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Kultur Regional Moni und Manni: Neues Programm im Sanfwut-Kabarett bejubelt
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18:25 09.09.2019
„Lieber ein komischer Vogel als ein grauer Star“: Manni (Thomas Störel) und Moni (Uta Serwuschok) im Kabarett-Theater Sanftwut. Quelle: André Kempner
Leipzig

Die Frage ist reine Rhetorik: „Wo sind die Fans?“ Gleich zu Beginn will der Manni das wissen. Am Sonntag zur Premiere von „Lieber ein komischer Vogel, als ein grauer Star“; dem neuen, dem inzwischen fünften gemeinsamen Programm von Moni und Manni (alias Uta Serwuschok und Thomas Störel) im ausverkauften Sanftwut-Kabarett.

Muss man eigentlich noch erklären, wer Moni und Manni sind? Wohl eher nicht. Über die Jahre wurden die zwei Leipziger Brettl-Stars zu Maskottchen speziell sächsischer Herzenseinfalt. Wobei in Zeiten, in denen gerade auch diese Einfalt zunehmend ohne Herz, dafür aber mit Hass daherkommt, Moni und Manni gerade das Herzige geradezu trotzig zu bewahren suchen. Wie auch im neuen Programm gut zu sehen ist.

Selbst dann, wenn der Manni, der intellektuell Halbseidene in Ballonseide, gerade in all seinen fluffigen Einfaltspinseleien immer wieder mal diese und jene stichelnde Spitzen versteckt. Etwa beim Rückblick auf die Sachsenwahl. Über die hohe Wahlbeteiligung (66,6 Prozent) habe man sich ja sehr gefreut, weil, so geht ja die Standardphrase, eine „hohe Wahlbeteiligung immer ein Sieg der Demokratie“ ist. Was der Manni, der olle Ossi, nur mit einem „Kennen wir noch von früher!“ zu bestätigen weiß.

Feinstaub war in der DDR noch richtiger Staub

Und überhaupt – früher: „Früher im Sozialismus, da hatten wir keinen Feinstaub, da hatten wir richtigen Staub.“ Wirklich toll stinkenden, Atem nehmenden Dreck. Sogar echten „Ruß aus Russland“. Und mag sich das auch geändert haben, ist im Grunde doch zugleich alles beim Alten. Bei Manni vor allem der Kleidungsstil: „Diese Hose ist man den Fans schuldig.“ Man ist dazu quasi verdammt bis zum bitteren Ende, ähnlich „unser aller Umweltaktivistin Greta Thunberg: Zöpfe tragend bis zum Klimakollaps.“ Womit man wieder beim Feinstaub wäre.

Oder auf dem heimischen Sofa: „Schon mal das Gespräch mit der Hausstaubmilbe gesucht?“, fragt der allseits gesprächsbereite Manni mit Blick auf „mit Wollmäusen um die Wette wirbelnde Weintrauben“. Und ja – das sind oft nicht nur gedanklich, sondern auch sprachlich hübsch eiernde Purzelbäume, die der Manni hier vollzieht. „Hüftpflichversicherung“ oder das süffisant alliterierende „Wenn nur nicht der widerwärtige Wählerwille wäre“ sind weitere Beispiele.

Nein, man unterschätze bloß den Manni nicht, der liest sogar noch Printmedien. Und das kritisch: „Die LVZ trennt gern falsch!“ Was verwirrend sein kann, wenn da plötzlich der Urin stinkt, wo es um den Ur-Instinkt geht. Oder man – um wieder bei der Umwelt zu sein – darüber erschrickt, dass in Thüringen die Zahl der Staub-Ecken zunimmt. Eigentlich sind natürlich Stau-Becken gemein.

Schlagergarten-Prinzessinnen-Träume

Wenn hier nun die ganze Zeit vom Manni gesprochen wird, bedeutet das nicht, dass die Moni nichts zu sagen hätte. Aber das Ungleichgewicht in der Lacher-, in der Pointenverteilung fällt auf. Und das durchaus gravierend. Dabei hat diese ganz bestimmte „Arbeitsteilung“ erst einmal was für sich: Einfalt und Herz. Denn nicht zuletzt gibt es ja einen tragikomischen Grundzug bei diesen beiden Figuren. Und da gerade bei Moni, die ja immer wieder mal mit all ihren Schlagergarten-Prinzessinnen-Träumen einer Realität zu entfliehen trachtet, die insgesamt so aussieht wie eben Gatte Manni.

Dass die zwei sich dennoch lieben – wie man sich eben so liebt, nach all den Jahren – gehört zum Rührungspotenzial, das wiederum zum Erfolgspotenzial dieses Duos beiträgt. Wie auch die polternden Kalauer und Kirmeszelt-Liedchen, deren nur sehr eventuelles satirisches Potenzial vom Publikum mit wahrer Herzenseinfalt gesanglich geradezu weggeschmettert wird. Wie dann leider auch eben jenes hier immanente Potenzial bittersüßer Tragikomik, die zeigen könnte, dass Manni und Moni eben nicht nur komische Vögel sind. Selbst, wenn sie als solche ihr Publikum auch im neuen Programm einmal mehr begeistern.

„Lieber ein komischer Vogel als ein grauer Star“ – weitere Termine: 10. bis 13. September, je 20 Uhr, 14. September, 16.30 und 20.30 Uhr, 24. bis 28. September, 5./12./29. Oktober, 9./19./21./23./27./30. November, 2./3./7./14./18. bis 21./25./26./28. Dezember im Sanftwut-Kabarett, Mädler-Passage, Eintritt 21 bis 23 Euro

Von Steffen Georgi

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