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Kultur Regional "Klavierübungen" zum Leipziger Bachfest in der Thomaskirche
Nachrichten Kultur Kultur Regional "Klavierübungen" zum Leipziger Bachfest in der Thomaskirche
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15:28 15.06.2018
Archivfoto
Archivfoto Quelle: epd
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Leipzig

Im Rahmen einer Kooperation von LVZ.de mit dem Leipziger Bachfest kommen junge Autoren zu Wort, die über ihre Erlebnisse beim renommierten Musikfestival berichten. Den Anfang macht Tabea Petry.

Am 11. und 12. Juni bot sich mir die Möglichkeit, im Rahmen des Bachfestes den „Klavierübungen“ in der Thomaskirche zu lauschen. Dabei ist der Name „Klavierübungen“ ein wenig irreführend, denn ein Klavier kam bei diesen zwei Konzerten nicht zum Einsatz, stattdessen aber seine große Schwester, die Orgel.

In jeweils etwa 100 Minuten führten Thomasorganist Ullrich Böhme und Wolfgang Zerer Teile des Werkes von Johann Sebastian Bach auf. Bei der Länge der Konzerte fand ich es sehr beein-druckend, dass die Solisten so viele anspruchsvolle Stücke scheinbar mühelos hintereinander weg spielen konnten.

Die Kirche war gut gefüllt und die Klänge der Orgel zogen fast alle Zuhörer in Bann. Nicht wenige (und ich zähle mich dazu) schlossen die Augen, um die Musik zu genießen. Man konnte sich tragen lassen und für einige Zeit alles andere vergessen. Es herrschte eine beinahe ehrfürchtige Stimmung, wenn die letzten Töne im Kirchengewölbe nachhallten.

Mir hat besonders gut die Vielfalt der einzelnen Stücke gefallen, die, obwohl sie aus dem gleichen Werk stammen, sehr unterschiedlich waren und die vielen verschiedenen Varianten zeigten, wie eine Orgel klingen kann. Manche Stücke klangen etwas düster, fast schon unheimlich, andere wiederum heiter. Manchmal lud der Rhythmus beinahe zum Tanzen ein, was man nicht von barocker Kirchenmusik erwartet. Von getragenen, feierlichen Melodien bis zu schnellen Läufen und Sprüngen war alles zu hören. Auch die Tonlage variierte stark; teilweise hoch, manchmal aber auch so tief, dass die Töne wortwörtlich durch Mark und Bein gingen. Dieser Effekt wurde durch die Dynamik verstärkt, wenn die Ohren noch vom letzten Stück dröhnten und es anschließend leise und zart weiterging.

Ich empfand die „Klavierübungen“ als sehr bewegend, und anscheinend ging es nicht nur mir so, denn jeweils am Ende des Abends spendete das Publikum einen kräftigen Applaus für die beiden Musiker an der Orgel, bei dem sich auch einige erhoben. 

Vielen Dank an das Bachfest Leipzig, dass ich diese Musik erleben durfte!