth, dem Gewandhausorchester und Pierre-Laurent Aimardam Flügel, einen bleibenden Eindruck zu vermitteln von der unwiderstehlichen Kraft Béla Bartóks, der ebenfalls viel zu selten gespielt wird im Gewandhaus. Der Applaus, für den Aimard sich mit zerbrechlichen Miniaturen György Kurtágs bedankt, beweist es mit Nachdruck.

Lebensnotwendig

Auch wenn der Saal ernüchternd leer geblieben sein mag: Solche Programme sind lebensnotwendig für einen Spitzenklangkörper. Sie sind es für die Orchester-Hygiene. Und sie sind es für die Identität des Gewandhausorchesters. Das war einst eines der wichtigen Uraufführungsorchester. Schon damals war das Leipziger Publikum zu großen Teilen skeptisch. Doch hätte es sich durchgesetzt, Beethovens Tripelkonzert, Brahms’ erstes Klavier- sein Violinkonzert, sein Deutsches Requiem, die Siebte Anton Bruckners und viele weitere Meisterwerke wären ungespielt geblieben.

Von Peter Korfmacher

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