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Kultur Regional Lauma Skride und Andris Nelsons und das Gewandhausorchester gratulieren Clara
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17:02 13.09.2019
Lauma Skride (am Flügel und das Gewandhausorchester unter seinem Chef Andris Nelsons gratulieren Carla Schumann zum 200. Geburtstag. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Liebevoll könnte man es ihr musikalisches Zuhause nennen. Clara Schumann, dem Gewandhaus zeitlebens aufs Engste verbunden, feierte hier wegweisende Erfolge als Pianistin, setzte Maßstäbe mit mutig erdachten Konzertprogrammen, die ein bis heute verbindliches Klavierrepertoire definierten. 1828 war sie erstmals im alten Gewandhaus zu hören, 1889 bestritt sie einen ihrer letzten öffentlichen Auftritte – und gab hier in den Jahren dazwischen so viele Konzerte wie nirgends sonst und wie kein Pianist vor oder neben ihr. Kurzum: Man kann sich beide, die Virtuosin und ihre Konzertstätte, gar nicht voneinander getrennt denken:

Naheliegend, dass man in den Großen Concerten diese Woche die Pianistin und Komponistin mit der Aufführung ihres Klavierkonzertes zum 200. Geburtstag beglückwünscht. Und müßig zu erwähnen, dass dieses im Gewandhaus aus der Taufe gehoben wurde, mit der 16-jährigen Komponisten am Klavier und Mendelssohn am Pult.

Am Stile brillante orientiert

Den Vergleich mit den Gipfelwerken unter den Klavierkonzerten der 1830er, den Beiträgen von Chopin, Liszt und Mendelssohn, wird dieses kompositorische Gesellenstück kaum bestehen können. Doch wer so urteilt, wählt den falschen Maßstab für ein Werk, bei dessen Entstehung noch Großmeister des Stile brillante wie Johann Nepomuk Hummel und Friedrich Kalkbrenner Pate standen. Bei aller gekonnt eingebundenem Virtuosität, fehlt es der Melodik an bleibendem Reiz und der Harmonik an nachhaltigen Überraschungen.

Erst das Finale, das Allegro non troppo, offenbart Ansätze kapriziöser Eigenwilligkeit, mit seiner munteren Alla-polacca-Spiellaune und den regenbogenhaft schillernden Kaskaden. Hier getraut sich Lauma Skride, dem Klavierpart endlich mehr Eigenleben einzuhauchen, lässt Terzenketten rieseln und Oktaven angemessen donnern. Das war in der Romanze zuvor noch anders. Im vermeintlichen Duett singt das Cello allein. Schade, denn das a-moll-Konzert der jugendlichen Clara Wieck hat in seinen Momenten mehr zu bieten, offenbart eigentlich schon im Allegro con moto chopineske Anklänge. Gibt aber im Orchesterpart für Andris Nelsons und das Gewandhausmusiker um Andreas Buschatz genauso wenig her wie die beiden Klavierkonzerte des großen Polen.

Spätes Gewandhaus-Debüt

Clara war noch ein Kind, als sie neunjährig im Gewandhaus debütierte, die französisch-amerikanische Komponistin Betsy Jolas ist hingegen eine respektgebietende Dame von 93 Jahren, als ihr dieses Glück zu Teil wird.

Für ihr spätes Debüt hat sie über die musikalische Atlantik-Brücke zwischen Boston und Leipzig ein Orchesterstück mitgebracht, das besser zur Musikstadt nicht passen könnte. Zumindest, wenn man der Annahme folgt, dass Leipzig international vorrangig mit Bach assoziiert wird. Konsequenterweise heißt das Auftragswerk, das das Gewandhausorchester aus der Taufe hebt, „Letters from Bachville“. Das Wortspiel – „Letters“ kann Buchstaben wie Brief bedeuten – ist programmatisch zu verstehen: Natürlich wird das b-a-c-h-Motiv mehrmals in die musikalische Textur eingewoben.

Frei von aufdringlicher Mitteilsamkeit

Jolas betreibt jedoch keinen Volkssport damit, Bach-Versatzstücke durch den Kompositionsgenerator zu schicken. Am ohrenfälligsten erkennbar sind noch der Choral „Jesus bleibet meine Freude“ und die Badinerie aus der h-moll-Orchestersuite, die wie Klassik-Jingles kurz aufploppen. Ihr geht es nicht ums heitere Motivraten, sondern um die Art, wie klassische Musik im Zeitalter sich verkürzender Aufmerksamkeitsspannen konsumiert wird. Selbst erstellte Playlists bestimmen das Hörverhalten, durch die sich nach Lust und Laune zappen lässt. Entsprechend spannt sie in dem Fünfzehnminüter keine großen Bögen, sondern belässt es bei kleingliedrigen Gesten. Umherschweifen wolle sie in ihrem neuen Werk, entsprechend hält sich die Musik frei von aufdringlicher Mitteilsamkeit, wofür am Ende freundlich applaudiert wird.

Kaum gegensätzlicher könnte sich hierzu Robert Schumanns Erste, die Frühlingssinfonie, verhalten: Ein einziger Freudenruf als Ausdruck jungen Eheglücks. Für Andris Nelsons das Signal, die bisherige Zurückhaltung aufzugeben, wovon bereits die schmetternde Eingangsfanfare kündet. Dabei setzt er weniger auf die Energie des Rhythmus als auf Überwältigung durch Klang, was dem tänzerischen Charme des verzopften Finales nicht immer zuträglich ist – und genau so befremdet wie der Umstand, dass dieses Geburtstagskonzert nicht ausverkauft ist.

Das Konzert vom Donnerstag wurde von der Leipziger Produktionsfirma accentus music in Koproduktion mit MDR/Arte aufgezeichnet. Auf Arte Concert ist das Konzert für drei Monate abrufbar: www.arte.tv/de/videos/091886-000-A/konzert-zum-200-geburtstag-von-clara-schumann

Von Werner Kopfmüller

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