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Kultur Regional Lachen mit Kaminer
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00:18 01.01.2018
Beste Unterhaltung mit Wladimir Kaminer: Nach zwei Stunden Lesen und Plaudern begibt er sich hinter das DJ-Pult. Quelle: Foto: Christian Modla
Leipzig

Wenn Wladimir Kaminer von seinen Silvesterplänen erzählt, möchte man unbedingt Gast auf dieser illustren Party sein. Das ganze Jahr freue er sich auf die lange Nacht vom 31. Dezember bis zum 3. Januar, scherzt der in Moskau geborene Autor am Donnerstag. Da schläft der eine Gast regelmäßig mit dem Kopf in der Salatschüssel ein, die gute Freundin findet, Bauchtanz auf dem Tisch gehöre zu jeder guten Party dazu, und der nächste Kumpel unterhält zwar gern die Gäste mit Schauspieleinlagen, will dann aber mit den Geschenken durchbrennen.

Herrlich skurrile Szenarien wie diese sind Kaminers große Gabe. Leider kann der Autor wohl kaum das gesamte Publikum im brechend vollen Haus Leipzig bei sich beherbergen. Dafür ist seine traditionelle Silvester-Lesung mit anschließender „Russendisko“ ein mehr als zufriedenstellender Ersatz.

„Ich habe schon so oft in Leipzig vorgelesen, ihr kennt ja alles schon“, grübelt der 50-Jährige zu Beginn. Den ersten Teil des Abends will er mit einem Best-of seiner Texte rund um Winter und Weihnachten bestücken. Es mag ein raffinierter Kniff sein, doch die Lesung wirkt an mehreren Stellen sympathisch spontan. Zum Beispiel, wenn Kaminer plötzlich unterbricht und höflich fragt: „Ich würde dann noch gerne eine Geschichte über unseren Urlaub vorlesen, darf ich?“ Natürlich schallt ihm ein kollektives Ja entgegen.

Außerdem haben viele seiner urkomischen Stories an diesem Abend einen Bezug zu Sachsen, wie er feststellt. Da geht es um den Dresdner Christstollen, von dessen Rezept jeder Sachse behauptet, es sei seiner Oma gestohlen worden und das nach russischer Kaminer-Art hauptsächlich Cognac beinhaltet. Oder um den Luther-Wahnsinn in diesem Jahr, der auch vor Zeitz nicht Halt machte, was Kaminer bisher nur wegen der dortigen Kinderwagen-Fabrik ein Begriff war. Klar, dass derlei Anspielungen, auch auf das deutsch-russische Verhältnis, beim überwiegend älteren Publikum in Leipzig besonders gut ankommen.

Zwar sind sein trockener Humor, seine scharfzüngige Auseinandersetzung mit den Kulturen und seine unnachahmliche Vortragsweise mit rollendem R und fehlendem H das, was Kaminer schallendes Gelächter und kräftigen Applaus beschert. Doch er kann auch ernst: Seine Erzählungen über Russlands Ohnmacht beim Umgang mit der eigenen Geschichte enthalten erhellende Einsichten.

Für sein nächstes und nach eigener Aussage bestes Buch (natürlich), das im kommenden Jahr erscheinen wird, hat Kaminer ein neues Lieblingsthema gefunden: Kreuzfahrten. „Der Vorteil: Man sammelt in zwei Wochen so viele Geschichten wie auf dem Festland in Monaten nicht“, erklärt er. „Der Nachteil: Man muss Kreuzfahrten machen.“ Die neuen Texte testet er mit Erfolg am Leipziger Publikum aus.

Jeder, der schon mal so eine Reise gemacht hat – und das scheinen einige im Saal zu sein – kann sich über diesen Mikrokosmos aus aufdringlicher Entertainment-Brigade, überteuerten Touri-Ausflügen und Rum-Gelagen an Bord ausschütten vor Lachen. Tagsüber meckern über die Welt, abends „Atemlos durch die Nacht“. Oder in Kaminers Worten: eine faszinierende Mischung aus Weltuntergang und Party. Kann eigentlich nur ein Bestseller werden.

Nach zwei Stunden bester Unterhaltung beendet Kaminer seine Lesung mit den Worten: „Lasst uns anstoßen auf ein sonniges Leben in einem friedlichen Europa mit Russland als Freund!“ Dann wechselt der Meister höchst selbst hinters DJ-Pult und bittet zur „Russendisko“. Der Titel seines ersten Erfolgsromans ist auch der Name der von ihm in Berlin etablierten Partyreihe. Kaminer legt russische Klassiker und Pop-Hits auf, ruckzuck ist die Tanzfläche im Haus Leipzig gefüllt. So sieht eine gelungene Vor-Silvesterparty aus.

Von Friederike Ostwald

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