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Kultur Regional Kuratorin Molina Gosh präsentiert Leipziger Künstlerpaare
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17:16 08.02.2019
“Doubles" in der Kunsthalle der Sparkasse in Leipzig. Die Kuratorin Molina Ghosh. Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Das ist die Frau des berühmten Soundso, heißt es nicht selten in Betrachtungen der Kunstgeschichte. Auch wenn diese Frau selbst Bedeutsames geleistet hat. In umgekehrter Konstellation kommt solch eine Aussage viel seltener vor. Sogar der Gegenwart gibt es zwar mehr Kunststudentinnen als -studenten, auf dem Markt sind sie dann nach dem Diplom aber schwerer zu finden.

10 Paare, 20 Handschriften aus Leipzig

Eigenständige Handschriften

Künstlerinnen wie Künstler sind von Natur aus Individualisten, müssen es sein. Wie klappt es dann mit dem privaten Zusammenleben oder gar dem gemeinsamen Produzieren? Die ausgestellten Arbeiten können die Frage nur ansatzweise beantworten. Molina Ghosh wurde von der Kunsthalle der Sparkasse um ein Ausstellungskonzept gebeten, „Doubles“ war dann einer ihrer Vorschläge. Der Titel klingt ein bisschen danach, als würden die Paare sich gegenseitig kopieren. So etwas mag es auch geben. Aber für die zehn hier vorgestellten Partnerschaften kann man das ganz klar ausschließen. Selbst bei Kooperationen sind eigenständige Handschriften erkennbar. Die Kuratorin ist selbst Künstlerin, macht elektronische Musik, musste ihr eigenes Galerie-Vorhaben vorläufig verschieben und hat nicht nur nebenbei auch eine Rolle als Mutter. Die meisten der Beteiligten kennt sie persönlich, mit manchen ist sie seit dem Studium an der HGB befreundet.

Wichtige Interviews

Den Katalog muss man als integralen Bestandteil der Ausstellung ansehen, auch wenn sich die Abbildungen kaum mit den letztlich zu sehenden Arbeiten – viele entstanden extra für dieses Projekt – überschneiden. Wichtig sind die Interviews, die Molina Ghosh mit den Paaren führte. Es gibt dabei Partnerschaften, die nicht nur privater Natur sind, sondern auch künstlerischer. So ist eine ganze Serie kleiner Bilder zu sehen, die Corinne von Lebusa und Moritz Schleime gemeinsam gemacht haben, zumeist bei Urlaubsreisen. Das überrascht. Schleime ist eher für eine rotzige Attitüde bekannt, von Lebusa für betonte Weiblichkeit. Beides findet in den Zeichnungen auf Pappe eine Einheit, ohne ganz zu verschmelzen. Ähnlich kann man die Arbeiten von Nadine Maria Rüfenacht und Tilo Baumgärtel betrachten. Er erstellt gewohnt detailreiche Zeichnungen, sie greift dann mit ihren Collagen ein, ergänzt, verfremdet, überarbeitet. Die Persönlichkeiten bleiben trotz der doppelten Autor(innen)schaft erkennbar. In der Vorliebe für surreale Narrative ähneln sie sich ohnehin. Nur die Technik ist verschieden.

Selbst da, wo sich die individuellen Arbeitsweisen noch stärker voneinander unterscheiden, sind Kooperationen machbar. Anita Mikas und Markus Lier haben außer eigenen Malereien gemeinsam ein riesiges T-Shirt mit dem Label „Super Lazy Power“ in den Raum gehängt. Trotzdem sagen sie gerade über solch eine Zusammenarbeit nach anfänglichen Schwierigkeiten: „Jetzt wird der Kontrast zwischen uns beiden deutlicher. Wir setzen ihn bewusster ein und spielen mit ihm.“

Manchmal ist die Herangehensweise ähnlich, der Ausdruck aber deutlich verschieden. Von Berit Mücke und Rayk Goetze hängen zwei Gemälde im gleichen Großformat dicht nebeneinander. Zweimal figürliche Malerei, erzählerisch und doppelbödig. Und sehr verschieden.

Schwierige Kritik

Eine Standardfrage in den Interviews ist die zur gegenseitigen Kritik und wie damit umgegangen wird. Eine heikle Sache, wenn sich Privates und Berufliches überschneiden. Nimmt man Einwände gegen das neueste Werk, das vielleicht noch gar nicht fertig ist, dann nicht persönlich? Dass dies durchaus vorkommen kann, zeigen die Antworten. Manche Paare halten sich deshalb betont zurück bei der Bewertung der Werke der oder des Anderen. Es ist eben etwas anders als in einem Lehrer-Schüler-Verhältnis, wie es am gleichen Ort schon mehrfach dokumentiert wurde. Auch nicht ganz zu vernachlässigen ist die nicht so erfreuliche Angelegenheit, wie man das Familienleben eigentlich finanziert, wenn beide so eine brotlose Berufung haben. Da kommt dann in Aussagen nicht selten zum Ausdruck, dass die Männer mehr zum Einkommen beitragen, ohne dass man das an der professionellen Qualität im Vergleich unmittelbar ablesen kann. Siehe oben.

Das kann zu Spannungen führen. Solch ein Knirschen wird im Interview mit NK. Doege und Lutz-Rainer Müller deutlich hörbar. Und das, obwohl sich beide in ihrer Vorliebe für spröde Abstraktion viel ähnlicher sind als die meisten der anderen vorgestellten Beziehungen. Nur die Farben sind bei NK. Doege intensiver als bei ihrem Mann. Andere Paare arbeiten sehr verschieden, selbst in unterschiedlichen Genres. Eine Beeinflussung mag stattfinden, wird nach außen hin allerdings kaum sichtbar.

Ein bisschen Exhibitionismus?

Ist es aber für den Kunstinteressenten eigentlich von Interesse, wer da mit wem auch privat verbandelt ist? Hat das nicht ein bisschen mit Exhibitionismus zu tun, das Familienleben zur Schau zu stellen? Niemand von den Angefragten habe ablehnend reagiert, sagt die Kuratorin. Im Gegenteil, es gab auch Beschwerden von Künstlerinnen und Künstlern, dass sie nicht vertreten seien. Das kann schon durch die Platzfrage beantwortet werden. Leipzig hat mit Sicherheit noch einige Künstlerpaare mehr. Warum aber sind keine lesbischen und schwulen in der Auswahl dabei? Molina Ghosh konnte einfach keine finden, bei denen beide Partnerinnen oder Partner künstlerisch tätig sind.

Doubles, Kunsthalle der Sparkasse, Otto-Schill-Straße 4a, bis 12. Mai, Do-So 10-18 Uhr, Mi 12-20 Uhr

Von Jens Kassner

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