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Kultur Regional Komponisten beantworten die Frage „Wie klingt Heimat?“
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16:51 27.06.2019
Preisträger Steve Heelein (2. v.l.) mit den Vertretern der Jury: Ulf Schirmer, Daniela Brendel und Tiago de Oliveiro Pinto (v.l.) Quelle: Florian Merdes / Oper Leipzig
Leipzig

Den schönsten Satz des Abends sagt Ulf Schirmer, Intendant und Generalmusikdirektor der Oper Leipzig und überdies Vorsitzender der Jury für den Kompositionswettbewerb, den sein Haus ausgelobt hat: „Schon damals“, sagt er, „hat jemand geweint, dass die Zeit vorbei ist“.

Damals, das war 1907/08. Und dieser Jemand, das war Gustav Mahler, an dessen „Lied von der Erde“ Schirmer sich erinnert fühlte an einer Stelle von Steven Heeleins Werk „Auf gewundenen Stegen (... dort ...2)“. Heelein lächelt, outet sich als „ertappt“ und nimmt die Siegerurkunde entgegen. 2000 Euro bekommt er als Gewinner des von der Oper Leipzig ausgerichteten und von ihrem Freundeskreis finanzierten Kompositionswettbewerbs zum Thema „Wie klingt Heimat?“.

Erfreulich gut besucht

Drei Werke werden aus der Taufe gehoben bei diesem Abschlusskonzert im erfreulich gut besuchten Konzertfoyer der Oper. Die wurden ausgewählt aus insgesamt nur zwölf Einsendungen von der Jury, der neben Schirmer Daniela Brendel vom Musikverlag Ricordi, Gerd Kühr, Kompositionsprofessor in Graz, Carolin Widmann, Geigen-Professorin in Leipzig, und Tiago de Oilveira Pinto, Direktor des musikwissenschaftlichen Instituts Weimar Jena, angehörten.

Akademische Feierstunde

Zwölf Einsendungen – viele sind das nicht. Das mag am Thema gelegen haben. Denn alle drei Finalisten geben im Gespräch mit der Dramaturgin Elisabeth Kühne zu Protokoll, dass die Frage „Wie klingt Heimat?“ sie zunächst abgeschreckt habe: zu nahe die Klischees von „Flamenco und oder Lederhose“, wie es der in Madrid geborene und in Hamburg lebende und arbeitende Martín Zamorano sagt, dessen „Heimatslieder“ ihm den zweiten Platz einbrachten. So komplex jedenfalls scheint das Thema, das Schirmer zunächst noch Pirmin Stekeler-Weithofer, Philosophie-Professor an der Leipziger Universität, das Thema mit gelehrten Girlanden umwickeln lässt. Was der Veranstaltung mehr den Charakter einer akademischen Feierstunde als eines Konzertes gibt.

„Heimat, das ist ein Wohlgefühl“

Und wie klingt sie nun, die Heimat? In der Musik jedenfalls sehr unterschiedlich, auch wenn als Besetzung eine Singstimme, Klavier und ein zusätzliches Instrument vorgegeben sind. Bei Maximilian Nicolai, geboren 1994 in Oranienburg, Schulmusiker und derzeit Student der Musiktheorie in Dresden, klingt sie, wie sie sich anfühlt: „Heimat, das ist ein Wohlgefühl“, gibt er Auskunft. Für dieses Wohlgefühl habe er einen Klang gesucht, den sein Werk „Land / Of Lost Content“ für Mezzosopran, Klarinette und Klavier von allen Seiten beleuchtet – zerlegt, umschichtet, dehnt, staucht, bewegt, einfriert. Nicolai tut dies durchaus mit sinnlichem Geschick, und die Aufführung durch Kathrin Göring, Mezzo, Christina Dreiner und Alden Gatt am Klavier legt nahe, dass mehr als der dritte Preis drin gewesen wäre. Hätte er auf die szenischen Anweisungen verzichtet, die die fabelhafte Göring dazu zwingen, aus dieser Kammermusik ein hysterisches Dramolett zu machen. Und würde überdies nicht sein eigener Text, eigentlich sind es nur Signalworte und Satzfragmente, die um das dem Credo abgerungene „geboren, nicht geschaffen“ kreisen, das Werk weit aufs Feld der Parodie zu zerren drohen.

Polastilistik und Edelkitsch

Da hat auch Martín Zamorano, Jahrgang 1995 ein Plätzchen reserviert: Seine „Heimatslieder“ für Alt (Sandra Janke), Cello (Olivier Marger) und Klavier (Gatt) auf Texte von Nelly Sachs und Philip Larkin beginnen so sensibel wie kraftvoll und ringen der Tonalität schöne und unverbrauchte Klänge ab. Aber spätestens wenn die wunderbare Sandra Janke sich unisono mit Olivier Margers Cello immer wieder abarbeiten muss am nachklappend synkopierten Da-da-da-da-da, gleitet diese Polystilistik in den Edelkitsch ab.

Emotionale Dringlichkeit

Drum ist klar: In diesem Umfeld konnte die Jury nur Heeleins „Auf gewundnen Stegen (... dort 2 ...)“ den ersten Preis geben. Sein Werk für Alt, Kontrabass und Klavier, exzellent gesungen und gespielt von Christiane Döcker, Michail Pavlos-Semos, Gatt) erobert sich unter Texten von Steffen George, die gesungen werden, gesprochen, geflüstert, buchstabiert, von den Heimat-Gesten der Avantgarde-Folklore ausgehend die emotionale Dringlichkeit der Spätromantik zurück. Heelein findet und baut wunderbare Klänge, kann mit der Stimme umgehen und ist formal souverän. Der Umstand allerdings, das seine „Intuition“ ihm auftrug, die drei Akteure weitestmöglich voneinander entfernt im Raum zu verteilen, fällt ebenso in die Abteilung Bedeutungshuberei wie der geklammerte Wurmfortsatz des Titels. Auch eine Art Heimat.

Von Peter Korfmacher

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