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Kultur Regional Lichtblicke und Luftblicke in Thomas Böhmes „Puppenkino“
Nachrichten Kultur Kultur Regional Lichtblicke und Luftblicke in Thomas Böhmes „Puppenkino“
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13:13 17.04.2019
Schriftsteller Thomas Böhme. Quelle: André Kempner
Leipzig

In diesem Buch kommt zusammen, wofür Peter Hinkes Connewitzer Verlagsbuchhandlung den Sächsischen Verlagspreis erhält (hier geht’s zum Interview mit dem Verleger). Erschienen ist es in der Edition Wörtersee, gestaltet vom Grafiker André Göhlich aus Leipzig, der seit Jahren vielen literarischen Projekten des Verlags ein Gesicht gibt und dafür im Wettbewerb „Die schönsten deutschen Bücher“ der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet wurde.

Autor Thomas Böhme, 1955 in Leipzig geboren, hat bei Hinke schon 1992 den Gedichtband „Ballett der Vergesslichkeit“ veröffentlicht, 2011 die Neuauflage „Mit der Sanduhr am Gürtel“ und vor sieben Jahren „101 Asservate: Alter Worte Welt“. Im März ist „Puppenkino“ erschienen – mit Kalendergeschichten für 365 und einen Tag“.

Thomas Böhme: Puppenkino. Kalendergeschichten für 365 und einen Tag. Edition Wörtersee in der Connewitzer Verlagsbuchhandlung; 180 Seiten, 15 Euro Quelle: Connewitzer Verlagsbuchhandlung

Für einen Meister der kurzen Form, wie der Lyriker, Essayist und Romanautor Böhme einer ist, bietet der Geschichtenkalender den idealen Rahmen. Jeder Monat bekommt eine so knappe wie aussagekräftige Kapitelüberschrift. Der August zum Beispiel ist: „Ein Monat, in dessen Träumen nicht nur die Biene Maja erwürgt wird.“

Jedem Tag gilt ein Text von 10 bis 15 Zeilen: abgeschlossene Mikroromane, Geschichten, Begebenheiten und Assoziationen. Studien, die mal nach Fiebertraum klingen, mal nach Selbstbefragung. Die aphoristisch zugespitzt sind, jedoch nicht auf eine Pointe hin, denn der Weg macht den Tag. Im Juni findet sich das Kurzporträt eines freien Tages, an dem der Reiz des Nichtstuns mit der Ziellosigkeit des Nichtsvorhabens zu nichts führt außer dem Glauben an die Möglichkeit besserer Tage.

Wie in „101 Asservate: Alter Worte Welt“ setzt Böhme Heutiges ins Verhältnis zu Klassischem, lässt Moden auf Sprache treffen. Das kann eine Spielerei mit Sprichwörtern sein oder ein Spiel mit Charakteren oder ein Tänzchen mit dem Unheil. Dann verdunkeln sich Lichtblicke und Luftblicke zu Schauergeschichten.

Windsbraut in bunten Unterröcken

Thomas Böhmes literarisches Jahr ist ein Schaltjahr, der Bonustag jedoch einer, den man nicht geschenkt haben will. Als Voyeur aber schaut man gern hin. Auch, wenn zwischen Wolkenbäuchen kein Himmel auftaucht, sondern ein „blauer Animierfetzen“. Wenn in einer Seniorenresidenz für Bäume „die Hundertjährigen in stoischer Erhabenheit“ herrschen. Wenn sich „mal wieder ein ferngelenkter Drachen in ihrem Schopfe verfangen hat, denken sie, die Windsbraut trägt noch immer viel zu bunte Unterröcke“.

Das titelgebende „Puppenkino“ fällt auf den 25. April. Auf der Leinwand reißen Kinder einander Arme und Köpfe ab. Die Puppen sitzen im Saal und schauen zu. „In Filmen für Puppen dürfen die Kinder alles, außer sich lieben. Doch die Puppen wissen darüber mehr, als man ihnen zutraut.“ Die Texte für jeden Tag sind auch Geschichten aus 365 und einer Nacht. Weise und schön.

Thomas Böhme: Puppenkino. Kalendergeschichten für 365 und einen Tag. Edition Wörtersee in der Connewitzer Verlagsbuchhandlung; 180 Seiten, 15 Euro

Von Janina Fleischer

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