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Kultur Regional Konzert in Leipzig – und die Jazzpolizei jubelt
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15:57 19.01.2020
Nadine Maria Schmidt und Frank Kaiser mit seiner neuen Band „Kaiser/Butt New World Jazz Quartett“ spielen in der proppenvollen naTo. Quelle: Christian Modla
Leipzig

„Ist Jazzpolizei anwesend?“ fragt Nadine Maria Schmidt vorsichtig in die proppenvolle naTo. Zustimmendes Knurren. Ein Abend für Connaisseurs: Hier wird nicht nur einem Instrument gehuldigt, sondern ganz speziellen Fertigungen des Leipziger Gitarrenbauers Matthias Voigt. Der hat auch Frau Schmidt einen Korpus auf den Leib geformt. Die Liedermacherin, frisch zurück aus der Babypause, eröffnet den Abend mit ihrem wunderbar facettenreichen Alt. Sie vertont Texte anderer – ihr Parforceritt durch die Verse des Romantikers Eichendorff hätte diesem Schweißperlen auf die Stirn getrieben – aber auch eigene. Das Publikum goutierte am Ende eher die tief poetische Lyrik, die sie selber gemacht hat.

Und wie abgezockt sie spielen

Danach betritt nicht die Polizei die Bühne. Aber der Ausbilder. Frank Kaiser ist seit den frühen 90ern in der Szene der Stadt präsent, er ist nicht nur Lehrer, sondern war auch mit Bands wie den bis heute unerreichten Fast Food Funkateers unterwegs. Jetzt ist er bei seiner eigentlichen Leidenschaft, dem Jazz, angekommen. Während Frau Schmidt immer wieder Bezug auf ihr Instrument nahm und affirmative Geschichten erzählte, während sie es hoch- und wieder runterstimmte, verschmilzt Kaiser beim Umhängen mit dem Sechssaiter. Er schaut die Gitarre die ganze Konzertzeit nicht an, ebenso, wie ein Magier nicht auf seine Hände sieht, wenn er zaubert.

Konzert von Nadine Maria Schmidt und Frank Kaiser mit Band: Sie spielen zu Ehren des Leipziger Gitarrenbauers Matthias Voigt im Soziokulturzentrum naTo. Quelle: Christian Modla

Sein „Kaiser/Butt New World Jazz Quartett“ erlebt an diesem Abend den ersten Auftritt. Zunächst der Blick auf die Rhythmus-Sektion: Die beiden jungen Leute, Lukas Growe am Kontrabass und Hans Otto am Schlagzeug, machen einen perfekten Job. Sicher in Spiel und Feeling, energetisch und gleichzeitig einfühlsam, dabei cool und abgezockt, mit jahrzehntelanger Erfahrung, die sie augenscheinlich noch gar nicht gesammelt haben können.

Und das Plektrum irrlichtert

Zentral der Meister. Er betreibt seine Kunst mit großem Ernst, doch leichter Hand. Das wirkt oft locker improvisiert, doch tatsächlich ist kein Halbton zufällig. Unglaublich, wie das Plektrum über die Saiten irrlichtert, er kann Al Di Meola ebenso wie Eddie van Halen. Doch er hält sich bei keiner Stilistik auf, sondern führt in seine eigene artifizielle Welt. Der Opener „Septomanie“ ist ein Hymnus an die Septime, ein musikalisches Intervall, das sieben Tonstufen einer diatonischen, heptatonischen Tonleiter umspannt. Der Rezensent muss Google danken – für Kaiser indes ist eine solche Huldigung tief empfunden. In dem kaum fünf Minuten langen Stück namens „Da da da di di da“ bringt er tatsächlich 100 Akkorde unter. Das ist ungeheuer komplex, wird aber entspannt gespielt, die Musiker sind hochkonzentriert, doch verlieren nie das freundliche Lächeln und den schieren Spaß an der Sache.

Und der Leipzig-Tango groovt

An Kaisers Seite Valentin Butt am Knopfakkordeon. Eine kongeniale Ergänzung, beide harmonieren beseelt und finden zu verrückten Unisonoläufen. Dem Publikum bleibt nichts anderes übrig, als begeistert zu applaudieren. Obwohl diese Eruption an Virtuosität ein gerüttelt Maß an Konzentration forderte. Sie lösen die Spannung mit dem herrlich groovenden Leipzig-Tango, um als Zugabe noch ein Lied von und mit Nadine Maria Schmidt zu bringen, das alles in einem heiteren Schlussakkord auflöst: Die Jazzpolizei jubelt im Einklang mit dem musikliebenden Bürger.

Von Lars Schmidt

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