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Kultur Regional Max Herre überzeugt die Leipziger vor allem mit seinen alten Stücken
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14:54 12.07.2019
In den Stücken seines noch nicht erschienenen neuen Albums widmet sich Max Herre eher deprimierenden Themen. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Es ist bereits 20.28 Uhr am Donnerstagabend, als beim Konzert von Max Herre der erste große Jubel aufbrandet. Knapp eine halbe Stunde hat der Rapper/Singer/Songwriter auf der Parkbühne im Clara-Zetkin-Park vor sich hin geschrammelt, hat sich mit Autotune-Stimme und Trap-Beats versucht, um Werbung für sein neues Album „Athen“ zu machen, das am 30. August erscheint – die erste Studioplatte nach gut sieben Jahren. Beinah teilnahmslos hat das spärliche Publikum die Herreschen Gehversuche in aktuellen Raptrends beigewohnt, die deprimierenden Themen der ersten Auskopplung (ebenfalls „Athen“ genannt) oder von „Villa auf der Klippe“ (im Original mit Trettmann) wie das Auseinanderleben in einer Beziehung harmonieren zum mattgrauen Himmel, der am Ende des Konzerts noch seine Schleusen öffnen wird.

Auf seinem Konzert am Donnerstag auf der Parkbühne hat Max Herre zuerst Lieder von seinem noch nicht erschienenen neuen Album „Athen“ gespielt. Besser wurde die Stimmung – auf und vor der Bühne – aber, als sich Joy Denalane anschloss und die älteren Sachen dran waren.

Doch als kurz vor halb neun Joy Denalane auf die Bühne stürmt, geht zumindest metaphorisch die Sonne auf und die Zuschauer eskalieren. Das Ehepaar stimmt „1ste Liebe“ von Herres selbstbetitelten Debüt-Soloalbum an und die programmatische Zeile „Schön, dass du wieder da bist“ lässt sich problemlos auf das Erscheinen von Frau Denalane projizieren. Sofort verdrängt eine spürbare Leichtigkeit die zuvor vorhandene bleierne Schwere.

„Wir waren zuletzt mit FK hier“, ruft Herre in die Menge, „und ihr seht immer noch toll aus“. Wobei auffällt, dass die Fans mit dem Künstler, der auch schon 46 ist, gealtert sind. Einige haben ihre Kinder dabei, andere sind gerade schwanger, die meisten stießen wohl schon zu Freundeskreis-Zeiten Ende der 90er zu seiner Musik.

Und tatsächlich ziehen auch die Tracks aus dieser Zeit beim diesjährigen Herre-Besuch in LE am besten. „Wer war schon 1999 am Start?“, fragt der gebürtige Stuttgarter zu Beginn von „Esperanto“, während im Hintergrund Bilder von Freundeskreis-Auftritten über die Leinwand laufen. „Das ist der 20. Geburtstag“, schiebt er hinterher und hängt sich eine Gitarre um, um ein bisschen zu jammen.

„Wir lieben die Musik aus der DDR

Passend für die älteren Semester schickt Herre im Anschluss eine eigene Version von „Nachts“ der DDR-Legenden Veronika Fischer und Panta Rhei hinterher, zusammen mit warmen Worten über die anspruchsvolle ostdeutsche Klangkultur. „Wir lieben die Musik aus der DDR“, deklamiert Herre und geht direkt in den politischen Part seines Auftritts über, in dem er betont, dass rechte Tendenzen kein rein ostdeutsches Phänomen seien, aber hier demnächst Wahlen anstünden und nicht nur in den Großstädten wie Leipzig sich den Nazis entgegengestellt werden müsste. Es folgen mit „Dunkles Kapitel“ über die Zeit des Nationalsozialismus und „Sans papiers“ über die Situation der illegalen Migranten in Europa mal wieder zwei Stücke vom neuen Album. „Es geht nur um 45 Menschen auf Lampedusa, aber es musste erst eine mutige Kapitänin kommen, eine echte Ra(c)kete“, meint Herre.

Dann ist Zeit für eine Pause und schließlich für den Track, auf den alle gewartet haben: „A-N-N-A“. Der geneigte Zuhörer fühlt sich nun wirklich ein wenig ins Jahr 1997 zurückversetzt, während einen „Wolke 7“ vom letzten erschienenen Album „Hallo Welt!“ wieder in die Gegenwart katapultiert. „Wir schwofen jetzt noch ein bisschen zusammen“, kündigt Herre an, und nun schwofen auch wirklich alle mit. Es wird so doch noch ein angenehmer Abend, mit einem Wermutstropfen: Der zweite große Klassiker „Mit dir“, bei dessen Aufnahme sich Max Herre und Joy Denalane kennenlernten, wird nicht mehr gespielt. Es wäre der perfekte Rausschmeißer gewesen.

Von Christian Dittmar

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