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Kultur Regional Leipziger Bach-Medaille an Klaus Mertens überreicht
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15:55 25.06.2019
Oberbürgermeister Burkhard Jung, der Sänger Klaus Mertens und Peter Wollny, der Direktor des Leipziger Bach-Archivs (v.l.). Quelle: Gert Mothes
Leipzig

„Diese Auszeichnung ist der Höhepunkt meines bisherigen Sängerlebens.“ Klaus Mertens (70) sagt das mit fester Stimme und sendet einen strahlenden Blick ins Schiff des vollen Paulinums, wie man diesen von ihm bei besonders intensiven musikalischen Momenten kennt. Soeben hat ihm Oberbürgermeister Burkhard Jung die Bach-Medaille 2019 der Musikstadt Leipzig überreicht. Vorgänger wurden bei einem Festakt geehrt. Erstmals gibt es dieses Jahr mit und für Mertens ein Festkonzert, in dessen zweiter Hälfte die Redner zu Wort kommen. Jung resümiert am Samstag: „Klaus Mertens hat sich als einer der prominentesten und gesuchtesten Interpreten barocker Oratorien- und Konzertliteratur einen Namen gemacht. Ganze Generationen haben seine wunderbare Stimme im Ohr, denken Sie an die Partien des Jesus oder einfühlsamste Arien in Bachs Passionen. Er vermag mit seinem wunderbaren Timbre aus Bachs vielschichtiger Musik stets die richtige Botschaft zu vermitteln und hat sich um die Aufführung und Pflege auch und insbesondere der Musik des großen Thomaskantors Johann Sebastian Bach außerordentlich verdient gemacht.“

„Die Stimme Martin Luthers

Peter Wollny, Direktor des Bach-Archivs, akzentuiert, dass die Fachjury sich einstimmig für Klaus Mertens ausgesprochen hat: Aufgrund seiner bemerkenswerten Verdienste um die Musik Bachs, aufgrund der langen und hochklassigen Karriere des 70-jährigen Bassbaritons und aufgrund seiner reflektierten, historisch informierten Interpretationen. Die Begründung der Jury: „Für viele Musikfreunde ist Klaus Mertens die Stimme Martin Luthers. […] Der weltweit gefragte Bass-Bariton hat mit seiner schlanken Stimme und ‚natürlich barocken Rhetorik’ in seinen Dutzenden Einspielungen der kirchenmusikalischen Werke Johann Sebastian Bachs und seiner Zeitgenossen einen verkündigenden Gestus wie kaum ein anderer seines Faches. Daher gilt er als der ideale Vermittler für Bachs Kantaten- und Passionstexte und die zugrundeliegenden Bibelworte in Luthers Übersetzung.“

Bewundernde Worte

Ton Koopman (74), neuer Präsident der Stiftung Bach-Archiv und Bach-Medaillen-Empfänger des Jahres 2006, würdigt in seiner Laudatio eine über 40 Jahre dauernde Künstlerfreundschaft, die beide mit der krankheitsbedingt nicht anwesenden Cembalistin Tini Mathot, Koopmans Frau, auch auf einer gemeinsamen CD feiern: Vom ersten Vorsingen Ende der 70er zum ersten gemeinsamen Konzert mit Bachs Kaffeekantate, immer häufigeren gemeinsamen Auftritten und schließlich der Gesamteinspielung der Kantaten von Bach und Dietrich Buxtehude, in der Mertens als erster Sänger in der Tonträger-Geschichte alle Bach-Partien seiner Stimmlage gesungen hatte. Auch Koopman findet herzliche und bewundernde Worte für den Sänger und begleitet diesen dann zwischen Cembalo und Truhenorgel springend.

Fehlen darf nicht „Amore traditrice“, eine der wenigen Vertonungen Bachs eines Textes in italienischer Sprache. Zu diesem Stück haben Mertens und Koopman eine besondere Beziehung, seit sie es bei einer sich kurzfristig ergebenen Pause spontan und ohne vorherige Verständigungsprobe für CD einspielten. Mit der Arie „Ich habe genug!“ enthält das Festprogramm nur ein einziges bekanntes Stück.

Lockerer Ton

Auch hier zeigen Mertens und Koopman, dass ihnen das Aufspüren vergessener Kompositionen wichtig ist. Mertens setzt ans Ende drei Lieder des Hamburger Bach-Sohns Carl Philipp Emanuel, eine Gruppe aus dem Schemelli-Gesangbuch darf nicht fehlen. Man hört die künstlerische Vertrautheit der beiden Künstler, die in diesen zwei Feierstunden einen fast improvisierenden und lockeren Ton anschlagen, der die große Attitüde und Sentimentalität meidet. Schlankheit, Reaktionsschnelle und ein genaues Gespür für den Gehalt zeigen sie. Ein Trinklied von Georg Philipp Telemann setzt den pikanten Schlusspunkt.

Mertens wehrt sich immer heftig dagegen, wenn man ihn in die Bach-Ecke drängen will. Bei den Merseburger Orgeltagen vom 14. bis zum 22. September wechselt er von der Bach- zur Schumann-Familie und singt Brahms’ „Schöne Magelone“ sowie in Schumanns Oratorien „Der Rose Pilgerfahrt“ und „Das Paradies und die Peri“. Geistliche Konzerte mit Ton Koopman führen ihn im Sommer unter anderem zum Schleswig Holstein Festival, zum Festival Europäischer Kirchenmusk Schwäbisch Gmünd, nach Frankreich und nach Spanien.

Von Roland H. Dippel

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