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Kultur Regional Leipziger Theaterkollektiv übt Kritik an der Gesellschaft
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17:06 17.09.2019
Von Mindestlohn bis Wohnungsnot stellt der Spinnrat gesellschaftliche Probleme aus dem Alltag überspitzt da und regt zum Denken an. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

„Wirr. Wahr – von Neurosen und anderen Blumen“ will das Theaterkollektiv „Der Spinnrat“ in seinem Stück erzählen. In einer bunten Bühnenaufführung, zusammengesetzt aus vielen kurzen Szenen, beschäftigen sich die Schauspieler mit scheinbar banalen alltäglichen Themen. Die überspitzt dargestellten Alltagssituationen können einzeln betrachtet werden, hängen aber im Großen und Ganzen deutlich zusammen. „Wir machen heute mal ein Stück über alles“, heißt es, und mit jeweils einem Stichwort werden Themen wie Kapitalismuskritik, Gott, Feminismus, Menschheit und Zukunft abgehakt.

Das Stück ist in Eigenregie entstanden. Neben den fünf Darstellern hat auch eine Produktionsassistentin mitgewirkt. Die Idee war bei den befreundeten Schauspielern schon viel früher entstanden. Wirklich damit auseinandergesetzt haben sie sich aber erst kurz vor der Bewerbung bei den Werkstattmachern. Mit den Proben sei es dann erst im Februar wirklich losgegangen.

Christoph Püngel von der Werkstatt fand die eingereichte Bewerbung interessant und das Stück thematisch ausgereift. „Wir haben bei der Werkstatt ein großes Spektrum an Darstellungsformen, das wir möglichst verschieden besetzen wollen. Da das Stück eher in Richtung Sprechtheater geht, hat es gut ins Programm gepasst“, sagt Püngel. Der Werkstatt-Charakter des Kollektivs und des Theaterstücks an sich hätten auch zu der Auswahl beigetragen. „Uns ist wichtig, jungen Teams eine Plattform zu bieten, auf der sie ihre ersten eigenen Ideen verwirklichen können“, sagt Püngel. Dass das auch mal nach hinten losgehen kann und Ideen scheitern, sei nicht unüblich.

Denkschiedsrichter für den Denksport

Bei „Wirr. Wahr“ sollte das nicht der Fall sein. Aus einem Garten voller „Neurosen und anderen Blumen“ haben sich die Darsteller einen bunten Strauß gepflückt und überreichen ihn dem Publikum in einer dynamischen und schnellen Aufführung. Nicht nur die Komik und das Absurde dringen zum Zuschauer durch. Die Schauspieler sprechen das Publikum auch mal direkt an: „Haben Sie eigentlich schon mal gedacht?“ Eine ernstzunehmende Frage. Der darauffolgende Monolog zum Thema Denken wirkt schwindelerregend, es wird mit Wortspielen jongliert, die geschickt ineinander übergreifen und aufeinander aufbauen. Die Pointe: Es soll zum Denken anregen.

Gesellschaftliche Probleme wie Wohnungsnot, Mindestlohn, sexuelle Belästigung und die ständige Konditionierung, irgendwelchen behördlichen Pflichten nachgehen zu müssen, werden alle thematisiert. Die Lösung für die Wohnungsnot findet sich in einem Werbespot für das „Tiny, tiny, tiny house“ – „Das winzig winzige Winzehäuschen“ aus Pappe. Der Umzugskarton soll die ideale Lösung für bezahlbares Wohnen darstellen, und außerdem könne man damit direkt neben der Arbeit wohnen und erspare sich den langen Arbeitsweg.

Es geht um die Bratwurst

Die Frage aller Fragen stellt gen Ende der Vorstellung der Bratwurstjongleur. „Was ist eigentlich rechts?“ Lange regt er sich in typischer Wutbürger-Manier über Flüchtlinge auf und dass er sich auf seinem Bahnhof fremd fühle. Dabei sei er gar nicht rechts gesinnt. Er sei nur „ein normaler Bürger, wie ihr. Uns unterscheidet nicht viel voneinander.“ Er fordert: „Wer die Bratwurst nicht liebt, soll unser Land verlassen.“

Seinen Monolog unterbrechen dann die übrigen Darsteller mit ihrem Auftritt. Sie knöpfen mit einem Lied an seiner Forderung an und wandeln sie von Strophe zu Strophe ab: Mal ist es Fußball, mal Schweinefleisch, die Autobahn, der Vollsuff, Volkswagen, Kohlekraft ... Bis es dann auf einmal heißt: „Wer Helene Fischer nicht liebt, soll das Land verlassen“, und der erste sich von der Gruppe verabschiedet: „Bis Helene und nicht weiter!“

Weitere Aufführungen am Dienstag und Mittwoch, jeweils 20 Uhr, im Lofft, Lindenauer Markt 21, Eintritt 9/6 Euro

Von Elena Boshkovska

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