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Kultur Regional Leipziger Trans*mann-Rapper Sir Mantis: „Wir sind nicht einfach Superfrauen mit Bart“
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08:14 18.05.2019
Früher Jennifer Gegenläufer, heute Trans*mann-Rapper Sir Mantis. Quelle: Thomas Victor
Leipzig

Er ist ein kleiner Mann. „Ein handlicher Mann“, wie Sir Mantis selbst von sich sagt. Die hellen blauen Augen lachen spitzbübisch auf. Der 23-jährige Rapper arbeitet derzeit am ersten Deutschrap-Album eines Trans*mannes. Er ist in Niedersachsen lange Zeit im Heim aufgewachsen und hat inzwischen den Leipziger Osten zu seinem Zuhause erklärt. Außerdem bezeichnet er sich als „Aktivisten, Gender-Terroristen und einen der wenigen ernstzunehmenden Satiriker dieses Landes“. Seinen Künstlernamen wählte er mit Bedacht: „Mantis ist die lateinische Bezeichnung für Gottesanbeterin. Einer patriarchalen Mythe nach tötet sie einfach ihre Männchen. Eigentlich tut sie das aber nur, wenn sie ihr wehtun. Das wird jedoch gerne mal verschwiegen.“

Seinen bürgerlichen Namen verschweigt der Blondschopf lieber. Nicht jeder kommt mit seiner Entwicklung klar, weshalb Sir Mantis auch oft angefeindet wird. Mit seiner dunkelblauen Bomberjacke und den ausladenden Bewegungen wirkt der Rapper härter, als er ist. „Während der prägenden Zeit meines Lebens wurde ich als weiblich sozialisiert. Das lässt sich nicht von heute auf morgen ablegen. Auch wenn ich ein Mann bin, bin ich nicht automatisch ein Cis-Mann“, sagt er. „Cis-“ sind in der Genderforschung die Menschen, deren Geschlechtsidentität dem Geschlecht entspricht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.

Battle-Rap als Ventil

Wenn Sir Mantis spricht, wirkt er aufgeregt, dennoch weiß er, dass jedes seiner Worte Gewicht hat. „In meiner vorherigen Musik habe ich mich hauptsächlich mit meiner persönlichen Erfahrung von Sexismus gegen die Rolle als Frau in der Gesellschaft auseinandergesetzt.“ Mit seinen neuen Liedern schließt er daran an. „Jennifer Gegenläufer“ war sein damaliger Künstlername. Nun ist es nur noch der Name seines Albums. „Ich habe die Entwicklung öffentlich durchmachen müssen. Das ist nicht immer leicht, aber ich fühle mich definitiv wohler als vorher.“ Battle-Rap ist sein Ventil, mit dem Sir Mantis seine Emotionen und Erfahrungen verarbeitet. „Immer wieder werde ich in eine Position gedrängt, in der ich zwangsläufig die Gesellschaft aufzuklären habe. Das kann zu Teilen sehr schwer und unangenehm sein.“

Eigentlich möchte er mit seiner Musik in den deutschen Mainstream-Rap. „Ich will Trans*personen empowern. Es geht um Repräsentation und ums Fragenstellen. Ich will in diese Richtung sensibilisieren“, sagt er und klingt dabei fast dringlich. Seit der Namensänderung hat der Rapper auch in der eigenen Szene viel Gegenwind erhalten, mit dem er eigentlich nicht gerechnet hätte: „Trans*männer sind ein blinder Fleck im Feminismus. Früher wurde ich vor allem zu Veranstaltungen gegen Sexismus immer gerne eingeladen und gebucht.“ Das habe sich abrupt geändert. Diese Unsolidarität im Feminismus ist neu für den Rapper. „Trans*männer sind nicht die Gegner“, sagt er. „Wir sind aber noch weniger einfach Superfrauen mit Bart.“

„Rap sollte Respekt zeigen“

Für seine Lieder baut er die Beats selber und schreibt die Texte, wie sie ihm gerade einfallen. „Ich bin auf keine Popakademie gegangen“, er muss schmunzeln. Alles, was er kann, hat er sich selbst beigebracht. „Seitdem ich 13 bin, hör und mach ich Hip-Hop. Auch vom Geschmack und Stil her habe ich aber eine deutliche Entwicklung hingelegt.“ Früher feierte er vor allem Gangsterrapper wie die Jungs von Aggro-Berlin; heute sind genau deren Texte ihm rückblickend deutlich zu homophob oder sexistisch. „Rap muss nicht immer politisch korrekt sein, er sollte aber trotzdem Respekt zeigen“, ist seine Devise.

Mit 18 hat er damals Rapperin Sookee bei einem Workshop kennengelernt. „Ihre Art, Hip-Hop zu machen, war ganz neu für mich. Sie fährt plötzlich so gar nicht diese Egoschiene, sondern zeigt das Rap auch solidarisch sein kann.“ Mit den ersten politischen Texten vor toleranterem Publikum fühlte sich Sir Mantis erstmals zu Hause. „Live aufzutreten, auf der Bühne rumzuspringen und die Leute die eigenen Texte mitsingen zu hören, das ist immer noch der größte Spaß.“ Auf ihrer Tour, konnte Sir Mantis Sookee musikalisch bereits unterstützen. In seinem neuesten Musikvideo ist auch sie Teil seiner Gang.

Zu seinem aktuellen Song „Sorry Not Sorry“ singt er mit seiner Crew „Wir sind queer, und uns gehören die Straßen. Du kannst uns nichts anhaben, auch wenn wir nichts anhaben.“ Sie springen im Video mit Regenbogen-Sturmhauben und pinkfarbenen Baseballschlägern in einer Baracke umher, während Sir Mantis aus seiner Tasse mit der Aufschrift „I love my Penis“ trinkt. Für den Rapper ist Hip-Hop eine Form von Befreiungskampf und seine Lieder vor allem ein Mittel, das Patriarchat zu stürzen. Wahrscheinlich wäre es genau das, was seine Hater nicht wollen. Jedoch sind sie es, die dem Künstler das Futter für seine Musik zur Verfügung stellen.

Sir Mantis tritt am Samstag ab 20.30 Uhr beim Festival „Rap For Refugees“ in Halle D des Werks 2, Kochstraße 132, auf, Vorverkauf 17,50 Euro. Außerdem dabei: Kobito, Dissy, Haszcara, Finna, Lia Sahin, Rapfugees, Hoax & Haze, Eljot Quent, MCNZI, Deinemafa & Hartmann, Woka Sura Yako.

Von Lotta-Clara Löwener

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