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Kultur Regional Leonardo, Licht und Fahrstuhlkunst: Drei neue Ausstellungen im Bildermuseum
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18:58 11.07.2019
Kunst im Aufzug: Mazen Khaddajs „Seilakt 1 – The Laundry Room“ im Museum der bildenden Künste. Quelle: André Kempner
Leipzig

Im Museum der bildenden Künste den Fahrstuhl zu benutzen, hat etwas Meditatives an sich, sofern man nicht zu einem wichtigen Termin will. Das ist gelebte Entschleunigung. Die sanfte Erhebung der Nutzer in andere Sphären kann man also als einen Akt der Erhabenheit verstehen. Das ebenso geräumige wie langsame Gefährt dient nun für zwei Jahre als temporärer, fahrender Ausstellungsraum. Für dieses „Seilakt“ benannte Projekt hat Angelika Waniek, Professorin für Medienkunst an der HGB, sechs Studentinnen und Studenten der Hochschule ausgesucht. Den Auftakt macht der aus dem Libanon stammende Mazen Khaddaj.

Suche nach spiritueller Identität – im Aufzug

Sein „Laundry Room“, also eine Wäscherei, besteht aus mehreren Videobildschirmen sowie von der Decke hängenden Stoffstreifen. Diese sind mit schwarzer Farbe bemalt, bekleckert, besudelt. In den Videos sieht man den Produktionsprozess dieser Fahnen. Khaddaj ist eigentlich Performance-Künstler, tritt aber nie vor Publikum auf, immer nur vor der Kamera.

Er erklärt, dass es für ihn eine Suche nach spiritueller Identität ist. Der Raum „dient als Gefäß meiner Erinnerungen und Muster von Anbeginn meines Seins bis in die Unendlichkeit“. Manches bleibt bestehen, anderes wird weggespült. So passt der Begriff der Katharsis ganz gut zu diesem Laundry Room.

Wie Leonardo da Vinci in Leipzig nachwirkte

Kommt man dann im zweiten Obergeschoss an, wartet die zweite neue Sonderausstellung. „Leonardo war nie in Leipzig“ ist nun keine wissenschaftliche Erkenntnis, die hier als Sensation verkauft wird. Wirkung hat das toskanische Genie aber auch hier hinterlassen, wenn schon nicht zu Lebzeiten, dann Jahrhunderte später. Studentinnen und Studenten der Kunstgeschichte haben dies unter Regie von Frank Zöllner, Leiter dieses Fachbereichs an der Uni, ausgegraben und aufbereitet. Anlass ist der 500. Todestag Leonardo da Vincis. Lesen Sie hier ein Interview mir Frank Zöllner zu der Ausstellung.

Zu den Spuren gehören Faksimiles von Zeichnungen Leonardos, die im späten 19. Jahrhundert in einem aufwändigen Reproduktionsverfahren entstanden. Sie stammen aus der Sammlung Speck von Sternburg, welche eine der Grundsäulen des Museums darstellt. Hinzu kommen Interpretationen bekannter Werke des Künstlers aus verschiedenen Epochen, von pathetischen Stichen des 19. Jahrhunderts bis zu einer lakonischen Dekonstruktion des Leipzigers Jochen Plogsties, der für seine Appropriation Art bekannt ist. Hinzu kommen in einem Nebenraum Untersuchungen zum Fortleben der wissenschaftlichen Arbeiten des Künstlers, hauptsächlich aus Beständen der Universitätsbibliothek.

Zwei besonders wertvolle Gemälde

Am wertvollsten sind zweifellos zwei Gemälde, die zeitgleich mit dem Wirken Leonardos entstanden: Andrea Solarios „Ecce Homo“, gemalt um 1507–1509, sowie eine Madonnendarstellung aus dem späten 15. Jahrhundert von Francesco Botticini. Auch diese Werke gehören zur Sternburg-Sammlung.

Im Mittelpunkt der Kabinettausstellung steht aber eine Kopie des berühmten Abendmahls, die eigentlich in der Lutherkirche am Johannapark hängt und 1889 von James Marshall geschaffen wurde. Für die Schau wurde sie extra konservatorisch aufgefrischt. Man könne hier viel mehr von der legendären Bibelszene sehen als beim stark geschädigten Mailänder Original, schwärmt Frank Zöllner. Stimmt, aber die Aura ist dann doch eine etwas andere.

Begibt man sich dann wieder aus den ehrwürdigen Höhen ins Untergeschoss, ob nun mit oder ohne Waschsalon, kommt man im aktuellen Arbeitsraum von Victoria Coeln an. Schon seit Anfang Mai ist die Wienerin hier aktiv, da sie nach den Querelen der letzten Jahre ausgewählt wurde, das Lichtfest zum Jahrestag der Friedlichen Revolution zu gestalten.

Sie bringt den Begriff der Aufklärung ins Spiel. Zum Anlass mag der „Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit“ gut passen, doch was hat er mit Lichtspielen zu tun? Der englische Terminus Enlightenment hilft da weiter.

Work in progress: Victoria Coelns Arbeit für das Lichfest

Coeln kann etliche Referenzen für solche Illuminationen vorweisen, Beispiele sind hier zu sehen. Es gehe ihr aber nicht darum, die Fassaden von Objekten rund um den Leipziger Ring als Projektionsfläche zu nutzen wie das vor fünf Jahren geschah. Vielmehr will sie Räume schaffen – ihrer Meinung nach ein Grundprinzip jeder Revolution. Darum beginnt das Projekt auch schon in Stufen ab Anfang September, beginnend mit der Nikolaikirche, um dann zum 9. Oktober fertig zu sein. Auf dem Weg dahin kann man ihr jetzt schon zuschauen und sie ansprechen. Transparenz gehört also diesmal auch zur Vorbereitung auf die Feierlichkeiten.

Seilakt I: Mazen Khaddaj, The Laundry Room, bis 3. November; Leonardo war nie in Leipzig, bis 15. September; Victoria Coeln, Chromotopia, bis 25. August im Museum der bildenden Künste Leipzig (Katharinenstraße 10), Di und Do–So 10-18 Uhr, Mi 12–20 Uhr

Von Jens Kassner

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