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Kultur Regional MuKo-Gala in Leipzig: Musikalische Komödie startet mit ausführlicher Gala ins Interim
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13:04 07.09.2019
MuKo-Ensemble nebst Gästen im Leipziger Westbad Quelle: Tom Schulze
Leipzig

Umbau hin wie her – die Musikalische Komödie der Oper Leipzig weiß, was sie sich schuldig ist. Und so startet sie auch im Westbad-Interim mit einer Gala in die neue Saison, die nicht nur Lust macht, auf all das, was in den kommenden Monaten ansteht in Sachen Operette und Musical, sondern mit drei Stunden auch zu lang ist: So abwechslungsreich, so interessant, so überraschend auch immer sein mag, was Hausherr Torsten Rose, Chefregisseur Cusch Jung und Chefdirigent Stefan Klingele sich vorgenommen haben für die nächsten Monate, in denen die Musikalische Komödie im Westbad Asyl genießt, während das Haus Dreilinden von Grund auf saniert wird.

Akustisch und auch als Theater funktioniert die Ausweichspielstädte im Westbad prächtig. Die Gala zur Eröffnung der Spielzeit geht ohne nennenswerte Einschränkungen über die Bühne.

Viel Schönes dabei

Andererseits: Es ist viel Schönes dabei. Denn Leipzigs Opernabteilung fürs Leichte, Witzige, Populäre geht nicht mit einem Notprogramm ins Exil, sondern trägt richtig dick auf. Und dass dies im gekonnt auf Theaterbedürfnisse eingerichteten ehemaligen Schwimmbad in der Lindenauer Odermannstraße bestens funktioniert, das zeigt der lange Gala-Abend zur Saison-Eröffnung eindrucksvoll.

Verschobene Kommunikationsachsen

Natürlich ist die raumakustische Grundkonstellation mit dem Orchester rechts neben der Bühne kompliziert. Die Wege sind weit, die im rechten Winkel verschobenen Kommunikations-Achsen zwischen der mittigen Bühne und der Orchester-Komplex rechts daneben mindestens gewöhnungsbedürftig. Aber immer wieder bekommen MuKo-Chefdirigent Stefan Klingele und Christoph-Johannes Eichhorn) Sänger und Orchester recht sauber übereinander. Und mit der zunehmenden Gewöhnung an den neuen Raum steckt da gewiss noch mehr an Präzision und Sinnlichkeit, an Vertrautheit und Geschmeidigkeit drin.

Denn die akustischen Grundvoraussetzungen sind nicht schlecht im Westbad. Zwar franst die Verstärkung der Gesangsstimmen zum Rand hin etwas aus, aber im Zentrum funktioniert’s bereits fabelhaft – und fürs Operettenfach wird sich ohnehin im Laufe der nächsten Wochen und Monate die elektronische Verstärkung der Sängerinnen und Sänger als weitgehend unnötig erweisen. Damit sind zumindest in diesem Genre die meisten Probleme vom Tisch.

Franz Lehárs Frühwerk „Die Juxheirat“ steht zum Beispiel auf dem Programm oder Sigmund Rombergs Broadway-Operette „Neumond“, dazu die Wiederaufnahme vom exotischen-sinnlichen „Land des Lächelns“ und Zellers folkloristisch betulicher „Vogelhändler“. Die Ausschnitte daraus zeigen eindringlich, dass die Bedingungen unter der nur unzureichend weggeleuchteten Decken-Deko im Prinzip nicht anders sind als im Stammhaus Dreilinden, wo bis Herbst 2020 die Bauarbeiter das Sagen haben.

Die gewohnten Leistungsträger

So werden Dirigent, Orchester und die Akteure auf der von Frank Schmutzler so elegant wie dezent gestalteten Bühne zwar wohl noch ein wenig brauchen, um wirklich präzise zueinander zu finden. Doch die souveräne Vertrautheit aller Beteiligten trägt jetzt schon über den Abend. Die Leistungsträger der MuKo sind folglich auch die Leistungsträger im Westbad: Nora Lentners Sopran, Präsenz und Ausstrahlung beglücken in der „Juxheirat“, im „Neumond“, in Kander/Ebbs etwas konturlos auf Bedeutsamkeit dringendem Erfolgsmusical „Der Kuss der Spinnenfrau“, in den Schlagern von „Spiel mir eine alte Melodie“ aus der Cusch-Jung-Revue gleichen Namens.

Die Diva prunkt wie gehabt

Mirjam Neururer begeistert mit Auszügen von Lehár, Zeller, Bernstein. Jeffery Krueger im „Neumond“, als „Jesus Christ Superstar“, Justus Seeger und Milko Milev souverän quer durchs Repertoire, Sabine Töpfer im komischen Fach, Chefregisseur Cusch Jung als Moderator und Pilatus und Angela Mehling als sensationelle Diseuse auf den Spuren von Wieners „Nowak“. Diva Lilli Wünscher prunkt wie gehabt mit ihrer sinnlichen unteren Mitte, und Tenor Adam Sanchez präsentiert, während er wie immer nachgerade manisch Teile seiner Kleidung umklammert hält, eine wirklich schöne Stimme.

Allerdings ist sie nicht so schön und souverän geführt, dass einzusehen wäre, dass Radoslaw Rydlewskis geschmeidiger, sinnlicher, strahlender, beweglicher Wunder-Tenor seit Beginn der Spielzeit in den Chor der Musikalischen Komödie verschoben wurde. Aber derlei hat in der Musikalischen Komödie ja eine gewisse Tradition. Wie auch immer: Matthias Drechslers Chor und Stefan Klingeles MuKo-Orchester bleiben sich und der Musik nichts schuldig, und die Musical-Gäste Anke Fiedler und Friedrich Rau ebenfalls nicht.

Das volle Programm

Wie auch immer: Auch im Westbad bietet das Haus Dreilinden in der neuen Saison das volle Programm. Von der Operette übers Musical bis zum Ballett (Mirko Mahr lässt beim „Balkanfeuer“ und „Zorbas“ an der Folklore-Front nichts anbrennen), vom Ufa-Schlager bis zum Broadway, von der Ausgrabung bis zum Genre-Renner fehlt nichts im Spielplan.

Und da das alles nach kurzer Eingewöhnung auch akustisch bestens funktionieren wird im ungewohnten Rahmen, spricht trotz der Umbau-Maßnahmen im Haus Dreilinden nichts gegen eine schöne Saison 2019/2020 der Musikalischen Komödie Leipzig. Beim Publikum jedenfalls kommt auch die Eröffnungs-Gala schon gut an.

Von Peter Korfmacher

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