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Kultur Regional Les Ballets Trockadero de Monte Carlo sind für 7 Vorstellungen in er Oper Leipzig
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12:19 01.07.2019
Ein Schwan ist anders: Les Ballets Trockadero de Monte Carlo. Quelle: bb
Leipzig

Les Ballets Trockadero de Monte Carlo sind wieder in der Stadt: Bis einschließlich Sonntag (7. Juli) tanzt das ziemlich einzigartige Männerballett, bei dem Parodie und Können eine bemerkenswert unterhaltsame Symbiose eingehen, in der Oper.

Höchstes Können und schrägen Witz bringen Les Ballets Trockadero de Monte Carlo mit spielender Leichtigkeit unter einen Hut.

Was zeigen die Trocks?

Auf dem Programm stehen Klassiker des Ballett-Repertoires: Marius Petipas „Raymonda’s Wedding“ beispielsweise zur Musik Alexander Glasunows oder Lew Iwanowitsch Iwanows kanonischer „Schwanensee“ zu den herrlichen Klängen Peter Tschaikowskis. Dazu gibt es den unsterblichen Sterbenden Schwan zu Saint-Saëns’ zu Herzen gehender Cello-Kantilene aus dem „Karneval der Tiere“ und die brüllend komische Avantgarde-Persiflage „Patterns in Space“ nach Merce Cunningham.

Bekomme ich noch Karten?

Ja. Weil die Trocks für gleich sieben Vorstellungen anrücken, ist das Kontingent noch nicht ausgeschöpft. Für alle Termine (Dienstag bis Samstag jeweils 20 Uhr, Samstag zusätzlich 14.40 Uhr, Sonntag nur 14.40 Uhr). Die Tickets kosten zwischen 32,90 und 81,90 Euro und sind zu bekommen u.a. in der Ticketgalerie Leipzig (LVZ-Foyer, Peterssteinweg 19; Barthels Hof, Hainstr. 1), unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800 2181050, auf www.ticketgalerie.de oder an der Opernkasse.

Wo liegen die Wurzeln der Ballets Trockadero de Monte Carlo?

Die Wurzeln liegen in dunkler Vorzeit: Anfang der 1970er war es, in New York, bei einer dieser zahllosen Hinterzimmer-Performances, die damals jeder machte, besuchte oder wenigstens verklärte, der zum kreativen inner circle gehörte. Fluxus war nah, Irrsinn nicht fern, heiliger Ernst traf auf Drogen, Erleuchtung auf Vernebelung – und dann stellte sich da einer in die Mitte des verrauchten Raums ohne Bühne und begann zu tanzen. Doch nicht wie die verstrahlten Performer zuvor und hernach, sondern mit allem Pipapo, mit klassischer Musik, Tutu und mit Spitze. Der erstaunliche Auftritt machte schnell die Runde, fand erst Fans, dann Nachahmer – und gebar eine Idee: Die Trocks, Les Ballets Trockadero de Monte Carlo, gegründet im Jahre des Herrn 1974. Und im Juli sind 15 tourende Herren, die 30 tanzende Damen und Herren verkörpern, wieder zu Gast in der Oper Leipzig.

Was hat es mit dem Namen auf sich?

Mit dem steuervergünstigten Fürstentum am Mittelmeer haben sie außer dem sperrig-wohlklingenden Namen nichts zu schaffen, auch nicht mit dem Pariser Weltausstellungs-Palast, der sich ohnehin ein wenig anders schreibt: Trocadéro. „Aber der Name klingt einfach witzig, nach guter Laune und nach schönem Wetter, nach Spaß und nach Nostalgie“, sagt Tory Dobrin. 1954 wurde er in Los Angeles geboren, mit 15 begann er seine tänzerische Ausbildung, 1980 stieß er als Tänzer zu den Trocks, mittlerweile ist er ihr Künstlerischer Direktor.

Was ist seit den Anfängen anders geworden?

Seither hat sich viel verändert. Dobrin: „Mit unseren mittlerweile rund 4000 Auftritten rund um den Globus haben wir ein Bewusstsein für die Belange von Homosexuellen bei den Zuschauern geweckt. Ich bin stolz darauf, dass wir dazu beigetragen haben, dass sich die Gesellschaft zunehmend öffnet. Früher waren wir Kult oder Untergrund, je nach Standpunkt. Auf jeden Fall wurdest Du davor gewarnt, bei den Ballets Trockadero de Monte Carlo mitzutanzen, weil das deine Karriere ruinieren konnte. Heute stehen die Besten bei uns Schlange, weil es sich herumgesprochen hat, dass wir die Besten haben. Früher besuchte vor allem die Schwulen-Gemeinde unsere Shows, und Jugendliche wurden enterbt, bekamen die Eltern mit, dass sie sich bei uns herumtrieben. Heute kommen ganze Familien und amüsieren sich köstlich. Früher haben wir auch schon verdammt gut getanzt – aber die Jungs von heute sind einfach fantastisch.“

Wie tanzen die Trocks?

Dem ist nicht zu widersprechen. Das technische Niveau der Trocks ist schlichtweg atemberaubend. Das war beim ersten Leipzig-Gastspiel 2014 bereits so, das ist im neuen Programm wieder so, das die Company gerade im nordostitalienischen Triest dem staunenden Publikum präsentierte. Dieses technische Niveau ist die Grundvoraussetzung dafür, dass dieses Männerballett seine Wirkung entfalten kann. Denn die sehr spezielle Komik erwächst vor allem daraus, dass die Grenzen verschwimmen: Natürlich weiß ein jeder in jedem Moment, dass da ausschließlich Männer über die Bühne wehen. Und obschon die Maske alles, wirklich alles gibt, machen manche gar keinen Hehl aus ihrer recht maskulinen Erscheinung. Wie auch? Wer Spitzenschuhe in Größe 47 trägt und einen Tutu in XXL, hat eben eine andere Bühnenpräsenz als eine durchscheinenden Bolschoi-Ballerina. Doch die Anmut, mit der auch die Kleiderschränke unter den maskulinen Elfen sich bewegen, bringt die Wahrnehmung ein ums andre Mal ins Trudeln.

Für wen tanzen die Trocks?

Tatsächlich zielen die Trocks nicht nur auf Komik, sondern auch auf Ballett-Liebhaber vom alten Schrot und Korn. Dobrin: „Wo kriegen Sie das denn heutzutage sonst noch zu sehen? Die originalen Choreographien aus der Goldenen Zeit?“ Natürlich sind die Choreographien nicht eins zu eins original. Sie sind nach den Vorbildern modelliert. Doch die urkomischen Haken und Ösen, die die Trocks in die klassische Oberfläche einarbeiten, können nur greifen, weil diese Herren ihr Metier verstehen. Drum rührt das Geschehen am und auf dem Schwanenteich zwischen den Lach- auch immer wieder zu echten Tränen der Rührung. Dobrin: „So erreichen wir alle. Die ballettbegeisterte Ehefrau kann ihren Mann mitbringen, der sonst gar nichts mit Tanz anfangen kann, und selbst die Kinder und die Großeltern amüsieren sich prächtig.“ Vom Tanz-Connaisseur bis zum engen Freund des groben Unfugs kommt da jeder zu seinem Recht. Wer Tanz liebt, sollte das gesehen haben. Und wer nichts anzufangen weiß damit, der muss.

Les Ballets Trockadero de Monte Carlo in der Oper Leipzig: 2. bis 7. Juli, Karten gibt es u.a. in der Ticketgalerie Leipzig (LVZ-Foyer, Peterssteinweg 19; Barthels Hof, Hainstr. 1), unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800 2181050, www.ticketgalerie.de

Von Peter Korfmacher

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