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Kultur Regional Leere Räume statt Kunst beim HGB-Rundgang in Leipzig
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16:08 15.02.2019
Die Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB) zeigt in diesem Jahr auf ihrem traditionellen Rundgang keine Kunst. Die Studierenden verzichteten auf die Präsentation ihrer Werke, um damit ihre Forderungen nach besserer finanzieller Ausstattung zu unterstreichen. Quelle: André Kempner
Leipzig

Die gute Nachricht zuerst: Der HGB-Rundgang findet statt. Noch bis Sonntagabend ist das ganze Haus für Besucher geöffnet. Studenten sind vor Ort und freuen sich auf Fragen und Diskussionen. Nur Kunstwerke gibt es keine zu sehen. Mit Leistungsverweigerung hat das nichts zu tun. Viele Werke und Aktionen waren schon vorbereitet. Die Entscheidung für die radikale Form des Protestes fiel erst vor einem Monat. Künstlerinnen und Künstler wollen sich präsentieren, die leeren Räume dieses Rundganges tun ihnen selbst am meisten weh.

In gesteigerter Form betrifft das die Diplomanden des Wintersemesters, deren Abschlussarbeiten ebenfalls nicht gezeigt werden. Andere Schmerzgrenzen müssen aber schon lange überschritten worden sein, wenn in seltener Einmütigkeit Studenten und Lehrkräfte aller Fachbereiche beschließen, den Höhepunkt des Studienjahres auf diese außergewöhnliche Weise umzusetzen.

Staatliche Vorgaben statt beiderseitigem Konsens?

Protestaktionen oder Arbeiten, die sich kritisch mit den eigenen Bedingungen von Lehre und Arbeit auseinandersetzen, hat es schon in den Vorjahren gegeben. So wurde 2018 deutlich auf die Problematik der sogenannten Zielvereinbarungen hingewiesen. Der Begriff Vereinbarung klingt nach beiderseitigem Konsens. In der Praxis sind dies aber staatliche Vorgaben, deren Nichteinhaltung finanzielle Sanktionen nach sich zieht. Wenn das Denken in Kategorien der strikten Effizienz schon in anderen Studienfächern fragwürdig ist, so sind in der Kunst quantitative Kriterien per se kein sinnvolles Instrument der Steuerung.

Aus Protest und um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, zeigt die Leipziger HGB beim Rundgang am Donnerstag leere Räume.

In einem Flugblatt werden die Forderungen der Studenten zusammengefasst und erklärt. Dazu gehört eine ausreichende und langfristig planbare Finanzierung. Ein zweiter Punkt bezieht sich auf die Verbesserung der Personalsituation. Weiterhin wird auf die für einige Klassen prekäre Raumsituation verwiesen, die viele Studenten zwingt, sich private Ateliers zu mieten. Und schließlich werden die Zielvereinbarungen ganz klar als Bestrafungssystem bezeichnet.

Wissenschaftsministerin zu Gast

Die HGB ist als staatliche Hochschule eine autonome Einrichtung. Das heißt aber nicht, dass Solidarität von außen unerwünscht ist. Im Gegenteil. Das zeigt die gewohnte Offenheit des Hauses am Rundgangswochenende. Ein erster Erfolg dieses „weißen“ Rundganges ist, dass Eva-Maria Stange, die zuständige Ministerin für Wissenschaft und Kunst im sächsischen Kabinett, am Freitag die Schule besucht hat, um mit deren Vertretern über die Probleme zu sprechen.

Am Samstag treffen sich Vertreter von Studierendenräten vieler deutscher Kunst- und Musikhochschulen zu einem Vernetzungstreffen in der HGB. Am Sonntag gibt es ab 14 Uhr einen Runden Tisch mit Kollegen anderer Leipziger Kulturinstitutionen, um über die sächsische Kultur- und Bildungspolitik zu diskutieren. Außerdem wurde die Internetseite der Hochschule von den sonst dort zu findenden Inhalten freigeräumt, um eine offenes Forum für alle Interessierten zu schaffen.

Jetzt: HGB-Rundgang 2019; noch Sa 11-22 Uhr, So 11-20 Uhr

Von Jens Kassner

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