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Kultur Regional Lovely: George Ezra in Leipzig
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17:31 06.05.2019
Auch optisch eine Freude: George Ezras Konzert in der Arena Leipzig. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Ja, große Konzerte in großen Hallen werden von Unternehmen gesponsort und präsentiert. Nette junge Menschen mit Flyern in der Hand und große Firmenlogos an allen möglichen und unmöglichen Stellen, selbst auf der Bühne, zeugen für gewöhnlich davon.

Eine besonders penetrante Art der Sponsorenpräsentation bot am Sonntagabend das Konzert von George Ezra in der Arena Leipzig: Nachdem das Licht in der Halle gedimmt war, erschien links und rechts der Bühne in riesigen Digitalwecker-roten Zahlen zunächst „06:59“. Beim Wechsel auf „07:00“ quäkte der Radiowecker los und der Morningshow-Moderator begrüßte zur Morningshow. An einem Sonntagabend!

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Grünpflanzen und ein Grammophon

Niemand möchte sonntags an Montag und ans frühe Aufstehen denken – am wenigsten diejenigen, die noch bis spät bei einem Konzert sind. Zumal die Aktion so rein gar nicht zur grandiosen und eben nicht effekthaschenden Show von George Ezra passt.

Zum Glück hüpft der nach diesem Schreck schnell auf die große Bühne zu seiner siebenköpfigen Band mit Keyboard, Klavier, Schlagzeug, Bass, Trompete, Flügelhorn, Posaune sowie allerhand Gitarren und Saxophonen zwischen Stehlampen, Grünpflanzen und einem Grammophon.

Über all dem ragen drei riesige (Videoleinwand-) Fenster in die Höhe, die in jedem Song in andere Welten blicken lassen: konkrete, abstrakte, kitschige, knallbunte, düstere. Links und rechts davon hängen zwei weitere, quadratische Leinwände, die größtenteils Livebilder von der Bühne zeigen. Dazu ganz viel Licht, im vorderen Drittel der Halle beginnen zu „Hold My Girl“ dutzende Lampions an der Decke auf- und abzutanzen. Optisch ist dieses Konzert kaum zu überbieten.

Herzerweichend

Auch akustisch überzeugt der 25-jährige Songwriter aus England – schon in seinen Ansagen, die er in herzerweichendem British-English in den Saal lächelt, das in keinem Wort so schön klingt wie in „lovely“: „This is my lovely Band“, sagt er und: „Everybody is having a lovely time.“ Mit dem zweiten Satz beschreibt er einen Bandaufenthalt in einem Klischee des sonnig-relaxten Kalifornien – wo nur Ezra selbst eben krank wurde (verarbeitet in „Paradise“).

Überhaupt erzählt er viel von seinen Reisen, auch weil er genau darüber seine Songs schreibt, von „Budapest“ über Südafrika bis „Barcelona“. Von der katalanischen Stadt singt er ganz allein im Dunkeln, nur ein heller Schein fällt dabei durch eins der Fenster, die nun Kirchenfenster sind.

„Schön“, entfährt es einem jungen Mädchen. Im allzu kalkulierten Evergreen „Pretty Shining People“ sind vier riesige Ezras auf den Leinwänden zu sehen, die alle die Gitarre McCartney-mäßig halten, während der kleine, echte Ezra weiter richtig herum Gitarre spielt. Verwirrend, diese digitale Welt.

Breitband-Poprock-Sound

Überhaupt nicht verwirrend – und das verwirrt dann doch – ist der Klang des Konzerts, ja: Klang. Soulige Backgroundchöre und erstaunlich schön kratzige Bläsersätze kommen im Breitband-Poprock-Sound (mit entsprechend etwas zu viel Phil Collins im Schlagzeug) voll zur Geltung, Gitarren und Bass matschen nicht weg – und Ezras Stimme klingt voll und tief und überhaupt nicht brummig.

Seine Songs sind längst nicht alle Hits, so dass es schon auch mal ein bisschen im Midtempo plätschert. Knaller wie „Paradise“, „Blame It on Me“ und „Shotgun“ lassen sich aber prima durch klatschklatschklatschen – einschließlich lustig wackelnder Köpfe bis zur letzten Reihe im Rang. Ja, doch: „Everybody is having a lovely time.“

Und Ezra sieht auch nicht krank aus, eher wie ein Junge, der sich freut, dass Tausende seine Lieder singen. Und falls er doch noch krank geworden ist, gibt’s demnächst vielleicht ja einen Leipzig-Song.

Von Benjamin Heine

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