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Kultur Regional Letzte Saison von Intendant Jürgen Zielinski bringt acht Neuproduktionen
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17:43 18.06.2019
TdJW-Intendant Jürgen Zielinski (Mitte) erklärt mit dem Theaterteam das Spielzeitmotto „Zusammen.Finden“. Quelle: André Kempner
Leipzig

Das Spielzeitheft ist rechtzeitig aus dem Druck gekommen zum Pressetermin, der die kommende Spielzeit am Theater der Jungen Welt vorstellt. Die letzte Saison von Langzeit-Intendant Jürgen Zielinski. Und wer das Heft aufschlägt, der findet in der Mitte ein Interview mit ihm und Fragen wie: Kann Theater die Welt verändern? „Es kann ein kleines Mosaiksteinchen sein, das andere ergänzt und ein bisschen Hoffnung – zumindest im Moment – auslöst“, antwortet er.

Dafür, dass es nur ein Mosaiksteinchen sein soll, arbeitet der Theatermacher seit Jahren ziemlich verbissen daran, seit 2002 am TdJW. Es geht ihm nie nur um Kunst, immer auch um Persönlichkeitsbildung von Heranwachsenden und gesellschaftliche Impulse, die er mit dem Kinder- und Jugendtheater setzen will. Und um diese Gesellschaft kann man sich derzeit durchaus Sorgen machen. „Teile der Gesellschaft driften auseinander“, sagt Zielinski. Bewusst setzt das Haus in der Spielzeit 2019/20 das Motto „Zusammen.Finden“ dagegen. „Über das Familientheater erreichen wir den Querschnitt der Bevölkerung wie kein anderes Theater in Leipzig“, sagt Zielinski.

Der Fokus der acht Neuproduktionen liegt auf generationsübergreifenden Stoffen. Ein Sommertheater im Stadtraum, auf das in diesem Jahr verzichtet wird, soll es Ende der Saison wieder geben. Die Theaterpädagogik – Zielinski bezeichnet sie als „Ergänzung zum Lernort Schule“ – bastelt gewohnt erfinderisch an neuen Formaten und lädt zu Spielzeitbeginn am 11. September zur Konferenz „Wi(e)dersprechen“, um Jugendlichen eine Plattform zu geben, ihre Sicht auf aktuelle Probleme zu diskutieren. Auch ein neues Debattenformat fügt sich ins Spielzeitmotto: In „Die unmögliche Begegnung“ suchen Gäste mit unterschiedlichen Lebensentwürfen, etwa ein Hausbesetzer und eine Immobilienmaklerin, nach Verbindungslinien.

Die erste Premiere findet am 14. September statt. Ensemblemitglied Philipp Oehme, der vergangene Spielzeit mit „norway.today“ sein Regie-Debüt gegeben hat, inszeniert „Robinson & Crusoe“. Ein Stück der Italiener Nino D’Introna und Giacomo Ravicchio lässt auf der Basis des Crusoe-Stoffes zwei Vertreter einander fremder Kulturen aufeinandertreffen, die den Weg von Feindschaft zu Freundschaft finden müssen. Das Stück von 1985 ist mittlerweile ein Klassiker am Jugendtheater und landet nicht ganz zufällig in Zielinskis letzter Saison nochmals auf dem Spielplan. Er hat es in den 80er Jahren in seiner Zeit in Tübingen für den deutschsprachigen Raum entdeckt und später selbst inszeniert.

Mit der Leitung des Sommertheaters und drei großen Produktionen, darunter das Weihnachtsstück „Bergkristall“ und der Krimi „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ nach dem Film von Fritz Lang, inszeniert Zielinski auffällig viel selber. Die langfristigen Planungen für kommende Spielzeiten fallen weg, das schafft Freiräume. Gedanken darüber, wie es am TdJW weitergeht, wenn die derzeitige Dramaturgin Winnie Karnofka das Ruder übernommen hat, macht er sich dennoch. Er fordert eine deutliche Etat-Erhöhung für das Haus um rund eine Millionen auf etwa fünf Millionen Euro. Geld, das in sechs neue Stellen investiert werden soll, die am überlasteten Theater dringend nötig seien. Außerdem müssten nicht mehr zu kompensierende Kostensteigerungen aufgefangen werden.

Die laufende Saison steht vor einem erfolgreichen Abschluss mit derzeit rund 56 000 Besuchern, minimal mehr als in der Vorsaison. Die Auslastung liegt bei rund 90 Prozent. Mehrere Produktionen wurden zu Festivals eingeladen.

Zielinski zeigt in der kommenden Saison am 28. September „Die Geiselnahme“ von Barrie Keeffe, der in seinen sozialkritischen Stücken immer wieder eigene Kindheitserfahrungen am Rande der Wohlstandsgesellschaft in London reflektiert. Es geht um Chancengleichheit, die Bedeutung der sozialen Herkunft im Bildungswesen und den Leistungsdruck an Schulen.

Ebenfalls aktuell bleibt Fritz Langs Krimi „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“. Dramaturgin Winie Karnofka hat den Filmstoff von 1931, der die Stimmung in Deutschland vor der Machtergreifung der Nazis spiegelt, für die Bühne bearbeitet. Deutlich wird, wie schnell Fakenews und Selbstjustiz eine Gesellschaft ins Wanken bringen können. Entstehen soll ein Abend mit dem kompletten Ensemble in zwei Theatersälen.

Im Weihnachtsstück „Bergkristall“ (16. November) nach Adalbert Stifter wird ein Geschwisterpaar kritisch beäugt, weil die Mutter von der anderen Seite des Berges kommt. Ein Schneesturm könnte die Dorfgemeinschaft zusammenbringen. Der niederländische Autor Theo Fransz hat den Stoff für das TdJW für die Bühne bearbeitet. Sein eigenes Theaterstück „Liebe Grüße oder Wohin das Leben fällt“ feiert am 11. Januar deutsche Erstaufführung am TdJW. Es geht um brüchige Verbindungen zwischen den Generationen.

Die Stückentwicklung „psst!“ für Kinder ab fünf Jahren dreht sich um Geheimnisse. Und neben Oehme führt mit Julia Sontag ein zweites Ensemblemitglied erneut Regie. Sie inszeniert Toon Tellegens Kinderbuch „Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen“ für Puppen- und Schauspieler.

Das Sommertheater (6./7. Juni) schließlich bespielt sieben Brücken in Plagwitz und Lindenau. Der Verlag für jüdische Kultur Hentrich & Hentrich kooperiert und legt die Spuren zum jüdischen Erbe im ehemaligen Industrie-Quartier. Gefördert wird das Open-Air-Projekt von der Stadt Leipzig als Teil des Programms zum „Jahr der Industriekultur 2020“.

Von Dimo Rieß

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