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Kultur Regional Klaus Seiffert inszeniert in Leipzig Leo Falls Operette „Madame Pompadour“
Nachrichten Kultur Kultur Regional Klaus Seiffert inszeniert in Leipzig Leo Falls Operette „Madame Pompadour“
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19:02 30.05.2019
Der Regisseur Klaus Seiffert. Quelle: Yan Revazov
Leipzig

Am 1. Juni feiert die vorerst letzte Inszenierung im Haus Dreilinden der Oper Leipzig Premiere: Leo Falls 1922 in Wien uraufgeführte „Madame Pompadour“. Nach dem Ende der Spielzeit wird das Lindenauer Haus grundlegend umgebaut, und in der kommenden Saison der MuKo-Spielbetrieb ins Lindenauer Westbad verlegt. Peter Korfmacher sprach mit dem Pompadour-Regisseur Klaus Seiffert über seine Abschieds-Produktion, die sich um die erotischen Bedürfnisse der selbstbewussten und -bestimmen Mätresse des 15. Ludwig dreht – und um ziemlich depperte Männer.

Werk der Silbernen Operetten-Ära

Was ist denn das für ein merkwürdiges Stück?

Ganz einfach: Es ist eine Wiener Operette aus der Silbernen Ära.

Leo Falls Berliner Zeit hört man aber auch ziemlich durch.

Finden Sie? Natürlich ist „Madame Pompadour“ viel später entstanden: In den 20ern waren Operetten auch in Wien ganz anders als zu Zeiten des Johann Strauß. Und dass da eine viel breitere stilistische Basis ist, so viele im besten Sinne schlagerhafte Nummern eingestreut sind, was naturgemäß ein bisschen zu Lasten des Walzers geht, das hat mit Wien oder Berlin nicht so viel zu tun. In der Folge gibt es natürlich etwas weniger Zuckerguss als beispielsweise bei Lehár. Aber vielleicht ist an Berlin doch etwas dran: „Madame Pompadour“ ist ja sehr kabarettistisch in der Vorführung männlicher Macht und Bigotterie, und dieses Kabarettistische, Satirische, auch etwas Derbe könnte schon mit Berlin zu tun haben.

Gestern und Heute

Kabarett ist eine Zeitform, lebt von der Aktualität: „Madame Pompadour“ spiegelt die wilden 20er am Rokoko – kann man darüber heute noch lachen?

Aber unbedingt.

Wenn man alles umschreibt?

Nein, das ist überhaupt nicht nötig. Natürlich haben wir die Dialoge etwas gekürzt, hier und da auch verändert. Aber im Großen und Ganzen funktioniert das alles auch heute. Weil die Geschichte von der Frau, die den Spieß umdreht, mit den hilflosen Männern macht, was sie will, und ihnen den Spiegel ihrer Doppelmoral vorhält, zeitlos ist. Überhaupt ist ja dieses Operetten-Rokoko keine historische Ära. Wie auch die Operetten-Pompadour nicht viel mit der historischen Mätresse Ludwigs des XV. zu tun hat.

Bühnenprunk und Türschlagen

Aber Sie lassen die Operette trotzdem im Rokoko spielen – die Bühne sieht ziemlich üppig aus.

Es ist kein richtiges, sondern ein Operetten-Rokoko, sozusagen eine Disney-Version. Das gilt auch für die Kostüme, denn schließlich spielt Erotik in diesem Stück eine große Rolle. Und im Gegensatz zum historischen Rokoko bringt heute niemanden mehr ein entblößter Frauenknöchel in Wallung. Also haben wir uns entschieden, die Röcke ein bisschen kürzer und die Dekolletés ein bisschen tiefer zu machen, um dieses Rokoko für unsere Zeit zu adaptieren. Wichtiger als Rokoko-Pracht ist mir beim Bühnenbild, dass es variabel ist, und sind mir die Türen.

Türen?

Ja, immer und überall gibt es Türen. Als Zitat der klassischen Komödie, aber auch, um Räume und Blicke zu öffnen. So weiß das Publikum immer schon ein wenig früher als die Beteiligten, wer als nächstes kommt. Und dann sind Türen natürlich auch ein Symbol.

Wofür?

Wem sie sich öffnen und wem sie verschlossen bleiben, das sagt schon sehr viel aus über eine Gesellschaft.

Männerwitze auf Kosten der Männer

Sie sprachen die Erotik an. Die ist in Rudolf Schanzers und Ernst Welischs Textbuch keinesfalls in zarten Anspielungen verborgen, sondern ziemlich großzügig dosiert. Ist das wirklich Erotik – oder eher eine Art Herrenwitz in drei Akten.

Wenn überhaupt, dann ist es ein Damenwitz ins drei Akten. Meist haben die Frauen das Heft in der Hand. Die Pompadour sowieso. Denn die Rollen sind vertauscht in dieser Operette: Die Männer sind das Objekt der Begierde einer freien Frau.

Die aber gerade mit dieser Freiheit wieder zur klassischen Männer-Fantasie wird.

Dann sagen wir es so: Es ist ein Herrenwitz auf Kosten der Männer. Das ist genau die Doppelmoral, von der ich eben sprach. Und aus diesem zeitlosen Spannungsverhältnis entsteht die Komik des Stücks. Sie ist wirklich meine Lieblings-Operette, diese „Madame Pompadour“.

Erste und letzte Premiere

Sie haben bereits mehrfach in Leipzig Regie geführt ...

...ja, zweimal im Krystallpalast-Variete, im kommenden Herbst ein drittes Mal.

Aber „Madame Pompadour“ ist Ihre erste Regie an der Musikalischen Komödie.

Ja, und ich freue mich sehr, hier arbeiten zu können.

Es wird in dieser MuKo auch Ihre letzte Regie sein. Denn das Haus wird nach dem Ende der Spielzeit umgebaut. Haben Sie ihre Inszenierung so variabel gestaltet, dass sie mit ins Interim im Westbad kann?

Nein, es sind dort keine Vorstellungen vorgesehen. Bis zum Ende der Saison gibt es die Premiere und sieben Folgevorstellungen. Es sollte sich also ranhalten, wer diese „Madame Pompadour“ sehen will. Auch wenn sie nach der Neueröffnung wieder auf den Spielplan kommt.

Premiere: 1. Juni, 19 Uhr, Vorstellungen: 2., 7., 8., 11., 22., 23. 25. Juni, Karten (15–39 Euro) und Infos erhalten Sie u.a. bei der Ticketgalerie im LVZ Foyer, Peterssteinweg 19, im Barthels Hof, Hainstr. 1, in unseren Geschäftsstellen, über die gebührenfreie Tickethotline 0800 2181050 auf www.ticketgalerie.de oder an der Opernkasse sowie unter Tel. 0341 1261261.

Von Peter Korfmacher

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