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Kultur Regional Musica Nova und eine Uraufführung im Grassimuseum
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13:41 19.06.2019
Steffen Schleiermacher (l. ) und Ralf Mielke im Grassimuseum. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Eine Weltreise durch die Neue Musik erwartete die Bachfest-Besucher am Dienstagabend in der locker gefüllten Pfeilerhalle des Grassimuseums. Nach der tanzenden Moderne vom Vorabend hieß es nun „Die Avantgarde verreist“.

Pianist Steffen Schleiermacher, Leiter der Konzertreihe Musica nova, führt wie immer humorvoll durch den Abend, gibt Denkanstöße, kulturelle Hintergrundinformationen und Interpretationshilfen vor der Aufführung der Stücke. Sowohl an seiner Seite als auch solistisch agiert Flötist Ralf Mielke. Europäische zeitgenössische Komponisten, die sich in fremden Kulturräumen umgehört haben, erklingen genauso wie fernere Komponisten, die von Europa inspiriert wurden. Dazu passt die fast schon exotische Schwüle, die in der Pfeilerhalle herrscht.

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Bali-Inspirationen und Straßenlärm

Den Anfang macht ein Werk Dieter Macks: „Kebyar Baru“, für Flöte und Klavier, eine Anspielung auf die Musikstile Balis. Der schnelle Wechsel von Klangexplosionen und absoluter Ruhe in der Melodieführung zeichnet das Stück aus. Ebenfalls von Bali inspiriert ist „Klungkung“, ein Klavierstück, geschrieben von Schleiermacher selbst. Laute, schrille Pattern, abgelöst von bassigem Gebrummel beschreiben die gleichnamige Stadt und ihren Straßenlärm.

Bei „Three pieces from Chu-u“ von Kazuo Fukushima steigt Mielke wieder mit ein, wird ganz Flöte, sowohl im Pianissimo als auch im Trommelfell gefährdenden Fortissimo. Mit Olivier Messiaens „Cantéyodjayâ“ geht es vor der Pause nach Indien, und Schleiermacher stürzt sich Hals über Kopf in die Motive, die von vogelähnlichem Zwitschern bis zu dunklen Strudeln reichen und das Publikum atemlos zurücklassen.

Uraufführung von Knut Müller

In der zweiten Hälfte folgen die Komponisten Ernst Bechert, Knut Müller, Stefano Scodanibbio und Isang Yung. Bei der Tonband-Urabspielung von „Hagoromo“ ist Müller persönlich anwesend. Seine Komposition ist eine elektronische und erzählt eine Geschichte aus dem japanischen No-Theater, unterlegt mit teilweise verzerrtem japanischen Text. Die Töne ziehen, zupfen, blubbern aus dem Lautsprecher, fließen in der Wahrnehmung von links nach rechts und zurück. Metallisches Klopfen und dumpfes Wogen intensivieren sich, bis die Frauenstimme die letzten Worte spricht. Leider ohne Zugabe, aber beschenkt mit vielschichtigen, musikalisch höchstwertigen und nachhaltig beeindruckenden Klängen entlassen Schleiermacher und Mielke das Publikum in wohltuende Nachtkühle.

Von Katharina Stork