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Kultur Regional Leipziger DDR-Underground-Heroen im UT Connewitz
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16:59 13.09.2019
Hauptberuflich heute Medienprofessor in Hannover: In den Achtzigern spielte André Friedrich Gitarre bei den DDR-Bands Mad Affaire und Die Zucht. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Gleich bei der ersten Band stellt sich die Frage des Abends: Klang das damals auch so? Oder wenigstens so ähnlich? Nun, dass bei Auftritten der Band HerT.Z. im Leipzig der Mittachtziger Verstärker von Orange und Marshall auf den Bühnen standen, darf ausgeschlossen werden. Außerdem befand sich die Sample-Technik weltweit auf besserem Steinzeit-Niveau. Und der HerT.Z.-Basser des Abends hat damals noch nicht gelebt.

Die Band HerT.Z., die im UT Connewitz das Festival „Heldenstadt anders“ am Donnerstagabend eröffnet hat, galt indes im Underground der Achtziger bereits als Tüftler-Projekt – ein Wiki-Eintrag bescheinigt die „Arbeit mit gesampelten Industriegeräuschen und daraus folgender Orientierung auf elektronischen prä-EBM Sound“. Auf der UT-Bühne kommen Beats aus der Maschine und von den Drums, der junge Basser drischt in die Saiten wie ein Berserker und dazu gurgelt Schräges von Sampler und Fagott. Sänger Toni Zekl ruft Parolen ins Mirko, reminisziert etwa DAF: „Tanz diesen Rhythmus!“. Der dichte Sound hängt die Latte für das dreitägige Festival hoch.

Der Organisator der ausverkauften Sause trägt den Künstlernamen „Schrammel“. Er findet es gut, dass auf der Bühne nicht nur ein Gedenkkonzert läuft, sondern die Bands und Musiker auch ihre Entwicklung in den letzten Jahrzehnten zeigen. Der passionierte Musik-Sammler hat mit seinem Mitstreitern unzählige Tapes und Bänder zusammengetragen und die Dreifach-LP-Box „Heldenstadt anders“ zusammengestellt. 17 der Bands steigen beim gleichnamigen Festival bis heute Nacht auf die Bühne.

Klar für jeden, der die Subversion hören wollte

Eins wird schon am Eröffnungsabend deutlich: Was damals unter Underground lief, war ein bunter Haufen in schwarzen Klamotten. Nach den Industrial-Barden von HerT.Z. wirkt Kulturwille ziemlich ... nun ja, herkömmlich. Die Band rockt sich durch eine Art Düster-NDW. Dazu wirft Sänger Roger Troks die Slogan-Maschine an. „Die Post ist wieder modern“, kalauert er. In einem anderen Song besingt er „Kompromisse“ – kaum zu fassen für die Zensur jener Zeit und doch klar für jeden, der die Subversion hören wollte. Witzig ist das bis heute.

Danach steigt André Friedrich auf die Bühne. Der Tausendsassa hat sich in den Achtzigern und danach durch allerlei legendäre Bands geklampft. Mad Affaire existierte von 1986 bis 1990, Spät-Ost-Underground. Im UT sitzt jedes Riff. Manchmal biegt die Mad-Affaire-Show fast in Richtung Stadion ab. Ausgerechnet bei diesem Punk‘n‘Roll wird ein verbindendes Element der Musik deutlich. Die Sänger des Abends changieren allesamt zwischen Reden und Rufen und verfallen nur manchmal in eine betörende Melodie.

Zucht-Untergangslyrik

Friedrich bleibt für den letzten Act gleich am Instrument, denn der Mann ist auch Gründungsmitglied der Band„Die Zucht“. Der Name fiel 1985 bei der Obrigkeit durch und wich für „Die Art“. Die Band tourt in wechselnder Besetzung bis heute, und wer im Internet die komplette Diskografie lesen will, muss bis zum Südpol scrollen. Im Hintergrund des Zucht-Konzertes laufen Bilder aus der heilen und verfallenden DDR-Welt sowie von Punk-Konzerten jener Zeit. Krass, wie das zur Zucht-Untergangslyrik wirkt. Alle spüren, „wie hinter mir alles zerfällt und vor mir alles zerbricht“ und ganze Städte in „Schutt und Asche“ fallen.

Dank einiger Fotos ist der Vorher-Nachher-Effekt bei Die-Zucht/Art-Sänger Makarios zu studieren. Mann, war der mal jung. Und Mann, hat der bis heute eine Bühnenpräsenz. Der könnte mit drei Maultrommel spielenden Besenstielen auftreten und wäre trotzdem cool. Muss er nicht, die Band rockt auf den Punkt. Die Musiker machen das ja seit Jahrzehnten und klingen nicht zuletzt dank einiger Postpunk-Revival-Wellen ziemlich heutig. Gut so, für authentischen Original-Sound aus dem Probekeller gibt‘s die LP-Box.

Das Festival geht im UT Connewitz am Freitagabend mit The Huck, 0815, Dilletanten feat. Karl-Heinz, Gelee Royal, Der Schwarze Kanal und Pffft sowie am Samstag mit Schmerzgrenze, The Real Deal, Trübkraft Umsonst, Unklar, Zorn, Neurot und Confused Trial weiter. Beide Abende sind ausverkauft.

Von Uwe Schimunek

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