Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Regional Mehr Show als Literatur: Bestseller-Autor Sebastian Fitzek auf Lesetour
Nachrichten Kultur Kultur Regional Mehr Show als Literatur: Bestseller-Autor Sebastian Fitzek auf Lesetour
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:17 15.11.2019
Hier liest er wirklich: Sebastian Fitzek (48, r.) und seine musikalische Begleitung am Mittwoch auf der Neuen Messe in Leipzig. Quelle: Dirk Knofe.
Leipzig

Wie ein Popstar betritt er die Bühne. Im schwarzen Anzug, kurzzeitig wie in einer Helene Fischer-Show an einem Seil über die Bühne schwebend, präsentierte sich Bestseller-Autor Sebastian Fitzek am Mittwochabend in Leipzig.

Um sein aktuelles Buch „Das Geschenk“ vorzustellen, hat der Berliner einiges aufgefahren. Keine schnöde Wasserglaslesung, sondern eine aufwendig produzierte Literatur-Show präsentierte Fitzek seinen rund 2300 Fans in Halle 3 auf der Neuen Messe. „Soundtrack-Lesetour“ nennt sich das audiovisuelle Event, mit dem Fitzek noch bis Anfang Dezember durch die Hallen der Republik tourt.

Multimediales Erlebnis

Auf seiner Lesetour begleiten den 48-Jährigen die Elektroband Buffer Underrun und ein klassisches Ensemble um den Pianisten und Komponisten Leon Gurvitch. Sie liefern den Live-Soundtrack aus eigens dafür komponierten Stücken. Visuell wird die Lese-Show durch Videos und Lichteffekte unterstützt, die auf einer riesigen Leinwand im Hintergrund ablaufen.

„Es wird immer gesagt, das Buch ist vom Aussterben bedroht, aber wenn es ein Genre gibt, das die Leute begeistert, dann ist es der Psycho-Thriller“. Sebastian Fitzek, der sich selbst als „Psycho-Onkel“ bezeichnet muss es wissen: Er ist einer der bekanntesten und auflagenstärksten Krimi-Autoren Deutschlands. Mit dem Format der Lese-Show will er, ähnlich wie Schriftsteller-Kollege Frank Schätzing, Literatur zu einem multimedialen Erlebnis machen – zu einer Show eben.

Literatur tritt in den Hintergrund

Fitzeks Lesung aus „Das Geschenk“ wird von Live-Musik begleitet. Zusätzlich werden Soundeffekte wie ein Telefonklingeln oder ein Schuss eingespielt. Das erinnert an ein Live-Hörspiel und wird durch die Videos ergänzt, in denen Handlungsorte gezeigt werden wie das Diner, das der Protagonist Milan Berg überfallen will. Was hinter diesem Konzept steckt, ist klar: Die multimedial erzeugte Atmosphäre soll die Romanhandlung intensiver erfahrbar und zum sinnlichen Erlebnis machen.

Allerdings wird in Fitzeks knapp zweistündiger Lese-Show kaum gelesen. Lediglich vier kurze Ausschnitte, insgesamt circa 20 Minuten lang, liest er aus seinem Buch. Die übrige Zeit nutzt er, um über sein Schreiben, seine Inspiration oder sein Verhältnis zu seinen Figuren zu reden. Dabei driftet er allerdings sehr weit ab, und die Literatur tritt stark in den Hintergrund – ihr Autor aber umso mehr hervor.

Fitzek erzählt Witze und Anekdoten aus seinem Leben, stellt Freunde vor, zeigt Videos, die keinerlei beziehungsweise einen sehr weit hergeholten Bezug zu seinem Thriller haben. Beim Publikum kommt das gut an. Was Fitzek hier veranstaltet, ist eine Mischung als Selbstinszenierung und Werbeshow. Er zeigt sich gerne – auf der Bühne, und in den immer wieder eingespielten Filmen.

Starke Selbstinszenierung

Natürlich ist ein Buch ein Produkt und der Buchmarkt eben genau das: ein Markt, auf dem dieses Produkt verkauft wird. Die Selbstinszenierungen von Autorinnen und Autoren gehören wie auch ihre Lesereisen zu den Marketingstrategien, mit denen ein Buch verkauft werden soll. Doch gleichzeitig ist es mehr als ein Produkt. Bei Fitzeks Soundtrack-Tour stehen die Selbstinszenierung und das Marketing für sein Buch so sehr im Vordergrund, dass die Literatur kaum mehr eine Rolle spielt und hinter die Inszenierung des Autor zurücktritt.

Als Sebastian Fitzek gegen Ende der Show auch noch für sein Audible-Hörbuch von „Das Geschenk“ wirbt, wird noch einmal besonders deutlich, dass diese Soundtrack-Lesetour hauptsächlich der Werbung dient.

Sebastian Fitzek: Das Geschenk. Thriller. Droemer; 368 Seiten, 22,99 Euro

Von Lilly Günthner

Natürlich kann man Äpfel mit Birnen vergleichen. Ist dann aber nicht unbedingt Obstkenner, sondern versteht vielleicht einfach die Welt nicht mehr, in der sich Fledermäusen und Orchester noch weniger vergleichen lassen. Eine Glosse von Janina Fleischer

14.11.2019

„Welcome back to 1985!“ heißt die Parole, mit der das norwegische Synthie-Pop-Trio A-ha auf „Hunting High and Low“-Tour ist. Am Mittwoch in der Arena Leipzig zeigten die Musiker auch, wie man das Altern sehr gut im Griff haben kann.

14.11.2019

Zehn + Eskimo = Euphorie: Nach gut zweieinhalb Jahren waren Manfred Mann und seine Earth Band am Mittwochabend wieder im Leipziger Haus Auensee und begeisterten die knapp 900 Fans knapp zwei Stunden lang mit zehn Titeln plus und dem Mächtigen Quinn als epische Zugabe.

14.11.2019