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Kultur Regional Werkschau in Leipzig ohne Yoko Ono eröffnet
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23:32 03.04.2019
“Cut Piece“: Eine Performance von Echo Morgan, die Yoko Ono 1964 entwickelte. Quelle: André Kempner
Leipzig

Bis zuletzt hatte man ihr einen Eingang im Museum offen gehalten. Gerüchte über angebliche Sichtungen kursierten. Museumsdirektor Alfred Weidinger hatte extra noch einen Brief geschrieben. Doch Yoko Ono kam nicht zur Eröffnung ihrer Ausstellung „Peace is Power“ am Mittwochabend im Museum der bildenden Künste in Leipzig. Oberbürgermeister Burkhard Jung hatte den Job, die Nachricht zu überbringen. Dafür waren im Haus rund 2000 Gäste bei einer großen Party mit Performance, Musik und der Kunst von Yoko Ono, die auf der einen Seite so klar und zart und auf der anderen so hinterrücks und brutal auf sich aufmerksam macht. Peace is Power: Eine Botschaft, die auch Jung gerne weit in die Welt tragen würde: „Es ist möglich, die Welt ohne Gewalt zu verändern.“ Er ist stolz auf die Ausstellung in einer Stadt, die so etwas vor 30 Jahren hinbekommen hat. Und auf ein Museum, das sie hier zeigt: „Kompliment, Chapeau, Respekt dafür“, sagte er in Richtung Weidingers und dessen Team.

Eröffnung mit einstündiger Performance

Yoko Ono ist nicht bei der Eröffnung gewesen, aber war doch anwesend – in dem Stück „Cut Piece“, performt von der in China geborenen, mit dem Namen Echo Morgan auftretenden Künstlerin. Yoko Ono hatte diese Performance 1964 entwickelt. Eine Frau sitzt auf der Bühne, nach und nach kommen Leute aus dem Publikum und schneiden ihr Stück für Stück die Kleidung ab. Sie erträgt das stoisch. Aufkommende Unruhe im Publikum perlt von ihr ab. Zwei Frauen hüllen sie in Stoff, der aufbrandende Applaus scheint das Ende anzuzeigen. Doch Echo Morgan geht erst nach einer Stunde von der Bühne. Da ist sie ganz nackt, hat sich selbst eine Haarsträhne abgeschnitten. Yoko Ono sei es dabei vor allem um das Geräusch der Schere gegangen, erklärt Alfred Weidinger. Das Stück habe die Performance-Kunst revolutioniert. Und Echo Morgan werde danach nur noch unter ihrem ursprünglichen Namen auftreten.

Hier ist etwas auszuhalten

So viel steht fest: Hier ist etwas auszuhalten. Es handelt sich um mehr als eine mit ein bisschen Verstörung garnierte Vernissagen-Deko. Das gilt auch für die Aufführung von Onos „Sky Piece to Jesus Christ“ und der Uraufführung von Johanna Doderers Komposition „Dynamic Piece“, gespielt von Mitgliedern der Musikalischen Komödie, die kurzerhand in die zentrale Museumshalle verlegt wurden.

Yoko Onos Arbeiten haben keine Grenzen wie ihr Traum von einer Welt ohne Grenzen, den sie mit John Lennon träumte, sagte der dänische Kunstberater und -sammler Jens Faurschou von der Faurschou Foundation in Peking, einer der Ermöglicher der Ausstellung. Am Ende der Eröffnungsreden gibt es Applaus und Jubel wie bei einer Theaterpremiere. Und das passt ja, auch wenn das Stück in Leipzig gerade erst begonnen hat.

Bis zum 7. Juli sind rund 70 Arbeiten und Werkreihen von den 50er Jahren bis heute im Museum zu sehen. Viele von ihnen waren in ähnlicher Form bereits woanders zu sehen, einige sind exklusiv für Leipzig entstanden. Yoko Ono habe eine enge Beziehung zur Musik, ihre künstlerische Arbeit vergleiche sie mit Partituren, mit Anweisungen, erklärt der Museumsdirektor, der die Ausstellung in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin und ihrem langjährigen Freund und Fluxus-Experten Jon Hendricks erarbeitet hat.

Mit der Ausstellung „Peace is Power“ hat das Museum der bildenden Künste die Werke von Yoko Ono nach Leipzig geholt. Am Mittwoch wird sie feierlich eröffnet.

Diese Ausstellung in Ostdeutschland, in Leipzig zu machen, sei für sie eine ganz besondere Motivation gewesen, betont Weidinger. Für seine erste international ausstrahlende Ausstellung in Leipzig hofft er auf eine Besucherzahl zwischen 50.000 und 100.000. „Das wäre fantastisch.“

Liebe & Frieden, Schrecken & Krieg

Fünf Jahre nach ihrer Retrospektive in der Frankfurter Schirn handelt es sich nach Museumsangaben um Yoko Onos bislang umfangreichste Werkschau in Deutschland. Sie bespielt das gesamte dritte Obergeschoss, zudem sämtliche Höfe und Terrassen.

Im Museumscafé kann man Schach spielen. Alle Figuren auf dem Brett sind weiß. Schnell verwischen die Grenzen zwischen den eigenen Figuren und denen des Gegners. „Play it by trust“, heißt die Arbeit. Vertrauen, Liebe, Frieden, aber auch Schrecken, Krieg und Gewalt sind Kernthemen der Künstlerin, die auch in dieser Ausstellung verhandelt werden.

Von Jürgen Kleindienst

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