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Kultur Regional „Magische Hörmomente“: Alfred Koch für Radiofeatures in Leipzig ausgezeichnet
Nachrichten Kultur Kultur Regional „Magische Hörmomente“: Alfred Koch für Radiofeatures in Leipzig ausgezeichnet
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20:30 26.06.2018
Am Dienstag erhielt der österreichische Radiojournalist Alfred Koch (61) den Axel-Eggebrecht-Preis im Medien-Campus Villa Ida. Seine Frau Anna kam mit nach Leipzig. Quelle: André empner
Leipzig

Er hat Paul Auster in Brooklyn besucht und den Mythos um Johanna Spyris „Heidi“ satirisch dekonstruiert. Er hat „Das doppelte Leben des Raymond Carver“ belichtet, ist mit Pulitzer-Preisträger Richard Ford Ruderboot und mit Sabine Gruber auf einer 300er Vespa gefahren – mit einer Hand hält er sich an ihr fest, mit der anderen der Schriftstellerin das Mikro unter die Nase. Alfred Koch stellt Künstler vor. Und seine Radiofeatures über Schriftsteller sind selbst Kunstwerke. Er mische Interview, Zitate, Geräusche und Atmosphärenmusik so dass etwas Neues herauskommt“, sagt der 1957 im österreichischen Graz geborene Radiojournalist über seine Arbeit. „Ein Buch lesen kann ja jeder selbst.“ Seine klanglich aufgeladenen, einfühlsamen Porträts berühren und wirken nach.

Am Dienstag wurde Alfred Koch in Leipzig mit dem Axel-Eggebrecht-Preis der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig ausgezeichnet, in Anerkennung für sein Lebenswerk als Autor zahlreicher Radio-Features. Die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung wurde ihm im Rahmen des Sommerfestes der Medienstiftung auf dem Mediencampus Villa Ida übergeben. „Alfred Koch hat dem deutschkundigen Hörer die Welt der Literatur und ihrer Schöpfer nähergebracht. Seine Arbeit im Bereich des Radio-Features ist stilprägend“, sagte Stephan Seeger, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung, vorab über den Ausgezeichneten. Der Axel-Eggebrecht-Preis wird alle zwei Jahre in Erinnerung an den gleichnamigen Radiofeature-Pionier vergeben.

Koch schaffe „magische Hörmomente“, hatte die Jury ihre Entscheidung begründet. Sein Werk sei ein Gegenentwurf zur „heutigen Häppchenkultur“: „Die Welt wird in Puzzleteile zerlegt, um zu verstehen, was sie zusammenhält. Es sind psychologische und philosophische Erkenntnisse, die der Zuhörer von Koch bekommt.“

„Im Auto lesen wir uns gegenseitig Romane vor“

„Er bekommt alle Gesprächspartner dahin, wo er sie hinhaben möchte“, verrät seine Frau Anna in einem vorab gezeigten Videoporträt über ihren Mann. Sie ist mitgekommen zur Preisverleihung. „Im Auto lesen wir uns gegenseitig Romane vor“, erzählt Alfred Koch im anschließenden Interview mit Thomas Bille. „Großartig“ findet er die Lebenswerk-Auszeichnung. Sie zähle noch einmal mehr als die Preise, die er bereits für einzelne Beiträge bekommen habe. Koch arbeitet „sehr gerne“ im Hintergrund. Deswegen sei er ja beim Radio. Deswegen vielleicht muss er eigens aufgefordert werden, auf die Bühne zu kommen. Und deswegen fragt er Bille bald, ob die Bratwürste beim Sommerfest im Garten nicht schon kalt würden. „Nee, Herr Koch, ich hab’ noch was“, sagt der und will wissen, wie lange es solche aufwendigen, tiefgreifendes Features, wie er sie mache, noch gibt. „So lange, wie es den Gebührenfunk gibt“, meint Koch. „Die Hörer müssen nicht wissen, wie lange man an so etwas arbeitet, aber sie spüren es.“

Koch hatte seine Arbeit 1976 in Wien begonnen. Er ist 19 Jahre alt, als er sich der Redaktion der Jugendsendung „Musicbox“ des Radiosenders Ö3 vorstellt – mit Gedichten in der Tasche. Eigentlich will er Schrifsteller werden. Er überzeugt, studiert nebenbei Philosophie, Geschichte und Logistik. Ende der 80er wird er Moderator und Autor der Sendereihe „Diagonal – Radio für Zeitgenossen“ bei Ö1.

Heute ist Koch dort Producer der Sendereihe „Tonspuren – Hörbilder zur Literatur“. „Die ständige Neuerfindung des Radios“, heißt ein Feature, das seine Redaktion aus Anlass der Preisverleihung über ihn gemacht hat und gestern gesendet wurde. „In der Stimme offenbart sich der Charakter. Einmal Hören ist besser als tausend Mal sehen“, sagt er darin. Und: „Meistens wird ein Gespräch dann interessant, wenn man es formal schon beendet hat.“ Was auch für die Zeit nach einer Auszeichnung für das Lebenswerk gelten kann.

Von Jürgen Kleindienst

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