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Kultur Regional Leipziger Maler Gerhard Kurt Müller ist tot
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19:24 16.10.2019
Der Leipziger Künstler Gerhard Kurt Müller ist am Mittwoch gestorben, er wurde 93 Jahre alt. Quelle: André Kempner
Leipzig

Intensive klassische Schönheit gepaart mit strenger Form sind sein Markenzeichen. Neben dem Schwarz seiner Grafiken sind es die Farben Rot, Violettblau, Gelb oder Weiß in den unterschiedlichsten Varianten, die man in seinen Gemälden wiederfindet. Am Mittwoch ist der Leipziger Maler, Holzbildhauer und Zeichner Gerhard Kurt Müller gestorben, reichlich zwei Wochen nach seinem 93. Geburtstag.

Er war der leiseste und zurückhaltendste jener vier, die mit ihrer Kunst zwischen Sinnlichkeit und Plastizität die Leipziger Schule prägten. Mit Pinsel, Stift und Meißel forderte er beharrlich das Erinnern ein. Bei allen Wirrwarr in der Welt gab er zeitlebens nie die stille Hoffnung auf, dass nicht Waffen siegen werden, sondern die menschliche Vernunft.

Unabhängigkeit und Selbstgewissheit

Gerhard Kurt Müllers Entwicklung als Maler ging von Menzels Naturalismus angeregt über impressionistische Momente zur formstrengen, stilisierten, hintergründigen Metapher. Historiengemälde zu Spanien 1936 oder der Pariser Kommune, aber auch „Das Schlauchboot“, „Knabe und Trommler“ oder „Frau mit Kind“ belegen es. Sein Lebensgefühl dokumentieren Stilleben und Landschaften, ehe er zur Holzplastik fand.

Gerhard Kurt Müller im Jahr 2009 in seinem Atelier in der Beuthstraße 57 in Leipzig. Quelle: Andre Kempner

Unabhängigkeit und Selbstgewissheit waren Wesensmerkmale seiner Arbeiten. Er war einer, der zurückhaltend, fern von medialer Präsenz durch sein umfangreiches Werk wirken wollte. Vor Jahren gelang es ihm, dank Ilse Stein als Initiatorin und Helferin, die Gerhard-Kurt-Müller-Stiftung mit Bildern, Skulpturen, Zeichnungen und Druckgraphik zu etablieren. Im Ausstellungsraum in der Berliner Straße, einem sanierten Industriebau, residiert die erste, nach der Wende gegründete Leipziger Künstlerstiftung.

Prägenden Persönlichkeit

In der Stiftung sorgten 2009 seine Zeichnungen „La grande Guerre“ zum Antikriegsroman „Le Feu“ (1916) von Henri Barbusse für große Aufmerksamkeit. Für Peter Schnürpel – in dessen Ausstellung „Mit meinen Freunden“ im Altenburger Lindenau-Museum auch Werke von Müller zu sehen waren – zählen diese Anti-Kriegszeichnungen zum Besten, was die europäische Kunst im zurückliegenden Jahrhundert zu diesem Thema hervorgebracht hat.

Das Erfurter Angermuseum ehrte den gebürtigen Leipziger, der zu den prägenden Persönlichkeiten der Kunstszene seiner Heimatstadt in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zählt, mit einer Ausstellung von Zeichnungen und Skulpturen mit dem Titel „La Grande Guerre“.

Charme und Ideenreichtum

Gerhard Kurt Müller erlebte den Zweiten Weltkrieg mit all seinen Schrecken. Aus französischer Gefangenschaft heimgekehrt, studierte der gelernte Tiefdruckretuscheur an der Hochschule für Grafik und Buchkunst. Elisabeth Voigt und Kurt Maßloff waren seine Lehrer. Während Rektor Maßloff mit seinen Entscheidungen die gestandenen Meister wie Max Schwimmer vergraulte, ergaben sich für den Nachwuchs Bernhard Heisig, Müller, später Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke wunderbare Entwicklungsmöglichkeiten.

Gerhard Kurt Müller, der an der HGB von 1955 bis 1974 lehrte, wurde Leiter der Fachklasse freie Graphik und Illustration. 1961 zum Professor ernannt, verantwortete er als Rektor (1964–66) mit Charme, Ideenreichtum und weitgehend fern von ideologischem Brimborium die Feierlichen zum 200. Geburtstag der Kunsthochschule.

Rückkehr nach Leipzig

Mit der von ihm Ende der 50er Jahre eingeleiteten Wiederbelebung des Holzstichs gehört er zu den prägenden Lehrerpersönlichkeiten in Leipzig. Grafiker und Maler, wie Karl-Georg Hirsch, Walter Libuda, Rolf Münzner und Baldwin Zettl sind ihm für seine Anregungen dankbar.

Müller, der 1968 sein Lehramt aufgegeben hatte und sechs Jahre weiter unterrichtete, zog mit seiner zweiten Frau, der Leipziger Malerin Petra Flemming, nach Friedrichsdorf in die Nähe von Erfurt. Ihr früher Tod 1988, sie wurde 44 Jahre alt, veranlasste ihn, nach Leipzig zurückzukehren.

Die Würde der menschlichen Figur

Schriftsteller, darunter Volker Braun, Adel Karasholi oder Helmut Richter haben sich von seinen Werken inspirieren lassen. Peter Gosse verfasste über seinen Freund Laudationes, schrieb Gedichte. Sein Fazit: „Müllers Schaffen besticht durch das Pathos eines langwierigen und inständigen bildnerischen Bemächtigens, welches, in unnachgiebigen Sich-Befragen, durch das Täglich-Zufällige hindurch den Wesenskern zu ergreifen trachtet und derart ins Statuarische, ins erhaben Reduzierte, ins Monumentale gelangt. Hohes Augenmerk gilt der menschlichen Figur; ihr gewinnt Müller, indem er sie aus dem Zeitgenössischen herauslöst, jene schwierige und mannigfach bedrängte Würde ab, in der sich menschheitliche Repräsentanz staunend erfährt.“

Poetischer lässt es sich kaum sagen. Den Nachgeborenen wird es nun vorbehalten bleiben, sich mit Lust am Entdecken, Lernen und Betrachten der Werke Gerhard Kurt Müllers zu bemächtigen.

Von Rolf Richter

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