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Kultur Regional Leipziger Festjahr zum 200. Geburtstag Clara Schumanns eröffnet
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18:42 09.01.2019
Gemeinsam für Clara Schumann: Ragna Schirmer am Klavier, dahinter: Volker Bremer von der Leipzig Touristik und Marketing GmbH, Gregor Nowak, der Direktor des Schumann-Hauses, Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke, Hochschul-Rektor Martin Kürschner, Kerstin Wiese, die Chefin des Bach-Museums, Birgit Lindermayr vom Theater der Jungen Welt, Tobias Niederschlag vom Gewandhaus, Werner Schneider von der Notenspur und Franziska Franke von ihrer Agentur Accolade. Quelle: Kempner
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Leipzig,

„Das Fest beginnt“, ruft Franziska Franke-Kern von der Agentur Accolade enthusiasmiert in den für Zeit, Witterung und Anlass bemerkenswert gut gefüllten großen Saal der Hochschule für Musik und Theater. In der Tat ist diese Veranstaltung am gestrigen schmuddeligen Winter-Nachmittag zwar eine Pressekonferenz. Sie ist aber auch feierliche Eröffnung des FestjahresClara 19“, mit dem die Musikstadt und ihre Kultur-Akteure ab sofort den 200. Geburtstag der am 13. September 1819 in Leipzig geborenen Komponistin, Pianistin, Pädagogin (und Ehefrau Robert Schumanns) Clara Schumann, geborene Wieck feiert. Über 170 Veranstaltungen setzen sich auseinander mit Leben, Wirken und Werk dieser Frau, die bis zu ihrem Tod im Jahr 1896 im Zentrum des europäischen Musiklebens stand und von ungeheurem Einfluss war. Da darf man bei der Präsentation ruhig ein bisschen enthusiastisch sein.

Falsches Format

Nun hat das Fest also begonnen – allerdings etwas merkwürdig. Und angesichts des Aufwands, der da seit vielen Monaten bereits betrieben wird, muss die Frage erlaubt sein, ob eine Pressekonferenz mit Musik das richtige Format ist für den offiziellen Startschuss. Zumal es nicht aufgeht. Denn Claras Hauptwerk, ihr Klavierkonzert, das Ragna Schirmer und das Mendelsohn-Kammerorchester mit vielen wunderbaren Details und Stimmungen aber auch mit einigen Fehlstellen vortragen, ist durchkomponiert. Wer also zwischen den Sätzen pausiert, um das Festjahres-Programm zu präsentieren, ruiniert damit ein Werk, dessen Wertschätzung und Liebkosung eigentlich im Zentrum von Clara19 stehen müssten.

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Klavierkonzert kommt noch häufiger

Aber das Fest beginnt ja auch erst – und das Klavierkonzert wird in seinem Rahmen noch häufiger zu hören sein. Mit Ragna Schirmer und dem Mendelssohn-Kammerorchester, die damit in wenigen Tagen auf eine kleine Tour gehen, wieder im Mai, mit Lauma Skride und dem Gewandhausorchester unter Andris Nelsons zu Beginn der Schumann-Festwoche im Umfeld das 200. Geburtstags im September.

Fest der Musik

Das Fest ist vor allem eines der Musik, die Konzertschiene die wichtigste der vier dramaturgischen Säulen. Und an ihr bauten alle mit, die in Leipzig Rang und Namen haben, von den Institutionen bis zur Freien Szene. Vom Gewandhausorchester über das des Mitteldeutschen Rundfunks bis zum Verein Leipziger Romantik, vom Chor bis zum Gewandhausquartett. Tobias Niederschlag, der Leiter des Konzertbüros im Gewandhaus, stellt diesen Teil des Festjahres vor und verspricht nicht nur bis dato unerhörte Töne aus der Feder der Jubilarin, die Zeit ihres Lebens das Gewandhaus als ihr „künstlerisches Wohnzimmer betrachtete und 80 bis 100 Mal hier auftrat“, sondern auch erhellende Kombinationen mit Werken ihres persönlichen wie ästhetischen Umfelds.

Fest des Theaters

Das Fest, das da begann, setzt als zweite inhaltliche Säule aufs Theater. So präsentiert Birgit Lindermayr vom Theater der Jungen Welt auch ihr Projekt „Mädchenmonstermusik“ in der Regie Michaela Dicus. Premiere ist am 4. Mai, und im Zentrum steht die heranwachsende Clara bis zu ihrer Hochzeit mit Robert. Das Leipziger Ballett nähert sich ihr am 16. Mai im Schloss Lützschena, wo sie und Robert schöne Stunden verbrachten, und auch das Leipziger Tanztheater würdigt die Musikerin mit einer eigenen Produktion (Premiere am 13. September).

Fest der Ausstelllungen

Das dritte Standbein des Festjahres sind Ausstellungen. Kerstin Wiese vom Bach-Museum stellt sie vor und steuert mit einem vertieften musealen Blick auf die drei Musikerinnen Anna Magdalena Bach (1701–1760), Fanny Hensel geborene Mendelssohn (1805– 1847) und eben Clara Schumann ab August eine wichtige Schau bei. Flankiert wird diese vom Museum für Druckkunst, das ab 8. März bereits den 300. Geburtstag von Breitkopf & Härtel, dem ältesten Musikverlag der Welt, kurzschließt mit Clara, die bei ihm – wie Robert – ihre Werke veröffentlichte. Das Mendelssohn-Haus setzt sich mit „Clara und Felix“ auseinander. Und im Schumann-Haus in der Inselstraße, wo Robert und Clara Schumann nach ihrer Hochzeit rund vier Jahre lang wohnten, eröffnet im Sommer ein neuer Clara-Museumsschwerpunkt.

Feste im Grünen

Zuletzt wird das Clara-Fest belebt durch Veranstaltungen im Grünen: Konzerte in den Parks der Stadt, Tanz im Wald, Wanderungen, Radtouren, Spaziergänge. Hier verspricht Werner Schneider vom Verein Leipziger Notenspur einen ganz neuen Zugriff auf die Romantik, in deren Herzen Schumanns wirkten, und für die die Natur eine ganz andere und viel größere Rolle spielte als für frühere Generationen.

Fest mit Blumen und Gebäck

Dass das Fest gestern so schön begonnen hat, mit so viel Publikum, das keineswegs nur aus Medienvertretern und Mitwirkenden des Clara-Jahrs besteht, enthusiasmiert auch Leipzigs Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke sicht- und hörbar. Für sie liegt der Grund auf der Hand: „Wir feiern hier eine Persönlichkeit, die die Leute fasziniert. Damals wie heute. Und schon von dem Umstand dass diese Künstlerin, deren Karriere auch nach heutigen Maßstäben bemerkenswert wäre, eine Frau war, geht ein ganz eigener Zauber aus.“ Ein sinnlicher Zauber, den das Clara-Jahr ebenfalls auf sehr unterschiedliche Weise widerzuspiegeln versucht. Mit der Blumensamen-Mischung „Claras Bouquet“ etwa, die Blumenland Engler zwischen Ringelblume und Schwarzkümmel entwickelte und die ab Frühjahr möglichst viele Gärten, Beete und Balkons in Leipzig zieren soll. Mit der Clara-Lerche, die der Bäcker Jürgen Kleinert als „Leipziger Clärchen“ unter die Leute bringt, mit den schönen Aufstellern schließlich, die Claras Konterfei und Programmflyer tragen und in der ganzen Stadt verteilt sind.

Fest für 340 000 Euro

Die künstlerischen Fäden fürs Fest, das jetzt anhob, sie laufen zusammen bei Gregor Nowak, dem Leiter des Schumann-Hauses und Manager des Mendelsohn-Kammerorchesters. Der koordinierte die Angebote der Leuchttürme und aus der freien Szene, die 110 000 der 340 000 Euro erhielt, die die Stadt für Clara19 lockermachte. Und er führte sie zusammen zu einem ganzjährigen Programm, das sich sehen und hören lassen kann.

Fest für Leipzig

Dieses nun eröffnete Fest allerdings richtet sich trotz strahlkräftiger Einzelereignisse im Wesentlichen ans hiesige Publikum. Das mag nicht schön sein für Volker Brehmer der mit seiner Tourismus-Vermarktung naturgemäß über die Grenzen der Stadt, des Landes und des Staates zielen muss, schon „viel online und bei Print ausgelöst“ hat und sich mit der interessanten Feststellung hervortut: „Clara Schumann hat, glaub’ ich, darauf gewartet, dass wir das Jubiläum jetzt angehen“. Aber für die Leipziger ist das kein Schaden. Sie erleben die Kulturstadt 2019 im Zeichen Claras noch ein wenig reicher als sonst ohnehin schon.

clara19.leipzig.de

Von Peter Korfmacher

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