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Kultur Regional MDR-Sinfonieorchester spielt im Gewandhaus unter Andris Poga Mussorgsky und Ravel.
Nachrichten Kultur Kultur Regional MDR-Sinfonieorchester spielt im Gewandhaus unter Andris Poga Mussorgsky und Ravel.
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15:32 14.04.2019
Bilder einer Ausstellung: Andris Poga, das MDR-Orchester und die Video-Installation Arthur Spirks. Quelle: Andre Kempner
Leipzuig

Auch der MDR kann – oder will – sich dem Strudel der Jubiäumsfeierlichkeiten nicht entziehen. Schlicht „Bauhaus 19“ ist das sechste nur mäßig besuchte Konzert der „Reihe eins“ überschrieben. Dazu mag einem so allerlei einfallen, wie sich auch die Macher der Großfeierlichkeiten rund um den 100. Geburtstag der Kunst- und Designschule so einiges haben einfallen lassen: Das Bauhaus ist längst zur nationalen Sinnstiftungsmaschine geworden. Und die läuft derzeit auf Hochtouren, wird einhellig als vielgestaltig, transnational, mindestens aber radikal zeitgemäß gefeiert. Dass die von 1919 bis 1933 existierende Kunstgemeinschaft ein Sammelbecken für Ideen aller Couleur war, nie nur progressiv, international, emanzipatorisch, sondern auch reaktionär, esoterisch, technokratisch, wird allzu gern vergessen. Aber das nur am Rande.

Unverfänglich

Der Beitrag des MDR zum Jubeljahr nimmt sich dahingehend unverfänglich aus. Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ gibt es zu hören und – mit einer Video-Visualisierung des Schweizers Arthur Spirk – gleichzeitig zu sehen. Die auf eine großformatige Leinwand projizierten Bewegtbilder sind eine Rekonstruktion des Bühnenarrangements, das Bauhaus-Meister Wassily Kandinsky 1928 für eine szenische Aufführung des Stücks am Friedrich-Theater Dessau entworfen hat. Wiederkehrende Elemente aus Kandinskys abstrakter Bilderwelt mit musikalischen Titeln wie Fuge, Improvisation oder Composition ziehen sich leitmotivartig durch die Inszenierung. Zur „Promenade“ leuchtet blutmondrot ein Kreis, zu dem sich beim „Gnomus“ schnell weitere Elemente aus Kandinskys geometrischem Figurenrepertoire hinzugesellen. Dreieck, Quadrat, mal in Blau, Grün, Gelb, die sich vor schwarzem Hintergrund zu einem Katakomben-Gewölbe zusammenschieben, wieder verblassen, um danach das Stadtpanorama Kiews anzudeuten. Das ist präzis und solide choreographiert und nicht ohne Augenzwinkern inszeniert, wenn etwa zum Ballett der unausgeschlüpften Küken drei gelbe Punkte Faschingspolonaise tanzen. Ob die Animationen gegenüber den statischen Bühnenbildern Kandinskys tatsächlich mehr über die Musik zu sagen haben, sei dahingestellt. Zumindest lenken die Video-Einspieler nicht unnötig ab von den farbprächtigen Klängen, die der lettische Dirigent Andris Poga am Pult des MDR-Orchesters in den abgedunkelten Saal schickt. Der entdeckt in der von Maurice Ravel eingerichteten Instrumentierung der „Bilder“ immer wieder pinselfeine Details, kleine Holzbläsersoli, aparte Streichermischungen und hebt sich damit wohltuend ab von sonst üblichen Al-fresco-Ausführungen.

Klangliche Finesse

Auch in der ersten Konzerthälfte, in der sich alles um Ravel, aber nicht ums Bauhaus dreht, setzt er ganz auf klangliche Finesse. Doch im „Tombeau de Couperin“ können ihm die Funkmusiker um Konzertmeisterin Waltraut Wächter noch nicht so recht folgen. Vor allem mangelt’s der Tanzsuite an rhythmischer Präzision, ohne die Ravels spieluhrenartige Feinmechanik schnell ins Ruckeln gerät.

Zauberische Zugabe

Für mehr Akkuretesse sorgt Roger Muraro im G-Dur-Klavierkonzert. Schön, dass der MDR den 1959 geborenen Franzosen eingeladen hat. Der Schüler von Messiaens Frau Yvonne Loriod ist hierzulande selten zu hören, das aber völlig zu unrecht. Seine Gesamtaufnahmen der Klavierwerke Messiaens hat Referenzstatus, und auch sein Ravel kann sich hören lassen. Dabei betört sein Spiel weniger durch delikate Klangspezereien, als durch glasklare Artikulation und flotte Tempi. Das tut besonders dem zweiten Satz gut: Wo andere Pianisten sich ihre Freiheiten nehmen, hält er das Ostinato strikt durch, hat aber dennoch hörbar Spaß am Zusammenspiel mit den MDR-Musikern. Für den vielen Applaus bedankt er sich mit einer zauberischen Zugabe, dem ersten Märchen aus Ravels Sammlung „Ma mère l’Oye“, eigentlich für vier Hände schrieben, aber Muraro, ein kindlich strahlender Schlaks im Frack, kriegt die auch mit zweien hin.

Von Werner Kopfmüller

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