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Kultur Regional Mit Dieter Thomas Kuhn in Leipzig durch den Monsun
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15:15 14.07.2019
Auf Tuchfühlung: Dieter Thomas Kuhn auf der Leipziger Parkbühne mit einem Fan. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Dieter Thomas Kuhn gilt als singende Föhnwelle mit Brusthaartoupet, bei seinem Auftritt auf der Leipziger Parkbühne am Samstagabend bewies er wieder einmal glasklar, wofür seine Fans ihn lieben: glitzerbunte Partyabende mit den besten Schlagern der westdeutschen Nachkriegsgeschichte. Wobei es mit „Über sieben Brücken“ ein Karat-Song in die Auswahl geschafft hat, wenn auch vermutlich über den Umweg Peter Maffay.

Die Kälte konnte seinen Fans nicht anhaben: Am Samstag hat Schlagerbarde Dieter Thomas Kuhn auf der Parkbühne sein jährliches Konzert gegeben. Schon am 9. August kehrt er dorthin zurück.

Zunächst steht der Abend unter keinen guten Vorzeichen. Der angekündigte Regen entlädt sich kurz vor Beginn explosionsartig über den Clara-Zetkin-Park und viele der Fans im ausverkauften Halbrund ziehen eher unschicke Plastikponchos über die ansonsten bunt ausstaffierten Kostüme. Trotzdem: Ein Konzert von Dieter Thomas Kuhn ist nicht nur ein Konzert, es ist eine Art Karneval mit farbenfrohen Schlaghosen, quietschbunten Kleidern und Anzügen und blinkenden Sonnenbrillen. Eher ausschweifendes Fest als Konzert und sicher auch der angenehmste Weg, sich dieser Musik zu nähern.

Mit dem Nähern allerdings ist es für viele gar nicht so einfach: Der sichtlich überforderte Einlassdienst schafft es nicht, diesen allen Besuchern pünktlich zu gewähren, so dass für viele die Party draußen losgeht, als der Meister und seine siebenköpfige Männerband musikalisch eröffnen mit der Feststellung, dass es schön sei, auf der Welt zu sein. Kuhn selbst präsentiert sich in einem glänzenden schwarz-weiß-gestreiften Anzug mit roten angenähten Blüten und weißem Hemd, unter dem das berühmte Brusthaartoupet hervorlugt. Auch seine Band ist in knallbunte Anzügen gekleidet, die immerhin, so die Aussage des Entertainers, frisch gereinigt sind. Na denn.

Stromausfall bei „Über den Wolken“

Trotz des miesen Wetters – immer wieder werden die Fans von Regenböen getriezt – lässt sich niemand die gute Laune nehmen. Auch Dieter Thomas Kuhn nicht, als nach einer halben Stunde Spielzeit und mitten in der Kuhnschen Version von Reinhard Meys „Über den Wolken“ ein Stromausfall die Tonanlage lahm legt und die Band mit einem improvisierten Drum-Duett die Zeit überbrücken muss, während Kuhn am Bühnenrand eine Tanzperformance abzieht, irgendwo zwischen Disco-Gezappel und veritablem Striptease. Doch bald haben die Techniker die Lage wieder im Griff und können auch die riesige LED-Wand im Hintergrund wieder hochfahren. Die Show kann weitergehen.

Also wiegt sich das Heer der mitgebrachten Sonnenblumen weiter im Regen. Und es gibt nicht nur Schlager: Ob Liedermacher wie Reinhard Mey oder Juliane Werding, Rock-Größen wie Udo Lindenberg und sogar Songs von Rio Reiser, sie alle werden von Kuhn durch den großen Kuhn-Gleichmacherwolf gedreht, um als absolut massenkompatibles Liedgut kuhnifiziert zu werden. Nur halbwegs populär und mitsingtauglich muss es sein. Ihm ist wenig heilig, auf seinen Merch-Produkten covert er die Optik des Che-Guevara-Bildes oder das berühmte Ramones-Plattencover. Ironie als letzte Waffe.

Gänsehaut-Moment bei Rio Reisers „Für immer und dich“

Die Fans lieben es und machen mit bei dieser Parodie auf die Flower-Power-Bewegung (samt exzessiven Peace-Zeichen), die hier in knallbuntem Pop daherkommt. Inhalte werden da gerne überwunden, wenn etwa zur Anti-Drogen Hymne zum Tode Conny Kramers LSD-motivierte psychedelische Animationen durch den Hintergrund schwappen, ist es auch schon wieder egal. Leise Momente sind rar, aber Kuhns Solo-Nummer am Flügel zu Reisers „Für immer und dich“ ist tatsächlich mal ein Gänsehaut-Moment.

Viel Pyro und Konfetti sowie buchstäbliche Pauken und Trompeten zum Finale. Nass und beseelt trotten die meisten von der Parkbühne – wohin Kuhn im August zu einem Zusatzkonzert zurückkehrt. Vielleicht ja bei besserem Wetter.

Karten für Dieter Thomas Kuhns Zusatzkonzert auf der Parkbühne am 9. August, 19.30 Uhr, gibt es unter anderem für 39 Euro bei der Ticketgalerie, unter 0800 2181050 oder www.ticketgalerie.de

Von Torben Ibs

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