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Kultur Regional Lofft-Premiere mit Gänsehautpotenzial
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13:32 25.06.2019
Lofft-Werkstatt: "Nackellackfetzen" von Nuria Glasauer Quelle: Thomas Puschmann
Leipzig

Abendkleider an Bügeln, streifenförmige Folie, rosa flatternde Vorhänge hängen versetzt an parallelen Leinen auf die Bühne herab, bringen Farbe in den dunklen Lofft-Saal. Die Werkstattmacher-Produktion „Nagellackfetzen – ein Drama der Feminität“, unterstützt von den Werkstattmacherinnen Athalja Hass und Marie Krings, hat am Montagabend Premiere gefeiert. Nuria Glasauer kümmerte sich um Regie und Text. Auf der Bühne zu sehen sind Lea Fandrey, Jule Grebe und Titus Offhaus.

Fandrey sitzt auf dem Boden und wickelt in meditativen Bewegungen einzelne Tomaten in Alufolie, wird immer schneller, immer hektischer, bis das Licht auf einmal erstirbt, wieder erstrahlt und Stille über der Bühne liegt. Eine Stille, die Publikum und Schauspieler aushalten müssen bis: „Unsere Großmütter haben gekocht und geschwiegen.“

Schockmoment im Publikum

Offhaus und Fandrey sprechen abwechselnd, dann wieder versetzt wie im Kanon, oder gleichzeitig – immer zusammen den gleichen Text, erzählen eine Geschichte der Großmütter, Mütter, Frauen, wie sie sich in politisch aufgeheizten Zeiten zu verhalten hatten. Jule Grebe tanzt dazu in Contemporary-angelehnten Bewegungen die eigens entworfene Choreografie, wird in ihren Bewegungen immer schneller, intensiver, wilder, bis sie mit hartem Blick vor der Folie zum Stehen kommt und dem Publikum ins Gesicht spuckt – symbolisch gesehen, denn die Folie fängt die Flüssigkeit ab. Aber dieses Bild ist stark, brennt sich mit einem kurzen Schockmoment ein, ohne dass Zeit wäre, die Symbolik zu verarbeiten, so schnell geht es im Stück weiter.

Die drei Darsteller spielen im Text mit Altbekanntem. Mit Kinderreimen, denen sie mit süßer Stimme und „Hopsasa“-Rufen Gänsehautpotenzial verpassen, weil die stereotypen Frauenbilder so tief in kindheitsgeprägten Denkstrukturen verankert sind – ob man will oder nicht.

Situationskomik und Nachdenklichkeit

Was ist Feminität? Wer darf feminin sein? Und kann man überhaupt eine gute Feministin sein, wenn man Eyeliner benutzt? Der Text von Nuria Glasauer führt den scheinbar überzogen strengen feministischen Diskurs vor, ohne ihm die wichtige Botschaft abzusprechen. Das bringt Situationskomik, aber leichte Nachdenklichkeit begleitet das Auflachen. Gleichzeitig prangert sie das in der Popkultur besungene, erschaffene Frauenbild an: „Deine Freundin, die kann Blasen – an den Füßen nicht ertragen.“

Je weiter das Stück fortschreitet, desto mehr Ehrlichkeit lassen Offhaus, Grebe und Fandrey zu, desto mehr scheinen sich Bühnenfigur und Privatperson zu durchmischen, wenn sie mit Nagellackfläschchen bewaffnet das Publikum verschönern, von (eigenen?) Erfahrungen mit Nagellack oder Blicken in der Bahn berichten. Bei ihren „Kennt ihr das ...?“-Fragen ist das Publikum nur noch nicht mutig genug, in Diskussion mit der Bühne zu treten, der Impuls ist aber sicher da.

Theatertext oder Ehrlichkeit?

Antworten geben sie nicht. Sie werfen Fragen, Thesen und Gegenthesen in den Raumen, spielen mit weiblich konnotierten Kleidungsstücken und der unterschwelligen Frage nach der eigenen Definition individueller Schönheit. „Rock und bauchfrei – das geht echt nur on stage“, erklärt Jule Grebe mit einem halben Lachen, während Titus Offhaus ganz natürlich im perfekt sitzenden Abendkleid daneben steht. Theatertext oder Ehrlichkeit? Die Grenzen scheinen fließend. Und genau das könnte Denkprozesse anstoßen, eigenes ästhetisches oder oktroyiertes Handeln zu hinterfragen. Für wen schminke ich mich? Und sollte nicht jeder das machen, worauf er Lust hat?

Nagellackfetzen“: wieder Dienstag und Mittwoch, 20 Uhr, Lofft, Spinnereistraße 7., Eintritt 9/6 Euro

Von Katharina Stork

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