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Kultur Regional Kommende Theater-Spielzeit widmet sich Kleist, Kafka und der Kohle
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18:42 21.05.2019
Torsten Buß, Enrico Lübbe und Thomas Frank stellen die kommende Spielzeit am Schauspiel Leipzig vor. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Es wimmelt im Leipziger Schauspielhaus, denn morgen beginnt die viertägige Club-Convention, dann nehmen die Theaterspielclubs das Haus in Beschlag für ihre Inszenierungen. Die Pressekonferenz zur kommenden Spielzeit verkrümelt sich deshalb neben die Studiobühne unter dem Dach. Im Aufzug verweist ein mit Filzstift geschriebenes Schild auf die „Anprobe Tristan & Isolde“. Aber man muss sich keine Sorgen machen, gleich in ein Kostüm gesteckt zu werden. Der Besucherservice bugsiert die Journalisten sicher vor das Podium mit Intendant Enrico Lübbe, Chefdramaturg Torsten Buß, Residenz-Leiter Thomas Frank und Sprecherin Esther Ningelgen.

Und dann geht es, wie bei solchen Veranstaltungen üblich, zunächst um die aktuelle Saison. Die sei, so Lübbe, eine der künstlerisch erfolgreichsten seiner 2013 begonnen Amtszeit – gemessen an Festival-Einladungen. Die Auftragswerke „atlas“ von Thomas Köck und „Disko“ von Wolfram Höll sind beide zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen. Doris Uhlichs an der Residenz produziertes „Every Body Electric“ fährt ebenso wie Julian Hetzels „all inclusive“ zur Biennale nach Venedig. Und „Oratorium“ von She She Pop, allerdings mit zwei Händen voll weiteren Häusern koproduziert, war gerade beim Berliner Theatertreffen. Meistens wird aber doch zuhause gespielt. Und Lübbe verkündet „für Zahlenfreunde“ eine bisherige Saisonauslastung bei eigenen Veranstaltungen von 78 Prozent. „Ungefähr ein Prozent mehr als in der vorigen Saison.“

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Die kommende Spielzeit lässt sich in Zahlen so zusammenfassen: 24 Premieren und 23 Wiederaufnahmen. Der Auftakt im großen Saal findet nicht ganz zufällig am 3. Oktober statt, Tag der Deutschen Einheit, gut gewählt für eine Spielzeit, die unter dem Motto „Miteinander Ensemble“ segelt. Und vor allen Dingen mit Kleists „Hermannsschlacht“ ein Drama auf die Bühne bringt, das zwar kontrovers gedeutet wurde, aber auch immer wieder bei einer patriotischen Lesart landet. Es geht um die Einigung der Germanen und den Sieg gegen die Römer, und das Schauspiel hat dafür den gefragten tschechischen Regisseur Dušan David Parízek gewonnen, der erstmals in Leipzig inszeniert.

Ein weiterer Kleist-Stoff, „Penthesilea“, soll als Gastspiel ans Haus kommen. Eingeladen ist die Koproduktion von Salzburger Festspielen und Schauspielhaus Bochum mit Sandra Hüller und dem neuen Träger des Iffland-Ringes Jens Harzer. Eröffnet hat das Kleist-Triple gerade Hausregisseur Philipp Preuss mit seinem zwischen Traumwelt und Realität changierenden „Prinz von Homburg“, der in dieser Saison noch zu sehen ist und dann im Januar wieder aufgenommen wird. Neu wird Preuss „Das Schloss“ von Franz Kafka inszenieren (Premiere: 25. April). Wieder ein Stoff, so Lübbe, der Preuss’ Bildwelten gerecht wird.

Von Claudia Bauer, ebenfalls Hausregisseurin, kehrt am 9. Oktober „89/90“ zurück auf den Spielplan, bewusst gesetzt 30 Jahre nach dem Mauerfall. Und passend zur fortgesetzten Reihe der Expertengespräche am Schauspiel, bereits unter dem Titel „30 Jahre später“ angelaufen. Bauers nächste Schauspiel-Inszenierung feiert am 7. März Premiere. Sie nimmt Bulgakows „Meister und Margarita“ unter die Lupe, die russische Gesellschaftssatire mit ihren Faust-Bezügen.

An den „Faust“ der aktuellen Spielzeit, vor allem an die Thementouren aus „Faust II“, knüpft das Schauspiel thematisch mehrfach an. Der Strukturwandel in den Bergbau- und Kohleregionen ist Thema etwa in der Residenz. Jule Flierl und Mars Dietz widmen sich tänzerisch in „Wismut“ dem Uranabbau im Erzgebirge (Premiere: 5. Oktober). Und im November beginnt eine fünfteilige Performance-Reihe mit Künstlern, Theoretikern und Arbeitern zum Thema. Zum Auftakt stellen in „Landscapes and Bodies“ das Künstlerkollektiv Daniel Kötter / Sarah Israel / Elisa Limberg Edelmetallgewinnung in Indonesien und Braunkohletagebau bei Leipzig gegenüber. Erneut erhält das Schauspiel für die Produktion, die mit PACT Zollverein Essen entsteht, eine Förderung über den Fonds Doppelpass der Bundeskulturstiftung.

Auch die Diskothek, Bühne für Gegenwartsdramatik, greift das Thema auf. Unter dem Arbeitstitel „Hundert Jahre Kohle“ planen Regine Dura und Hans-Werner Kroesinger einen Abend rund um die Geschichte des Tagebaus und der politischen Debatten. Für Lübbe zählen sie zu den „derzeit wichtigsten Vertretern des Dokumentartheaters“.

Zum Auftakt in der Residenz (27. September) kommt mit der Uraufführung von „Frau Ada denkt Unerhörtes“ erstmals ein Text der Schweizer Autorin Martina Clavadetscher ans Schauspiel. Katrin Plötner, ebenfalls erstmals am Schauspiel, inszeniert das Stück, das das Thema Künstliche Intelligenz aufgreift.

Erneut arbeitet das Schauspiel mit E. L. Karhu zusammen. Die finnische Autorin schreibt derzeit am Auftragswerk „Eriopis“ aus der Sicht von Medeas überlebender Tochter.

Auf der großen Bühne gibt es wieder ein Weihnachtsmärchen von Regisseur Stephan Beer: „Die Eisjungfrau“ feiert am 26. Oktober Premiere. Regisseur Moritz Sostmann kommt wieder ans Haus und inszeniert mit Schau- und Puppenspiel „Der gute Menschen von Sezuan“ (23. November). Lübbe plant die Komödie „Mein Freund Harvey“ (18. Januar).

Das Motto „Miteinander“ versteht das Haus als Antwort auf das Auseinanderdriften der Gesellschaft. Torsten Buß verweist auf die Nachgespräche nach den Vorstellungen und das spürbar gewachsene Interesse an Diskussion. „Theater können ein Ort des Austausches sein.“ Das Motto verweist aber auch auf das Schauspiel selbst, das seine Kooperationen in Leipzig, etwa mit dem Ballett in „Triple Bell“ (Premiere: 8. April), fortsetzen wird. Ebenso geht es um Auftritte im Stadtraum: Das Sommertheater „Drei Tage auf dem Land“ soll 2020 an mehreren Orten der Stadt spielen. Ein Miteinander findet auch über die Laien-Chöre statt, die in einige Stücke integriert sind – und über die Theaterclubs, denen ab morgen die Bühnen gehören.

Das komplette Spielzeitprogramm 2019/20 unter www.schauspiel-leipzig.de

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