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Kultur Regional Musikalisches Volksfest: Andris Nelsons dirigiert wieder im Rosental
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16:49 26.06.2019
Andris Nelsons im Rosental Quelle: . Stev Wackerhagen/Gewandhaus
Leipzig

Den Saison-Abschluss lässt er sich nicht nehmen: Gewandhauskapellmeister Andris Nelsons, 40, beendet die Spielzeit am Freitag uns Samstag (28., 29. Juni 2019) mit „Werken der italienischen Operntradition“ im Leipziger Rosental.

Impressionen der Konzerte 2018

Wie fühlt es sich am Ende Ihrer ersten vollständigen Saison an, Gewandhauskapellmeister zu sein?

Immer noch toll. Es ist aufregend, macht mich stolz, glücklich – und ich freue ich auf eine möglichst lange Arbeit mit dem Gewandhausorchester.

Wie Carl Reinecke, der mit 36 Jahren im Amt den Leipziger Rekord hält?

(lacht) Das liegt ja nicht nur an mir. Ich möchte jedenfalls nicht erst aufhören, wenn alle hinter meinem Rücken schon tuscheln, dass es jetzt endlich Zeit wird. Aber darüber mache ich mir noch gar keine Gedanken. Im Moment bin ich so euphorisch über das, was mit dem Orchester alles möglich ist, über die Stadt und das Publikum, dass ich mir denke: 36 Jahre? Warum nicht.

Was ist das Besondere an Leipzig, dem Gewandhausorchester und dem Publikum?

Fangen wir mit dem Orchester an: Da ist ein wechselseitiges Vertrauen, das so vieles möglich macht. Das hat sich jetzt gerade wieder auf unserer sehr erfolgreichen gemeinsamen Tour durch Japan und China gezeigt. Natürlich steht am Ende eines jeden Konzertes das jeweilige Werk als Ziel. Aber der Weg dahin ist immer wieder ein anderer, und die Bereitschaft, mit der das Gewandhausorchester auch neue Wege beschreitet, ist schon etwas sehr Besonderes. Das gibt einem das Gefühl, immer tiefer hineinzukommen in die Musik. Und so eine Tour sorgt natürlich auch dafür, dass man näher an das Orchester heranrückt. Es ist schon eine sehr familiäre Atmosphäre – nicht nur auf Tour.

Und das Publikum?

Im Grunde ist es das gleiche Phänomen: Es ist sehr familiär in Leipzig, das genau die richtige Größe hat. Groß genug, aber eben immer noch familiär. Man läuft durch die Stadt, wird von vielen Leuten erkannt und ohne Scheu angesprochen – und umgekehrt ist es nicht anders. Ich erkenne auch viele Gesichter wieder, die ich aus dem Publikum kenne. Aus einem sehr selbstbewussten kulturstolzen Publikum, für das der Konzertbesuch immer wieder etwas Besonderes ist. Etwas besonders Wertvolles.

Im Rosental wird es dann aber dennoch etwas unübersichtlicher: Wenn das Wetter mitspielt, und danach sieht es derzeit aus, werden an den beiden Tagen wieder um die 70 000 Zuschauer kommen ...

... und trotzdem soll es familiär werden. Das hat ja im letzten Jahr auch funktioniert.

Da haben Sie Filmmusik dirigiert, nun ist es „Musik der italienischen Operntradition“ – warum?

Weil sie perfekt geeignet ist für das Open-Air-Konzert. Tiefe Emotionen, großartige Melodien, die niemanden kaltlassen, eine Musik von höchster Qualität und höchstem Anspruch, die aber trotzdem auch den Leipzigern, die nicht unser Stammpublikum sind, den Zugang zur klassischen Musik erleichtert. Denn das ist für mich die Hauptaufgabe der Rosental-Konzerte: eine Feier der Kulturstadt Leipzig – der ganzen Kulturstadt. Wir möchten als Gewandhausorchester allen Leipzigern etwas schenken. Und natürlich hoffe ich, dass wir durch solche Abende auch Schwellen abbauen, Menschen hereinholen in die große Gewandhaus-Familie. Ich habe den Eindruck, dass das ganz gut klappt mit solchen sozusagen demokratischen Programmen.

Es könnte wieder ziemlich warm werden zum Wochenende ...

... ja, aber nicht zu warm.

Gibt es eine Temperaturgrenze, ab der Sie das Konzert absagen müssten?

Ich glaube, nach oben gibt es die nicht. Das hat man hier in Europa einfach nicht bedacht (lacht). Wenn es zu kalt ist oder zu feucht, spielt das Orchester nicht. Aber bei Hitze gibt es keine Grenze. Bisher.

Sie dirigieren ein reines Opern-Programm und sind überhaupt ein ziemlich gefragter Opern-Dirigent. Werden Sie auch in der Oper Leipzig dirigieren?

Ja, das kann ich sagen. Aber ich kann noch nicht sagen was und wann. Klar ist: Es wird nicht mehr während der Amtszeit von Maestro Ulf Schirmer sein.

Warum?

Weil seine Spielpläne bis zum Schluss sehr dicht durchgetaktet sind, da passt kein Andris-Nelsons-Gastdirigat dazwischen. Zumal sein Kern-Repertoire, die Wagner- und Strauss-Opern, auch mich am meisten interessieren. Also: Ich werde an die Oper kommen. Und ich freue mich riesig darauf, zumal ich bis dahin keine anderen Opern-Verpflichtungen mehr habe und die Arbeit im Graben wirklich sehr liebe.

Am Ende Ihrer nächsten Saison als Gewandhauskapellmeister steht ein sehr besonderes Projekt: Sie werden mit dem Gewandhausorchester das Bachfest 2020 mit der h-moll-Messe beenden. Schon nervös?

Nein, nervös sollte man als Dirigent nicht sein. Aber Respekt habe ich schon vor dieser Aufgabe – beim Bachfest, in Bachs Stadt, in Bachs Kirche.

Ihre erste h-moll-Messe?

Nein, einmal habe ich sie in Riga dirigiert. Und ich habe als Bassist die Arien gesungen und die erste Trompete gespielt.

In einem Konzert?

Ja, das habe ich früher oft gemacht. Eine sehr interessante Erfahrung.

Warum?

Weil es (lacht) für ein Konzert zwei Gagen gab. Schade also, dass das bei Händels Messias nicht geklappt hat. Da ist nämlich die Trompete das Solo-Instrument in der Bass-Arie „The Trumpet Shall Sound“.

Aufführungspraktische Überlegungen spielen beim Bachfest eine wichtige Rolle. Wie stehen Sie dazu?

Sagen wir es so: Ich habe höchsten Respekt vor den Erkenntnissen der letzten 50 Jahre, aber sie stehen für mich nicht im Mittelpunkt.

Will meinen?

Mir geht es um die Frage: Warum hat Bach diese Musik geschrieben? Und ich bin sicher, die Antwort darauf liegt nicht in Fragen der Besetzung, der Phrasierung, der Stimmung des Vibratos.

Sondern?

Sie liegt im Innern, im Inhalt der Musik. Es geht um religiöse, um spirituelle Erfahrungen. Um mehr also. Wie bei aller Musik. Auch im Rosental.

28. und 29. Juni, jeweils 20 Uhr: Kristina Opolais, Sopran, Thomas Hampson, Bass, Gewandhausorchester unter der Leitung von Andris Nelsons mit Auszügen von Opern von Giuseppe Verdi, Giacomo Puccini, Pietro Mascagni, Alfredo Catalani, Wolfgang Amadeus Mozart und anderen. Der Eintritt ist frei.

Von Peter Korfmacher

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